Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
626
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System abwehrender Bündnisse;" 3) „Um-bildung der inneren Politik oder den Ueber-gang der Völker von unvollkommnen Institu-tionen zur Vervollkommnung und Ordnung.Hierher gehören zwei Gattungen von Wahr-heiten. Die erstere, z. B. die Macht derMilde, der Glaube an den Segen der Wissen-schaften, die Entwickelung des Gewerbfleißesund des Handels, die Nothwendigkeit persön-licher Freiheit, das Streben nach bürgerlicherGleichheit, gleicher Schutz der Gesetze für Alle,die Unabhängigkeit der richterlichen Gewalt,Unantastbarkeit des Eigenthums in geraderund in der Seitenlinie der Erbschaft, allma-lige Vernich tun g der Monopole undPrivilegien, nicht nur für Privatpersonen,sondern auch' für ganze Provinzen, der Nutzeneiner Volkserziehung, die sich von den höchstenStanden bis zu den niedrigsten erstreckt. —Alle diese Wahrheiten sind von allen gebildetenVölkern und wohldenkenden Regierungen bei-nahe ganz angenommen. Die zweite Reihevon Wahrheiten, die in sogenannten liberalenIdeen bestehen, enthalt Principien, die zwei-felhafter sind und Einwürfe zulassen, und ob-gleich die Aufklärung, wie es scheint, auch dieseFragen zu Gunsten der Freiheit entscheidet, soerfordert doch die Annahme derselben größereVorsicht, denn ihrer Natur nach berühren siedie Staaten in allen ihren Bestandtheilen, dieGesetzgebung in allen ihren Einzelnheiten unddie Menschen überhaupt, in allen ihren per-sönlichen und politischen Interessen." (S. 55.)Nur zwei fluchtige Bemerkungen erlauben wiruns hiergegen.

Zunächst weiß man wahrlich nicht, ob esüberlegter Hohn oder literarische Frivolität ist,wenn unser russischer Staatsmann zu einerZeit von der Abschaffung der Monopole undPrivilegien spricht, wo seine Regierungeine dreifache Douanenlinie an der preußischenGrenze eingeführt hat und dem befreundetenDeutschland sogar den Transitohandel nachChina unmöglich macht.

Demnächst müssen wir dem Verfasser be-merklich machen, daß die liberale Partei inDeutschland nur dieVerwirklichung des Rechts,der Wahrheit, der Freiheit und aller andernschönen Sachen fordert, welche derselbe so aus-führlich auszählt. Sie weicht nur in der Formvon ihm ab und glaubt, daß, nachdem der bis-herige geheime Weg für ganz unzureichend sicherwiesen hat, dies Ziel nur auf dem Weg ei-nes öffentlichen Staatslebens zuerreichen sei. Uebrigens ist dieser Weg schonin der Bundesacte unzweifelhaft vorgezeichnet.Daß. die Erscheinung eines solchen kräftigen

Volkslebens den Russen an ihren Grenzen nachihrem jetzigen Standpunkt nicht angenehm seinkönne, wollen wir denselben ohne weitere Be-gründung glauben.

Am Schlüsse müssen wir noch dem HerrnVerfasser die Gerechtigkeit widerfahren lassen,daß er glänzend und sehr gemessen schreibt.Allein durch sein Buch über den Credit, dener wohl blos zum Vorwande genommen hat,um die üblen Eindrücke der Pentarchie zu ver-wischen und eine russische Anleihe in Deutsch-land zu erleichtern, hat er die Finanzwissen-schaft nicht um ein Haar vorwärts gebracht.

Vermischte Nachrichten.

* Hamburg , im Oktober.

