Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
637
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Von dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:„An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Tteinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur- ««- Vvlkerzustände.

Herausgegeben von -er Ne-aetion des Freihafens.

Man abonnirtaufdenPiloten für den jährli-chen PränumerationS-preir von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,viertclj. mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Petitzeile aufge-nommen, Beilagenmöglichst billig be-rechnet.

(Ausgegeben am 9. November 1840.)

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^

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^ Druck von B. G. Teubner In Leipzig.

Inhalt: Das Wiedersehen. Novelle von Theodor Oelckers (Beschluß). — Berliner Kunstausstellung. Vierter Artikel. Zwei Bilder von Paul de laRöche. — Aus der Schweiz. — Tageszettel: Ein Pfarrer im Kanton Freiburg. — Neuigkeiten der Literatur.

Das Wiedersehn.

Novelle

von

Theodor Oelckers.

(Beschluß.)

7.

Gegen Abend kehrte Ernst von seinem nurflüchtigen Besuche nach der Stadt zurück undBlanke nsee begleitete ihn vor's Dorf.

„Der Alte hat Unrecht!" sagte Ernst.„ Er kann durch die Trennung der Beiden nichtsbessern, nur schlimmer machen. Friedrichist jetzt auf dem besten Wege — warum sollder arme Teufel mit Gewalt wieder toll ge-macht werden? Laßt man ihn gehen wie erwill, so kommt er allmälig selbst wieder in einvernünftiges Gleis."

„Daß er in seinen Ideen ausschweift,"sagte Blankensee, „ist wahr. Im Allge-meinen aber mag ich ihn nicht tadeln. Duhättest ihn früher kennen müssen, Du hattestdie Gespräche anhören sollen, die er mit demgetödteten Freunde über Tod und Zukunft hielt.Ich denke noch immer gern daran. Sie spra-chen von Tod und Sterben wie ein Paar Mäd-chen vorn nächsten Balle. Der Tod war ihnennichts Gefürchtetes, nichts Widerliches; siezogen kühn und frohen Muthes den düsternVorhang hinweg, der uns das künftige Lebenverhüllt und die dunkeln, unkenntlichen Gestal-

ten, die sie dahinter wandeln sahen, erklär-ten ste und illuminirten jene schattige Zukunftmit den buntesten Farben. Mit denselben Ge-fühlen, mit denen ein Knabe durch den Rißeiner Gartenmauer in das prächtige Inneresieht, so schauten sie über die Schranke diesesLebens hinweg; es war ein inniges freundli-ches Vertrautsein mit dem Tode, wobei siegleichwohl dem Erdenleben sein vollstes Rechtwiderfahren ließen."

„Nun," bemerkte Ernst, „dann hätt'er entweder dem Vorangegangenen ohne Wei-teres hinter jenen Vorhang oder über jene Gar-tenmauer , womit Du es vergleichst, nachsprin-gen sollen, oder er müßte ruhig und friedlichabwarten, bis er altersmüde wird und derVorhang von selber weicht. Aber sein Thunund Treiben in der letzten Zeit" —

„Das wundert mich eben! " fiel Vlan-kensee ein. „Ich werde Waldau bestim-men, das letzte Verhältniß noch einige Tagewenigstens mit anzusehen; wo nicht, so mager es selber übernehmen, den phantastischenGast zu entfernen."

„Rath' ihm lieber, das ganz zu unter-lassen. Es ist ja gut, wenn sie einander liebenund ich sehe nicht, wie das kein gutes Endenehmen sollte. Er hat in ihr ein so kräftigesHeilmittel gesunden, daß er unmöglich in seineKrankheit zurückfallen kann; so lang' er dieschöne lebendige Erscheinung um sich sieht, wirder nicht wieder an die deS Geistes denken."

„Aber wie, wenn er Recht hätte?"

„Recht hätte — womit?"

„Ich meine, wenn es doch möglich Ware,daß ein Gestorbener sich hier wieder blickenließe und wenn Otto jetzt Plötzlich einmal vordas liebende Paar träte — wie dann?"

„ Kannst Du ernstlich an eine solche Mög-lichkeit denken?"

„Ich will nicht ernstlich daran denken undich habe jederzeit ernstlich gegen dergleichen ge-stritten; aber seit einigen Stunden ist mir's,als dränge mir ein Unsichtbarer gewaltsam denGlauben an diese Dinge auf. Die arme Ma-thilde, es wäre entsetzlich, wenn sie unschul-digerweise den Spuk erleben müßte!"

Ernst blieb stehen und blickte seinen Be-gleiter forschend an. Er wußte nicht, ob er'sscherzhaft oder ernstlich meinte; aber Blan-kensee, der sich bemühte zu lächeln, sah trotzdem sehr ernsthaft aus.

„Es scheint, daß die Menschen Gesinnungund Charakter wechseln können, wie das Cha-mäleon die Farbe!" rief Ernst dann aus, in-dem er weiter ging.

„Ich begreife, mich selber nicht," entgeg-nen Blankensee, „und beneide Dich umDeine Festigkeit und um Deinen — wie sollich's nennen? — Unglauben oder gesundenSinn. Ich selbst widerstritt noch gestern stand-haft Fr i edr ich s Meinungen; aber ich mußgestehn, daß ich mich schon da betroffen fühlte,als er verlangte, ich solle ihm die Unmöglichkeit