Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
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636
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nimmt. Wir sehen darin eine Emancipationvon gegenseitiger Anmaßung, eine Garantiefür Friede und ungehinderte Entwicklung, undeinen neuen Sieg der Freiheit und der Volks-sache. Wem diese Ansicht nicht einleuchtet, denersuchen wir, seinen Blick auf die KantoneSchwyz und Glarus, oder auch FreiLurgund Bern zu richten. Er wird sehen, wie dortJesuiiismus den Staat unterjocht, und hier,wie der Protestantismus eine andersgläubigePartei verschlungen hat. Was selbstständig seinund frei leben soll, fordert Schutz und Wehrin sich selbst. Diese Wendung der Dinge imAargau ist für die ganze Schweiz höchst wich-tig, entscheidend und erfolgreich; denn die Re-visionsfrage der Verfassung und die Frageüber die Stellung konfessioneller Parteien sindallgemeine Fragen, deren Lösung durch dieganze Schweiz hindurch geht. Die Einwir-kung davon wird sich zunächst im Kanton Lu-tz er n geltend machen. Der Pseudoliberalis-mus, welcher bis jetzt in diesem Kanton ge-herrscht hat und das neue Herrnthum, welcheswieder auf alle Weise die Volksrechte zu schmä-lern suchte, werden gestürzt werden oder sindes bereits schon. Mit dem Jahr 1841 tritt dergesetzliche Zeitpunkt der Verfassungsrevisiondieses Kantons ein, und es unterliegt keinemZweifel, daß nicht auch in diesem Kanton ohnegroßen Widerstand die volksthümliche Ord-nung und politische Rechtsgleichheit, die bisjetzt noch keine Wahrheit waren, sich vollkom-men ausbilden werden.

Tageszettel.

— * Der Umstand, daß die L eipzigerAllgemeine Zeitung nicht mehr, wiesonst, ihre Beilagen im Hauptblatte der-selben Nummer namhaft macht, hat zu man-cherlei Vermuthungen Anlaß gegeben. Einigemeinten, daß die Beilage dieser Zeitung, wennsie etwa bedenkliche Artikel, namentlich für denNachbarstaat Preußen enthielte, um so leichterbeseitigt werden könnte, wenn sie nicht imHauptblatte bereits angeführt sei. Zugleichverbreitete sich das Gerücht, es unterwerfe sichdie Leipziger Allgemeine Zeitung von jetzt an,ehe sie nach Preußen hinein versandt werde,in Halle einer preußischen Recensur. Be-denkliche Artikel fanden dann um deswillenihren Platz in der Beilage, um, falls sie nichtdie Genehmigung erhielten, mit derselben ohnealles Aufsehen zurückbehalten werden zu kön-nen. Habe aber die Beilage ihre Genehmi-gung gefunden und folglich mitausgegeben

werden können, so werde sie in der nächstenNummer der Zeitung als mitausgegeben ange-führt, wie es auch in der That seit der letztenZeit von der Redaction so geschieht. — Wirglauben aber dies Gerücht für eine Fabel er-klären zu müssen. In Oesterreich fand eineZeit lang ein ähnliches Manoeuvre mit derAugsburger Allgemeinen Zeitung statt. InPreußen war es nie so weit gekommen undwird es am allerwenigsten jetzt dahin kommen.Die preußischen Behörden werden einer edelnund anständigen Freisinnigkeit jetzt nicht denWeg zu ihren Landen versperren. Mag sichdaher die Redaction der Leipziger AllgemeinenZeitung, wenn sie kann, auf andere Art überden seltsamen Hokuspokus, welchen sie jetztmit ihren Beilagen treibt, erklären! — *

