Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
629
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Von dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:

„ An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur- n«d Völkerzuftäii-e.

Herausgegeben van -er Redaction-es/reihakens.

Man abonnirtaufdenPiloten für den jährli-chen PränumerationS-PreiS von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,Viertels, mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Petitzeile aufge-nommen, Beilagenmöglichst billig be-rechnet.

UZ 63.

(Ausgegeben am 5. November 1840.)

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^

^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Inhalt: Das Wiedersehen. Novelle von Theodor Oelckers (Fortsetzung). — Der Philosophengang, von A. Bock (Beschluß). — Aus der Schweiz: DieVerfassungsänderung im Aargau. — Tageszettel (die Beilagen der Leipziger Allgemeinen Zeitung. Die Varianten in der Huldigungsrede deö Königs.Fürst Pückler. Mickiewicz. Ein Wort Napoleons. Die Königsmörder in England und Frankreich. Classification der Geistlichen in einem neuen Ver-fassungsentwurs).

Das Wiedersehn.

Novelle

von

Theodor Oelckers.

(Fortsetzung.)

4.

Friedrich ließ sich leicht zur Reise auf'sLand bewegen; mitten unter dem Gewühle derStadt einsam umher zu gehen, war ihm drü-ckender als wirkliche Einsamkeit, wonach ersich jetzt sehnte. Sein eigenthümlicher Glaubeschien durch die Bekämpfung und die von allenSeiten erfolgten Angriffe erst recht befestigt zusein. — Blankensee suchte den Begleiter,als beide die Stadt hinter sich hatten, auf alleWeise zu zerstreuen und scheinbar gelang ihmdies auch, denn Friedrich ging auf jedes Ge-spräch ein und wußte das Interesse an dem ein-mal berührten Gegenstände sogar so zu erhöhen,daß er als der Unterhaltende erschien. Blan-kensee war erfreut und ließ sich verleiten, auchjenen Geisterglauben auf eine scherzhafte Weisezu erwähnen. Friedrich's Heiterkeit warsogleich wie hinweggezaubert. „Sein Bild,"sagte er sehr ernst, „beschäftigt mich, wie Duweißt, im Wachen und Traum und" —

„Ich lache Dich deswegen nicht aus! Aberverdenken kannst Du mir's dennoch nicht, wennich Dich auf ganz andre Gedanken zu bringen

suche. Du weißt selbst, daß Deine Grille (sonennen sie es) allgemein verspottet wird. Ichselbst kann nicht begreifen, wie Du so beharr-lich an einer leeren Idee zu hängen und Dichdurch das Andenken an ein Ereigniß zu mar-tern vermagst, welches sich ja doch nicht mehrändern läßt."

„Du bist der Einzige, von dem mich solcheAeußerungen nicht beleidigen und verletzen sol-len," antwortete Friedrich. „Aber auchDu verkennst die Sache. Jenes Ereigniß be-unruhigt mich nicht mehr, wohl aber das,was ich noch zu erwarten habe. Mein hei-ßester Wunsch ist ja, diesen Glauben nichtzu haben, ich bereue jenes Versprechen undmir graut vor der Erscheinung — und dochbin ich gewiß, daß sie erfolgen wird, es giebtkeinen Weg, wo ich diesem Unausbleiblichenentfliehen könnte."

„Du solltest doch so viel Kraft haben, diesPhantom aus Deinem Kopfe zu verbannen —es ist unmöglich, unbegreiflich: wer wird alsodran glauben?"

„Daß es unmöglich, kann mir Nie-mand auf der Welt beweisen; oder, bringt ihrmir Gründe für die Unmöglichkeit, so bring'ich all euren Priestern Gründe, daß sie in'sTollhaus gehören. Ferner unbegreiflich— das ist es! Aber warum hältst Du all diealltäglichen und doch unbegreiflichen Dinge,die Du vor Dir erblickst, nicht für Trug?"

„Was ich sehe, ist mir doch wenigstenseinigermaßen begreiflich" —

„Z. B. wie jene Blumen aus der Erdewuchsen? O bitte, erkläre mir doch dieses Of-fenkundige, was für mich ein Räthfel ist!"

„ Ich weiß nicht," antwortete Vlanken-see, „wie Du das Wachsen einer Blume mitDeiner Geistererscheinung vergleichen willst."

„Beides ist uns unbegreiflich!"

„Aber auf ganz verschiedene Weise. DieNaturkraft, das schlummernde Leben, welchesim Saamenkorn liegt, bringt aus diesem, wieuns die Erfahrung lehrt, unter günstigen Ver-hältnissen allmälig die Blume hervor."

„Gut! Mache Du mir nun begreiflich,was Naturkraft, was Leben u. s. w. ist —so will ich Dir zur Gnüge und klar demonstri-ren, wie eine Erscheinung nach dem Tode un-ter die leichtmöglichsten Dinge gehört."

„Du bist hartnäckig in Deinem Wahn."

„Wahn! O glaubt, denkt und sagt dochwas ihr wollt, leugnet nach Belieben; aberleugnet nur dann nicht mit den nämlichenGründen, die auch euren eigenen Glauben überden Haufen stürzen müssen."

Blankensee ergriff gern die Gelegenheit,auf ein anderes Thema zu kommen und der fa-tale Gegenstand ward bald in den Hintergrundgewiesen. —- Waldau's Landsitz grüßte be-reits durch die Bäume und die beiden Reitererreichten nun schnell das Ziel, wo sie herzlich