Debatten über die HerabsetzungderSteuern. — W ü nschefürdie Gas-beleuchtung. — Ein Bankerott um17 Thaler. —> Die Staatslasten richtig zuvertheilen, ist gewiß die schwierigste Aufgabedes Staatsmannes, und die gleiche Vertheilungderselben bei den bis jetzt angewendeten Syste-men wohl zuweilen genannt worden, aber nurnoch frommer Wunsch geblieben. Gegen directewie gegen indirecte Steuern ist viel gesprochenund geschrieben, und die Aushülse, Leide zuverbinden, ist auch keine Erleichterung. UnsereSteuern, Stempel aus Wechsel und Zoll aufWaaren, treffen meistens die Ausländer; dieConsumtionssteuer drückt aber hart auf denMittelstandsmann, wie man hier die Hand-werker, kleinen Kaufleute und wohlhabenderenArbeiter nennt. Diese Steuer wird nur vonden Bewohnern der Stadt erhoben, auf demGebiete und in den Vorstädten, außer St.Georg, wird sie es nicht. Dies giebt natürlichzu Schmuggeleien Veranlassung. NamentlichFleisch und Brod sind die beiden Artikel, welcheam meisten auf die verbotene Weise eingeführtwerden, Artikel, welche ja bekanntlich zu denersten Bedürfnissen gehören und außerhalb derAccise-Linie wenigstens um 10 Procent billigerzu haben sind. An den Thoren sieht man oftAlt und Jung mit durchgeschnittenen Roggen-broden , die nicht weggenommen werden kön-nen, unter den Armen ihren Einzug in dieStadt halten, und dies hat in der letzten ZeitGelegenheit zu Diskussionen in unseren öffent-lichen Blättern gegeben. Einen Hauptanstoßdazu gab die neuliche Verordnung des Königsvon Preußen, die Consumtionssteuer herabzu-setzen. Nun greift man die Bäcker in der Stadtan, als ob sie zu theuer wären und zu viel ver-dienen wollten, diese vertheidigten sich; der

Eine will die Steuer ermäßigt, der Andereganz abgeschafft; der Eine tadelt die Accise-Veamten, daß sie bei der Einführung des Pro-viants zu nachsichtig sind, der Andere will sienoch nachsichtiger; und dieses dauert denn ei-nige Tage, Wochen vielleicht, so fort, manscharmutziert, thut einige blinde Schüsse gegeneinander, und Alles bleibt beim Alten, oderbeim stntils c)uc>, der Lieblings-Marime derneueren Politik. Dieser 8tat»8 c^uo ist auchhier gern gesehen. Wie viele Vorschläge undPläne zu Verbesserungen sind nicht schon andiesem 8tstu8 yuo gescheitert, er befindet sichauf zu breiter Basis, als daß er so leicht ausdem Gleichgewicht gebracht werden könnte.Nicht weniger wird er sich spreizen, wenn vonEinführung des Gaslichtes ernstlicher die Redesein wird, als es bis jetzt noch geschieht. Schonvor vielen Jahren wurden von Engländern,die wenigstens dieses Licht auf dem Kontinentezu verbreiten strebten, Plane zur Beleuchtungder Stadt vorgeschlagen, aber, wie zu erwartenstand, verworfen. Jetzt heißt es wieder, manhabe die Absicht, die Sache in Anregung zubringen; nun klage man noch, daß man beiuns nicht rasch fortschreite! Der hiesige Kauf-mann ist in seinem Geschäfte gewiß sehr rührigund raschen Entschlusses, bei allgemeinen Din-gen scheint aber Jeder sich zu sagen, ich willmich erst besinnen, ob ich die Sache in Ueber-legung ziehen will. Wie nothwendig Ware beidemTreiben auf den Straßen die langen Abendehindurch eine helle Beleuchtung; an vielen La-ternen fehlt es zwar nicht, sie scheinen aber so,daß man dadurch nur sehen kann, an welchenStellen es dunkel ist. Charakteristisch, wenig-stens bemerkenswerth ist es, daß eines der be-rüchtigten Tanzlocale in der Stadt seit vielenJahren schon mit Gas beleuchtet ist; ob es dieSchönheiten erhöhen, ob es beweisen soll, daßman sich vor gewissen Dingen nicht scheut oderaus welcher Absicht es sonst geschehen ist, läßtsich nicht leicht ermitteln. — Daß in großenHandelsstädten Bankerotte vorkommen, zu Zei-ten häufig, liegt in der Natur der Sache, daßsie in neueren Zeiten, wenn auch keine Handels-krisen die merkantilische Welt in Bewegungsetzen, besonders in den mittleren Standen häu-figer als früher vorfallen, laßt sich aus dem zu-nehmenden Lurus und der eingerissenen Ver-gnügungssucht erklären, aber auffallend bleibtimmer ein Bankerott, wie er ganz kürzlich hierstattfand. Die schuldige Summe war 43 Mk.8 Sch. oder siebenzehn Thaler und achtGroschen! Was soll man mehr bedauern,den Mann, der um so geringe Summe seinenguten Namen verliert, oder die Leichtigkeit,