Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
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604
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welche einen Wendepunkt in dem juristischenStudium bilden dürften, zumal wenn damitdie Besorgung guter Lehrbücher in den einzel-nen Fächern der Jurisprudenz in Verbindunggesetzt würde. Es ist hinsühro über sämmt-liche akademische Verträge jedes zweite Jahrein Studienplan zu entwerfen, wonach dieVorlesungen der Docenten immer mehr in ein-ander greifen sollen und es ist dahin zu stre-ben, daß demgemäß die Vorlesungen auch un-weigerlich gehalten werden. Als Einleitungin das Rechtsstudium ist die juristische Ency-klopädie vorzutragen, wogegen das Handels-recht, das ländliche Recht, das Polizeirechtund die juristische Hermeneutik beim allgemei-nen dänischen Recht mit vorzunehmen sind.Die Vorlesungen über die wichtigeren Disci-plinen sollen höchstens in zwei auf einanderfolgenden Semestern, die minder wichtigen ineinem Halbjahr beendigt werden. Auch ist aufdas römische Recht und das Staatsrecht derHerzogthümer das Eramen zu erstrecken. Nurbeim Eramen im römischen Recht soll die la-teinische Sprache gebraucht werden, bei allenandern Fächern hat man sich der Muttersprachezu bedienen. Es müssen beim Eramen Rechts-fälle bearbeitet und Relationen angefertigt wer-den. Theilweise sind die Eraminatoren dieLehrer der Candidaten, doch werden auch De-putirte der Kanzlei, Assessoren aus verschiede-nen Gerichten und die beiden General-Audi-leure hinzugezogen.

Neuigkeiten der Literatur.

Weltgedanken. Von Franz Schü-fe lka. Wien 1840. Wer auf eine unterhal-tende Weise belehrt oder auf eine belehrendeWeise unterhalten sein will, der lese diesesBüchlein. W elt g edanken, d. h. Gedan-ken über die Welt, sind für uns Erdenbürger,

die wir an der uns vom Geschick angewiesenenScholle kleben und in dem beschränkten Kreiseunserer particulairen Verhältnisse leicht einenkleinstädtischen Sinn annehmen, zur Berei-cherung und Erweiterung unseres engen Da-seins ein dringendes Bedürfniß. Denn wie derStandpunkt auf hohen Berggipfeln eröffnensie eine freie weite Aussicht, erheben uns überuns selbst und bringen uns so der hohen Würdedes Menschen, ein selbstbewußter Spiegel desUniversums zu sein, näher.

Der Verf. giebt in dem 1. Cap. einen hu-moristischen Bericht über die himmelweit ver-schiedenen Bedeutungen, die man mit demWörtchen „Welt" verbindet. „Eben diese zä-hen , tüchtig durch- und abgearbeiteten Massenmit einigen raisonnirenden Brauseköpfen alsSauerteig, diese Sonderlinge und Alltagsmen-schen, Denker und Automaten, Tugendhel-den und Schurken, Philosophen und Narren,Faullenzer und Lastträger u. s. w. u. s. w.,verbunden durch Liebe, Furcht, Hunger, Ge-wohnheit, Knecht-und Herrschaft, festgehal-ten am Zügel der Nothwendigkeit, geschmei-chelt mit dem Kitzel der Eitelkeit, eingelulltmit den Zaubermährchen der Einbildung, ent-wildert durch Tugend, geläutert durch Gerech-tigkeit, geheiligt durch Religion, — eben diesehöchst ehrenwerthe, wenngleich sehr gemischteGesellschaft ist ja die Welt, unsere Welt, überdie wir eben deshalb so gern schimpfen, weilwir sie so unendlich lieben, an der jeder etwaszu kritisiren findet, die aber unter Millionenkaum Einer wirklich zu verbessern weiß." Dochvon dieser sogenannten Welt führt uns derVerf., indem er uns einen kurzen Einblick indie Himmelsfülle von Schöpfungen, in dasMeer der Sterne thun läßt, zu dem göttliche-ren, erhabenen: Begriffe der Welt, der denMenschen zwar als ein Atom in der Welten

grauenvoller Unendlichkeit verschwinden läßtund ihn in diesem niederschmetternden Bewußt-sein seiner Nichtigkeit zu Boden wirft, ihnaber auch wiederum durch den erhebenden Ge-danken emporrichtet, daß er es ist, der dieUnendlichkeit denkt, die ihn vernichtet.

Der Verf. betrachtet nach diesem allgemei-nen Ueberblick in einer Reihe von Capiteln dieErdkugel, das Weltmeer, die Lust, die Ge-birge, die Welttheile, die Menschen nach Ge-schlechtern, Rassen und Völkern, endlich dieGeschichte der Menschheit.

Sehr wahr nennt der Verf. die Geschichteeine Lehrerin, aber eine sehr unglückliche Leh-rerin, denn ihre Lehren werden bei einem Ohrehinein und bei dem andern Hinausgelassen. Siezeichnet ihre Wahrheiten mit dem Blute vonGenerationen auf, sie beweiset ihre Sätze mitgestürzten Thronen, zertrümmertem Völker-glücke und die Menschen lesen es, ringen schau-dernd die Hände, machen die tiefsinnigsten Glos-sen und thun in der Stunde der Versuchungdasselbe. „Die neueste Zeit ist noch ein Kind,aber im vollsten Sinne des Wortes ein Wun-derkind. Die Wunderkinder sind aber in derRegel sehr eigensinnige und halsstarrige Kin-der und ihre Erziehung bietet eigenthümlicheSchwierigkeiten dar. Lobt und bewundert manein solches Genie zu sehr, so wird es über-müthig und bleibt gern in trägem Stolze aufdem errungenen Lorbeer liegen; will man seineEntwickelung aufhalten, hemmen, oder im all-täglichen Gleise führen, so sträubt es sich tro-tzig und es entstehen schlimme Ausartungen;will man aber die Entfaltung zu sehr forciren,so erliegt es gewöhnlich einem frühen Tode.Mögen dies die weisen Erzieher dieses Wun-derkindes wohl beherzigen!"

(A^nkündtgungen.

So eben ist erschienen:

Des

Lebens Heiland.

Ein Roman

L. Mühlbach,

Verfasserin von: Frauenschicksal, Zugvogel u. s. w.br. i Thlr. 12Gr.

2» Fr. Hammerich in Alton«.

So eben ist in unterzeichneter Buchhandlung erschienen:

Girre Pariser Familien-Geschichte. Von S.Hanle. 260 S. 8. Velinpapier. Lroschirt. Preis1 fl. 48 kr.

Geachtete deutsche Journale (Gersdorfs Repertorium, Abendzeitung, Helios,deutsche Blatter) rühmten bei Beurtheilung des „modernen Liebeshofes" desVerfassers, seine Menschenkenntniß und Darstellungsgabe. Die Schilderung desinnern und äußern Lebens von Paris, — die Aufgabe, welche sich der Herr Ver-fasser in dem gegenwärtigen Buche gestellt hat, — ist ein so dankbarer Stofffür die eben bezeichneten Talente, daß wir hoffen können, dem Publikum eineinteressante Lectüre mit dieser Schrift darzubieten. Die äußere Ausstattung ent-spricht jeder billigen Anforderung.

Stahel'sche Buchhandlung in Würzburg.