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hast lächerlich ist aber, wenn der Verfasser zuerklären sich bemüht, Napoleon's riesen-hafte Pläne seien hauptsächlich deshalb nichtgelungen, weil er vorn Credite keinen Gebrauchmachte. Napoleon ist gefallen, weil er als ge-Lorner Artillerist die Menschen nur als Ma-schinen behandelte und blieb auch so lange sieg-reich, als er nur solche gegenüber hatte. SeinGlücksstern erblich aber, als die Regierungenfür gut fanden den Geist zu wecken. Dieserund nicht der russische Winter, wie jeder weiß,hat ihm seinen wohl verdienten Untergang be-reitet. Nach der Rückkehr aus Moskau hatteer noch 300 Millionen Franken im Schatzeund diese reichten hin, um blos denRussen undallenfalls auch den Engländern Widerstand zuleisten. Allein die Liebe und Sympathie derVölker, die auch in materiellen Sachen nichtaußer Betracht zu lassen sind, waren auf immerverschwunden. Nach der Schlacht von Leipzighatte Napoleon keine Zukunft mehr. Nur inder ersten Zeit hätte er vielleicht zu 60 Pro-cent Anleihen machen können, die aber bald auf40 und 30 gefallen wären. Während Napo-leon siegreich war, bedurfte er keiner Anleihe,indem seine vortreffliche Finanzverwaltung, dieauch vor dem Verfasser volle Anerkennung fin-det, ihm hinreichendes Geld lieferte; als eraber geistig und materiell seinen Gegnern un-terliegen mußte, da konnten ihn auch die An-leihen nicht mehr retten. Unverantwortlich istes aber von dem Verfasser, daß er hinsichtlichdes Credites keinen Unterschied zwischen Kriegund Frieden macht; wo doch ganz andereStaatsmeißregeln eintreten müssen. Eben soungerecht ist der Verfasser — S. 172 — ge-gen die französische Opposition, welche mitLa ffitte an der Spitze stets auf Ordnung inden Finanzen gehalten hat: an finanzielle Gei-stesbeschränktheit würde aber beinahe, wennder geistreiche Verfasser wirklich seine innereUeberzeugung ausspricht, dieBehauptung gren-zen , daß eine unvorsichtige Verminderung derTilgungscasse in Frankreich eine neue Revo-lution erwarten ließe.
(B eschluß folgt.)
Vermischte Nachrichten.
^ Aus Leipzig, Mitte October.
Die Messe. Theater. Gewand-hausconcerte. Vorbereitungen zumSchillerfest. Das Gewühl der Messe, dasunser im Ganzen etwas einförmiges Leben im-mer auf einige Wochen unterbricht und Leipzigeine andere Physiognomie gibt, geht zu Ende,
die Fragen um Leder, Tuch, Rauchwaaren,Modesachen u.s. w. sind beseitigt und die Frem-den entfernen sich mit der längst gewohntenPhrase, die Messe taugte nichts; diesmal habensie dabei freilich mehr Recht, denn je, die dro-henden Kriegsaussichten haben ihren Einflußauf die Geschäfte geäußert. Unser größeresPublicum kümmert sich übrigens noch wenigum die Wolken am politischen Himmel; Leipzigvergißt nimmer, was es seit Jahrhunderten inFällen eines europäischen Continentalkriegesfür eine traurige Rolle spielen mußte, und solange Hannibal nicht vor den Thoren, huldigtes nach wie vor nur den materiellen Interessenund nebenbei denen der Kunst, — um letzterekümmert sich blos das Theater wenig, vondem sich nicht viel Rühmliches sagen laßt; diewiederholte Ausführung der „Dreizehn",eine durchgefallne Raupach'sche Posse, die Ver-wandlung der sieben Mädchen in Uniform inderen vierzehn, dazwischen dann und wann derFeensee und die Wiederholung der (anfangszum Gutenbergfest angeordneten) allerdingsinteressanten „ Th eaterschau ", als Specu-lation auf's Meßpublicum, dies waren dieGenüsse, die uns die Bühne bot. — Von be-sondern „Sehenswürdigkeiten", die in derMesse nie ganz