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des Grundbesitzes das, was man wohl aucheine volksthümliche Aristokratie ge-nannt hat, herstellen. Man will sich in Preu-ßen jetzt plötzlich dem Glauben überlassen, alssei ein versöhnliches und der schroffen Abson-derung der Stande entgegentretendes Elementdarin gegeben, wenn der altere Sohn im Besitzdes Grundeigenthums seiner Vater den Adelan sich trägt, wahrend seine Bruder vielleichtdem Vürgerstande angehören. Aber dies ist eingefährlicher Irrthum, wenigstens in einem ab-soluten Staat. Nur ein Staat mit eineröffentlichen Verfassung und Volks-vertretung kann solche dicht aneinanderge-rückten Gegensätze des socialen Lebens zur Har-monie, zu Recht und Humanität in sich verar-beiten! In einem absolut monarchischen Staataber verklumpen sich die aristokratischen Be-standtheile sehr bald zu zähen Massen, welcheden freien und leichten Blutumlauf des Ganzeneher verstopfen, als befördern werden. InEngland sind die Parlamente und diefreie Presse die beständigen Ausgleichungs-mittel auch für die ständischen Gegensätze undAbsonderungen des Lebens. Strebt Preußennach einer mächtigen Aristokratie, so könnteund dürste es nur in dem Gedanken geschehen,daß auf diesem einen Punkt zuerst angebautwerden solle, was nachher auf dem andernPunkt unseres Lebens schon aus dem Gesetz desGleichgewichts gethan werden müßte, nämlicheine organische Repräsentation des National-bewußtseins in der Freiheit seiner Gegensätze!Denn die einzig versöhnende Form istund bleibt eine Rep r äsen tativ-Verfas-sung, man mag sie nun auffassen und nachden Bedürfnissen eines jeden Landes gestalten,wie man wolle! —
3.
Bei dem Glanz und festlichen Aufwand derHuldig ungs-Feierlich leiten in Ber-l i n machten sich vornehmlich zwei Ansichten imPublicum bemerklich. Die Einen warenhingerissen von dem rauschenden und prangen-den Leben, das auf einmal die Straßen vonBerlin in einem ungewohnten Maße bevöl-kerte; die reichlichen Festanstalten, die dicht-gedrängten und glanzvollen Equipagen, dasfashionable Fremdenleben, die brillanten Toi-letten der Damen im Theater und bei denöffentlichen Gelegenheiten, die fremden Li-vreen, Alles dies erschien ihnen imposant, undsie erklärten, daß es etwas Außerordentlichessei, was nur selten einmal zu sehen und zuerleben vergönnt werde; Berlin befinde sichjetzt in einem Aufschwung großartiger Lebens-äußernngen, womit eine neue Epoche seines
Residenzlebens beginne. DieAndern mein-ten dagegen: daß in Paris zur Carnevalszeitein gewöhnlicherTheaterabend der italienischenOper oft bei weitem mehr des Glanzes unddes Festgepränges, der Toiletten und der Equi-pagen in wenigen Stunden vereinige; der sichzu auffallend geberdende Enthusiasmus überdas Geschehene und Gesehene gehöre nur demkleingewohnten Maßstab deutscher und berlini-scher Verhältnisse an! —- Beide Theile, dünktuns, haben Recht und Unrecht zugleich. Dasdeutsche Leben, und auch das ResidenzlebenBerlins, ist offenbar auch seiner äußerlichenEntfaltung nach in einem Fortschritt, in ei-ner Erweiterung seiner Dimensionen begriffen.Die heutigen Kleinbilder unseres deutschen Lu-rus haben daher noch ihre innere Bedeutsam-keit, in deren Spiegel sie allerdings sehr großerscheinen und auch das Recht haben, dafür zugelten! Wir bedürfen allerdings des Glanzesgarnicht, und streben hoffentlich nichts weniger,als zur Glanzepoche Ludwigs XIV. zurück, vonder wir auch in jedem Betracht noch weit ent-fernt sind! Unser dauerhaftester Glanz wirdeine freie, volksthümliche und verfassungs-mäßige Entwickelung unserer Nationalität sein,und dieser Glanz wird auch dann die reichsteäußere Entwickelung unseres Nationallebensin ihrem strahlendsten Lichte zeigen!
