599
womit der Schuldner die Schuld von sich ab-wälzen kann? In einem Staate, der haupt-sächlich auf Handel und Credit beruht, solltendie Gesetze in Hinsicht des Bankerotts beson-ders strenge sein; daß Unglück die Gesetze mil-dern müsse, versieht sich von selbst. —-
x.
Tageszettel.
— * Die Anrede, welche der Gras EduardRaczynsky bei der Huldigung in Königs-berg an den König gehalten, geht jetzt im Groß-herzogthum Posen in einer Menge von Abschrif-ten von Hand zuHand, und nimmt um so mehrdas allgemeine Interesse in Anspruch, als dieseRede gegenwärtig die Grundlage einer großenund weitgreifenden Untersuchung im Großher-zogthume bildet. (Aus einemPrivatbriefe.)—*
— * Hitzig ist mit einer systematischenUebersicht der b esteh e nd en Preßg ese»tz g e-bung in Preußen beschäftigt, welche er inder von ihm herausgegebenen AllgemeinenPreßzeitung veröffentlichen wird. Diese Ar-beit kann gerade jetzt, wo man in dem neuenGeistesaufschwunge der preußischen Nation na-mentlich auch ein Preßgesetz erwartet, vongroßer Wichtigkeit werden. Sie kann nicht an-ders als darthun, daß der gegenwärtige Zustandder Presse in Preußen auf provisorischenBestimmungen beruht, die nicht den Nameneines gesetzmäßigen Zustandes verdienen. Umso mehr wird sich denn die Nothwendigkeit her-ausstellen, eineNation, welche sowohl durch dieHöhe ihres Bildungszustandes wie durch ihrwohlgeartetes und gesundes Naturell die größt-möglichste Freiheit des öffentlichen Gedanken-ausdrucks verdient, mit einem Preßgesetzzubeschenken, das in der That die Kraft und Wahr-heit eines Gesetzes, und nicht blos die Ver-bindlichkeit eines Zwanges hat. Die Arbeit desHerrn Director Hitzig, dessen Ansehen undCompetenz in dieser Sphäre unbestritten ist,wird für die Entwürfe eines solchen künftigenPreßgesetzes einebedeutendeGrundlage abgebenkönnen. Wir haben aber noch einen andernWunsch, den man uns nicht verargen wird. ^Dies ist der, daß man sich in Berlin unter Vor- !sitz und Leitung von Hitzig dazu vereinigen Imöge, eine motivirte Petition um ein ^Preßgesetz an Se. Majestät den König ab- ,zufassen, der, wie man voraussetzen dürfte, ei-nen solchen Schritt nicht anders als mit Wohl-wollen entgegennehmen würde! — *
— * Man hat viel von der Anwendbarkeitder Amnestie auf die in Preußen bestehendeMaßregel gegen die Schriftsteller des sogenann-ten jungen Deuschlands gesprochen undsich gewundert, daß diese Kategorie gänzlichvon dem ertheilten Erlaß aller Strafen ausge-schlossen bleiben solle! Indeß, dünkt uns, hatHerr Minister vonNochow ganz richtig ge-urtheilt, wenn er in dieser Angelegenheit er-klärt hat: die königliche Amnestie hat keine An-wendbarkeit auf diese Schriftsteller, denn diegegen sie bestehende Maßregel istkeineStra-f e, sondern nur eine vorbeugende Maß-regel! —- Dies ist insofern ein g ü nstigesZeugniß für die Schriftsteller, deren auswärtsgedruckte Bücher in Preußen einem Verbot derAnzeige unterliegen, als durch diese Erklärungdie Kategorie des jungen Deutschlands alsStraf-Kategorie förmlich aufgehobenworden ist. Eine Strafe kann auch nur aufdem Wegr eines Processes gesetzlich verhängtwerden, und jene Schriftsteller können sich desihnen jetzt endlich gewordenen Zeugnisses freuen,daß sie durch ihre Bücher zukeinemS tr a fv er-fahren geeigneten Anlaß gegeben haben! Dieauf administrativem Wege gegen sie an-geordnete Maßregel hat man aber den bestenWillen jetzt erlöschen zu lassen. —>*