fehlen, gab es diesmal wenig,und eine pomphaft angekündigte Lustschissfahrtmißlang noch dazu fast ganz. Doch könnenwir uns dabei trösten, denn es lebt ja einMann in unserer Mitte, der eine Flug m a -sch ine erfunden hat, es fehlt daran weiternichts, als die Ausführung; man muß nurGeduld haben. — Seit einigen Tagen istMendelssohn wieder in Leipzig eingetrof-fen ; auch Moscheles ist hier, der vielleichtein Concert geben dürfte; Ole Bull wirderwartet. Die Winterconcerte des Gewand-hauses, die — zumal unter der umsichtigenund energischen Leitung Mendelssohns — mitRecht unser Stolz sind, haben nun begonnenund das zweite fand Sonntag den 11. statt.Mit der gewohnten Präcision des Orchestersausgeführt, hörten wir Ouvertüre aus Eu-ryanthe und Bdur-Symphonie von Beethoven.Bei dem Concert ino für Baßposaune(von C. G. Müller) bewunderte man vonNeuem die Virtuosität des Herrn Queißer indiesem Instrumente, worin er schwerlich voneinem Andern in Deutschland übertreffen wer-den dürfte. Fräulein EliseList (Tochter desfrühern hiesigen Generalkonsuls der vereinig-ten Staaten, Schülerin Bordogni's) trug zweiArien vor (aus Lucia di Lammermoor undaus den Monrecchi und Capuleti); der Ruf! war ihr vorausgegangen und man war voll
Erwartung. Schon durch ihre äußere schöneErscheinung mußte Fräul. List Sensation erre-gen und ihr Gesang rechtfertigte das Lob, dasihr schon auswärts zu Theil geworden; nurSchade, daß eine gewisse Befangenheit sie hin-derte (sie sang, wenn wir nicht irren, hier zumerstenmal vor einem größern Publicum), denganzen Umfang ihrer schönen Stimme voruns zu entfalten. —Rob. Schumann, —der uns nun schon durch viele, eben so gemüth-volle, als tiefe Kompositionen überrascht hat,Melodien, deren Vorzug es ist, daß sie denHörer, nie veraltend, immer neue Schönheitenentdecken lassen, und die man so lieber gewinnt,je vertrauter man damit wird, die aber auch,eben weil sie voll Tiefe sind und für die Aus-führung manche Schwierigkeit bieten, nur fürein gewählteres Publicum sind, — wird unsmit Nächstem durch ein neues Liederheft er-freuen. — Auch bei uns wird man jetzt zu-sammentreten, um für den 10. November einSchiller fest vorzubereiten. Einige Jour-nale haben dessen bereits Erwähnung gethan,nur soll es keineswegs, wie dort irrthümlicher-weise angedeutet war, blos eine Entschädigungder hiesigen Literaten für ihre Zurücksetzungbei der Gutenbergseier sein (man gab jenenVerhältnissen überhaupt eine Wichtigkeit, diesie in Wahrheit gar nicht hatten) — es istvielmehr eine allgemeine Feier, ein National-fest im edelsten Sinne, ohne Unterschied desStandes derTheilnehmenden, beschlossen, wenndie Idee allerdings auch von einigen Literatenzuerst ausging. Mehre der angesehensten undgeachtetsten Gelehrten und Kaufleute werdendem Festcomite beitreten.
; Aus Dresden.
Unfälle auf der Eisenbahn. — Dassociale Leben. — Genesungöfe ste inGr ä fenberg.
Der neue große Völkerweg der Eisenbah-nen, auf welchem sich die Mechanik einen welt-historischen Triumph zu erringen im Begriffist, indem sie die Völker und somit diese hof-fentlich dem Ideale derHumanität näher bringt,sollte zunächst nirgend das Publicum jenes all-gemeine Wohlwollen vermissen lassen, welchesman bisher gewöhnlich mit dem Namen Hu-manität bezeichnete. Zu dieser Bemerkung führtmich der Umstand, daß die Compagnie derleipzig-dresdner Bahn sich deshalb erst vorKurzem noch eine öffentliche Zurechtweisungzuzog. Es ist nämlich in einem der offenenWagen, welche man von Dresden aus unmit-telbar an den Tender anhing, durch eine aus