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Vermischte Nachrichten.
* Aus Dänemark.
Die llterarische und wissenschaft-liche Cultur.
Es ist etwas Eigenes um eine Literatur,die nur von so wenigen Menschen benutzt wer-den kann, wie die dänische (außerhalb des Kö-nigreiches Dänemark nur noch von den Nor-wegern und Schweden und einigen Auslän-dern, die Interesse für das Altgermanischehaben) und dennoch einen bedeutenden Rangin der gebildeten Welt einnimmt. Wollteman den Ursachen nachspüren, wie es kommt,daß ein Land, von dem man so wenig erwar-ten könnte, dennoch so vieles leistet, so würdewohl die am gewichtigsten befunden werden,daß hier eine, obgleich kaum noch thatkräftige,dennoch in der Erinnerung sich stark geltendmachende Nationalität vorherrscht, eine Erin-nerung, welche dieLiteraten und die Regierungaus die U eb erbte ibsel der früheren Cultur inZeichen und Schrift Hintrieben, erstere durchStudium, letztere durch Unterstützung und Be-förderung. Kopenhagen, der Mittelpunkt derdrei skandinavischen Reiche, war und ist ambesten geeignet, das nationale Werk, das Altewieder frisch zu beleben, in Ausführung zubringen. Und zum Beweise dessen, was indieser Hinsicht geschehen ist, bedarf es nur einerAufführung der Verbindungen, die zu demBehufe gestiftet worden sind und noch in vol-lem Aufschwünge sind. In keinem Lande viel-leicht, und das sagt sich der Däne mit Stolz,ist der Sinn für die nationelle Literatur sostark erwacht, als in Dänemark. Die königl.dänische Gesellschaft der Wissenschaften, diekönigl. Gesellschaft für vaterländische Geschichteund Sprache, die skandinavische Literaturge-sellschaft, die Gesellschaft zur Beförderung derschönen Wissenschaften, der Verein zur Beför-derung der dänischen Literatur, die isländijchellterarische Gesellschaft, die Gesellschaft für dienordische Alterthumsforschung haben mehr oderweniger denselben Zweck, an die alte Literaturdie neuere inländische zu knüpfen. An dieseGesellschaften schließen sich als Schlußsteine diereichen Sammlungen an, als die Sammlungder nordischen Alterthümer, die einen Theildes königlichen Museums ausmachen, wohinalle im Lande gefundenen Alterthümer abge-liefert werden, und ferner das durch eine könig-liche Commission gesammelte und geleitete Mu-seum für nordische Alterthümer im Christians-burger Schlosse. An diese Bestrebungen rei-hen sich ganz natürlich die an, die jetzige Zeitder alten nicht nachstehen zu lassen, daher findet
man, im Verhältniß wenigstens, in den mei-sten Ländern kaum so viele Zeitschriften undBlätter, als in der Hauptstadt und den Pro-vinzen. In der ersteren gab es im vorigenJahre 6 Blätter, die täglich, 10, die dreimal,zweimal oder einmal die Woche herauskom-men. Die wenigsten derselben sind politischenInhalts, da es hierzu eines Privilegiums be-darf, die meisten sind theologisch, juridisch,medicinisch; aber auch die naturhiftorischenWissenschaften sind nicht vergessen. Bragaund Jdu n umfaßt die Sprache der drei skan-dinavischen Reiche. In den Provinzen giebt esmehr politische Blätter, im vorigen Jahre über20, die größtentheils den kopenhagener Blät-tern die Nachrichten nachschreiben. In beidenHerzogthümern dagegen kommt nur ein täglicherscheinendes Blatt heraus. Nicht minder starkwird die ästhetische Literatur betrieben, beson-ders von Herz, Andersen, Heiberg, Hauch,Winther, Blicher, Bernard u. A., von denenein großer Theil auch in Deutschland durchUebersetzungen bekannt ist; aber mit diesennoch nicht zufrieden, bekommt der leselustigeDäne jährlich eine Menge Uebersetzungen ausdeutscher, französischer und englischer Sprache.In den sogenannten Facultätswissenschaftenwird wenig Originales geliefert, das meistewird von den Ausländern entlehnt, charakte-ristisch