— * Wir bemerkten in einer früherenNummer, daß der wiederholte Abdruck, wel-chen die preußische Ataatszeitung von der inKönigsberg bei der Huldigung gehaltenen Rededes Königs von Preußen gegeben, einige Va-rianten enthalte. Diese bestehen darin, daßbei dem zweiten Abdruck in dem Satze: „Beiuns ist Einheit an Haupt und Gliedern, anFürst und Volk , im Großen und Ganzen herr-liche Einheit des Strebens aller Stände, allerVolksstämme, aller Bekenntnisse nach Einemschönen Ziele" — die Worte „aller Volks-stämme, aller Bekenntnisse" neu hin-zugefügt erscheinen, sowie in dem Satze: „Sowolle Gott unser theueres Preußisches Vater-land" das Wort „theueres". — *

— * FürstPückler hat sich im Orientneben so vielem Schönen und Kostbaren auchdieLebensbehaglichkeitdesMorgen-länders, die ihre höchste Wollust in derRuhe findet, angeeignet, und lebt danach fürjetzt wenigstens als Schriftsteller. Von dieserSeite betrachtet, wäre es jedoch am meistenzu bedauern, wenn die Literatur den Scha-den dieses orientalischen Lebensprincips tragensolke. — *

— * Der polnische Dichter Mickie-wicz, in der letzten Zeit Professor der latei-nischen Sprache und Literatur an der Akade-mie zu Lausanne, hat mit ansehnlichem Gehaltdie Lehrstelle der slavischen Sprache und Lite-ratur in Paris übernommen. — *

— * Napoleon sagte: Wennmanderöffentlichen Meinung eine Schlacht

liefern könnte, würde ich sie nichtfürchten; da man aber keine Artil-leriehat, siezu vernichten, so ist sienur durch Gerechtigkeit und Billig-keit zu gewinnen! — *

— * Bei Gelegenheit des Processes gegenden neuen Königsmörder Darmös, der vorden Pairshof gebracht ist, schlagen einige fran-zösische Journale es als das kürzeste und ent-scheidendste vor, Darmes für wahnsinnigzu erklären und in ein Irrenhaus zu sperren.Man erinnert sich dabei eines kürzlich erschie-nenen Werks der rühmlichst bekannten Schrift-stellerin Madame Flora Tristan, „Spazier-gänge in London," worin sie auch ihres Be-suchs in Bedlam erwähnt, in welchem Irren-haus James Hadfield, bekannt durch sei-nen Versuch König GeorglV. durch einenStein-wurf zu tödten, seit zwanzig Jahren einge-schlossen ist. Ich weiß nicht, sagt die Dame, »ob James Hadfield wirklich jemals wahnsinniggewesen ist; seine Handlungen und Reden zei-gen mindestens keine Spur davon. Er bewohntein eignes kleines Zimmer und unterhält sichgern mit seinen Besuchern. Wir blieben langebei ihm; seine Unterhaltung und seine Ge-wohnheiten zeugen von einem etwas ercentri-schen Gefühl und einem liebebedürftigen Her-zen; er hat nach einander zwei Hunde, dreiKatzen, mehrere Vögel und zuletzt ein Eich-hörnchen besessen und abgerichtet. Diese Thiereliebte er zärtlich und ward von ihrem Todeschmerzlich ergriffen; er hat sie in seinem Zim-mer beerdigt und jedem von ihnen einen klei-nen Grabstein gesetzt, mit einem gereimtenEpitaph darauf, der von seinem Bedauernspricht. Doch benutzt er diese Zuneigungenauch zu einem kleinen Handel, der ziemlicheinträglich sein soll, indem er seinen Besucherndiese abgeschriebenen Epitaphe überreicht undvon ihnen dafür einige Schillinge als Geschenkerhält. Weiterhin sagt Flora Tristan: diesemalten, guten, liebenswürdigen und geschwä-tzigen James Hadfield ist jetzt Orford, dersich zum Mörder der Königin Victoria machenwollte, zugesellt und beide leben in der bestenEintracht mit den Unglücklichen, denen dieReize der jungen Herrscherin den Verstand ver-wirrt haben. — *

— * Ein neuer Verfassungsentwurf inder Schweiz enthält einen Artikel, welcher lau-tet wie folgt:

„Nicht wählbar sind Falliten, Vagabun-den — und Geistliche." — *