—* Zu den lebenden Bildern, diebei Gelegenheit des Rittersch afts fe stes inBerlin aufgeführt und meistens von höher ge-stellten Damen und Kavalieren dargestellt wur-den, waren die Darsteller auch der DamenFaßman n und Löwe benöthigt gewesen, de-ren Erste bei einem Bilde eine Arie von Gluck,die letztere bei einem andern Bilde eine italie-nische Arie zu singen hatte. Die beiden Sän-gerinnen hatten bereitwillig ihre Mitwirkungzugesagt, als Frl. Löwe aber aus dem Pro-gramm, in welchem alle die Darsteller jenerBilder namentlich angeführt waren: ,,Maradargestellt von Comtesse Haak rc." ersah, daßman es nicht für nöthig erachtet, die Namender beiden Sängerinnen mit anzugeben, fuhrsie zur Faßmann und erklärte nach gemein-schaftlich getroffener Abrede, daß, falls manes als nicht thunlich betrachte ihre Namen ausdem Programm zu nennen, sie beide nicht sin-gen würden. Die hochadeligen Darsteller undDarstellerinnen waren in großer Verlegenheit.Welche Entwürdigung, ihre tönenden Namenneben denen zweier Sängerinnen aufgeführt zusehen! — Indeß wurde andern Tages beidenSängerinnen wirklich ein gedrucktes Programmüberreicht, in welchem neben den adeligen Na-men auch Frl. Löwe und Frl. v. Faßmann als
Mitwirkende angeführt wurden und die so zu-frieden gestellten Künstlerinnen übernahmennun bereitwillig die ihnen zugetheilte Rolle.Vielleicht durch ein Versehen des Setzers ge-schah es indeß, daß auf allen sonst ausge-theilten und im Publikum erschienenen Pro-grammen die Namen der Künstlerinnen den-noch fehlten. — Ob Fräulein Löwe dies hin-,terher erfahren oder geahnt, ist nicht bestimmt,gewiß aber ist, daß, als ihr von den Festge-bern andern Tages ein kostbares Armband zu-gesandt ward, sielsolches zurückschickte mir demBemerken: sie fühle sich geehrt durch die ihrgewordene Einladung zur Mitwirkung undhabe solche Mitwirkung freudig übernommen,sähe also keinen Grund ein, wie man sie, eineEingeladene, dafür hinterher belohnen undbeschenken könne. —*
—* Der rühmlichst bekannte französischeSchauspieler, Mr. Saint- A ubin, bis jetztMitglied und Zierde des französischen Theatersin Berlin, hat zum allgemeinen Bedauern sichvon dort weg nach Dresden gewandt, wo erein permanentes französisches Theater errichtethat, dessen Vorstellungen am vierten Novemberschon beginnen und zwar mit: I'Lcole c!68VielllrlAs, von Casimir Delavigne und IZ He-viti'öre, Vaudeville von Scribe. —*
Neuigkeiten der Literatur. .
Im Verlage von W. Langewiesch e inBar m e n ist erschienen: Chatterto n. VonHerrmann Püttmann. 2 Bände. Dererste Band enthält des Dichters Biographie,und giebt ein lebensvolles Bild des unglück-lichen Jünglings, den mau jetzt, siebenzigJahre nach seinem Tode, den größten DichternEnglands zugesellt, und für den während sei-nes Lebens Niemand ein Stückchen Brod hatte,Chatterton's Hunger zu stillen. Diese Bio-graphie enthalt eine ansprechende Schilderungvon des Dichters ersten Jugendjahren, undzeigt uns in lebendiger Darstellung das mehrund mehr sich entfaltende Genie des Unglück-lichen, der bestimmt war, sein Leben in Müh-sal und Pein, zernagt von Hunger und Ent-behrung, langsam hinzusiechen, und dennochin begeisterten Stunden, AlleS dies vergessend,aus dem unerschöpflichen / allnährenden Bornwahrer und echter Begeisterung sich erquickte,und sich erwärmte an dem Feiler, das in sei-nem eignen Herzen und seinen Liedern glühte.Die Briefe an seine Mutter und Schwester sindvon rührender Herzenseinfalt und Innigkeit,und bezeugen des Dichters edle und schöne Ge-sinnung, wie seine zärtliche Neigung für diese,