An meine Vaterstadt
a m
15. Oktober 1840.
Es will mein Herz auf feur'ger Sehnsucht SchwingenZu dir hinfliehn.
Mein schönstes Lied will ich dir heute singen,
O, mein Berlin!
Der Heimath fern, einsame PhilomeleKein Lenz mir blüht,
Doch heut ist Eins ganz Preußen, jede SeeleIst heut ein Lied. '
Und Liebe, Hoffnung, Segen ist die LosungIm Jubelchor,
Aus Thränen selbst, von theurer Gruft BemosungSteigt Wonn' empor.
Was fromme Treue Heil'ges, was EntzückenHoldsel'ges hat.
Will heut unsterblich deine Feier schmückenO, Königsstadt.
Dies Vateraug', das Rührung mild befeuchtet,Erschloß dem Licht
Sich heut zuerst, o, wie es Wonne leuchtetUnd Huld verspricht!
Und dieser Mund, deß Wohllaut wie CrystallenDurch Rosen fällt,
Wird Worte künden, Gott ein Wohlgefallen,
Ein Heil der Welt.
Die Segenshand, vom Himmel ausgerüstetZum schwersten Thun,
Sie schafft am Werk, das keine Zeit verwüstet,Sie wird nicht ruhn.
Und Du, Sein Herz, Sein Leben, süße, hoheElisabeth,
Sieh, wie der Liebe reinste OpserloheDir Heil ersteht.
Sophie, Charlotte, Dorothee, LuiseSchau'n erdenwärts,
Und segnen dich! Du bringest uns, wie diese,
Ein Mutterherz.
Berlin, geliebte Heimath, RuhmverklärteDu, treu und groß
Im Leid erprüft, in Sturm und Drang bewährte,Heil deinem Loos!
Der Wonnetag, den deine Liebe feiert,
Ist Morgenlicht
Der großen Zukunft, Ahnung nur entschleiert,Was sie verspricht.
Heil Friedrich Wilhelm! Die Aegid' entblöß' Er,Schleudr' ihre Blitze feindeswärts.
Groß ist die Aufgab' unsrer Zeit, doch größerDes Königs Herz.
Münche n.
Gedichtet am 12. Oktober 1840.
Helmina von Chezh.
Berliner Kunstausstellung.
Dritter Artikel.
5. Venus und Amor. Von Jacobs.
Der sonst talentvolle und in mancher Be-ziehung ausgezeichnete Künstler hat in dieserVenus ein Gemälde geliefert, das man, beimancherlei Lobenswerthem, im Ganzen den-noch verfehlt nennen muß. Abgesehen daß dieComposition des Ganzen durchaus nicht neuund originell, sondern lediglich eine Nachah-mung Guido Reni's, Titians und der VanDyk'schen Danae ist, enthält die Zeichnungmanches Verfehlte und Tadelnswerthe, undder Amor, welcher zu Füßen der liegendenVenus, nur bis zur Brust sichtbar, sitzt, istmit seinem negerhaften Krauskopf, seinen ku-gelrunden glotzenden Augen ein wahres kleinesMonstrum. Betrachten wir nun die Venusselbst, die, lang ausgestreckt, das Haupt aufseidenem Kissen und auf ihrem einen über denKopf geschlagenen Arm ruhend, den Ober-leib von dunkelrothen Vorhängen beschattet,schlummert, so erscheint es uns zuerst tadelns-werth, daß die Carnation zu roth und dabeizu kalt ist. Es ist allerdings richtig, daß dieFleischtöne vorherrschend röthlich sein müssenbei einer Venus, zumal Lei einer schlummern-den, denn im Schlummer erhöht sich stets dieWärme und Gluth des Bluts und dieses muß