aber ist es, daß so viele Schulbücherhier herauskommen , 16 allein im Jahre 1839.Das Schulwesen wurde besonders, sowie dieAstronomie, von Friedrich dem Sechsten ge-pflegt, so daß von allen Reisenden, die denZustand des Schulwesens in den verschiedenenStaaten Europas verglichen, Dänemark in die-ser Beziehung sehr hervorragend geschildertwird. — JnNonwegen, wo man ein beson-deres Aufblühen der Künste und Wissenschaf-ten erwarten sollte, wenn man nämlich denhohen Stand der griechischen Cultur zur Zeitder Freiheit der griechischen Staaten von dieserfreien Verfassung bedingt herleiten will undalso auf die freie Verfassung Norwegens durchAnalogie zu schließen sich berechtigt glaubt,wird besonders darüber geklagt, daß es mitder Literatur gar nicht vorwärts schreitet undals Grund wird das Bestehen der vielen Lese-gesellschaften, Lesekabinette und Leihbibliothe-ken angegeben; selten nämlich kauft der wißbe-gierige Norweger sich ein Buch in seine eigeneBibliothek, er leihet es, und wo soll nun derSchriftsteller die Lust hernehmen, zu schreiben,wenn er kaum hundert Eremplare von seinemWerke absetzen kann? Es ist der Vorschlaggemacht worden, solche Anstalten sollten einBuch sich erst ein Jahr nach seinem Erscheinen
anschaffen, ein Vorschlag, der, wenn er auchallgemeinen Anklang fände, dennoch wenignützen würde; ein Jahr lang kann man wohlseine Wißbegierde warten lassen. — Uebrigenshat Norwegen eben so gut eine Ueberfülle vonStudirenden, wie andere Länder, an der Uni-versität zu Christiania befinden sich zwischen600 und 700 Studenten, eine Anzahl, die füreine Bevölkerung von etwas über 800,000 Ein-wohner viel zu stark ist. —-
In Schweden giebt es zwei Zweige derWissenschaften , die vorzugsweise mit Vorliebeund mit Glück betrieben werden, die Botanikund die Geschichte, und in beiden ragt eineTrias hervor. Linnes Lehrstuhl in Upsala hatWahlenberg inne; er hat sich bekannt gemachtdurch seine Flora der Karpathen und Skandi-naviens. Der zweite, Agardh, Bischof vonKarlstadt, früher Professor in Lund, der sichdurch seine Pflanzen - Physiologie berühmt ge-macht hat, genießt längst eines europäischenRufes. Nicht weniger ausgezeichnet ist Fries,Professor in Upsala, er hat eine Theorie überBildung und Classification der Kryptogamengeschrieben. Das Triumvirat der jetzigen schwe-dischen Geschichtschreiber besteht aus Fryrell,Strinholm und Geier. Fryrell ist ein populai-rer Geschichtschreiber; seine Geschichte Schwe-dens wird von allen Ständen mit Begierde ge-lesen. Keiner versteht so gut die politische Seiteder Begebenheiten aufzufassen und sie in einerso anziehenden, obgleich allgemein faßlichenSprache darzustellen. Strinholm erfreut sichebenfalls einer großen Achtung. Zuerst gab ereine Geschichte Schwedens unter Gustav Wa-sas Regierung heraus und darauf zwei andereBände, in welchen er die ersten Zeiten der Ge-schichte untersucht. Hier löst er mit vollständi-ger Genauigkeit die verwirrtesten Fragen deralten skandinavischen Geschichte. Er ist eingründlicher, gewissenhafter Schriftsteller, vontiefer Gelehrsamkeit, besonders in den skandi-navischen Antiquitäten. Geier kann sich mitden besten europäischen Schriftstellern messen;bei ihm ist ein sicherer Blick und ein tiefer phi-losophischer Geist vereinigt mit einer kraftvol-len gedrängten Sprache, die eines Tacituswürdig ist. Im Jahre 1823 begann er sein be-rühmtes Werk über die schwedischen Kroniken,und von seinem Werke, Geschichte des schwe-dischen Volkes, sind bis jetzt 3 Bände erschie-nen ; der letztere reicht bis zum Tode der Köni-gin Christine. —
Rücksichtlich des juristischen Studi-ums und Eramens an der kopenhagenerUniversität sind am Schlüsse des vorigen Jah-res einige Veränderungen getroffen worden,