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niß ihrer Verschönerung und ihres Gedeihens,daher mit der Verlornen kriegerischen Herrscher-bedeutung jene Hindernisse schwinden mußten.Wie Zürchs künstliche Schanzen gefallen sind,so will nun auch Bern seine natürlichen über-winden und eine kühne Brücke soll, gleich derfreiburger Drahtbrücke, die beiden Thalrän-der verbinden, hoch über dem Flusse und vie-len tiefliegenden Wohnungen hinlaufend, un-ter dem Namen der Nyd eckbrück e. Die Re-gierung begünstigte das Unternehmen, dasaber seit Jahren noch nicht einmal bis zumAnfange gelangt ist, so daß in der Zwischen-zeit ein zweiter Plan ganz-schlagfertig an dasLicht getreten ist und dem ersten den Unter-gang droht. Wie gewöhnlich in den helveti-schen Republiken, so drohen sich auch hier derpolitisch gleichgültigen Sache die Parteien zubemächtigen, eine Menge anderer kleiner In-teressen droht die wahre Frage zu verdunkelnund man wird froh sein dürfen, wenn darübernicht sowohl die Nydeckbrücke als auch die desKornhauses zu Wasser werden oder wenigstensnoch Jahre lang der Ausführung entgegenhar-ren müsset.
II.
Wenn man die zürcher Revolution und wasmit ihr zusammenhangt, als eine Reaction ge-gen die Verirrungen des Liberalismus ansehendarf, so ist das neue Sabbatmandat, wel-ches die zürcher Regierung erließ, durch ihreEntstehung ihr geboten. Wer das Zürch von1820 mit dem von 1840 vergleicht, muß eineAenderung in den--Sitten und vornehmlich indem Aussehen der Sonntage wahrnehmen, diewirklich geeignet ist, Bedenken zu erregen. Dieübermäßige Strenge, die einst während desGottesdienstes die Stadtthore verschloß undden Bürger, der Nachmittags ausging, ohneMorgens die Kirche besucht zuhaben, scheelansah, diese Strenge ist jetzt ersetzt durch, eineübermäßige Toleranz und durch Erscheinun-gen, die von der Stärke des kirchlichen undreligiösen Lebens einen schwachen Begriff ge-ben. Es ist jetzt Sitte, Alles dem Radikalis-mus zuzuschreiben, als ob ein ganzes Volk inzwanzig Jahren auf den Kopf gestellt werdenkönnte; das Geschwür war da, die Revolu-tion hat es nur aufgedrückt. Aber darin hatsie gefehlt, daß sie an den engen Zusammen-hang von Gesetz und Tugend nicht glaubte undalle wohlthätigen Schranken der Sitte nieder-riß, im Namen der Freiheit. Man brauchtnur zu sehen, wie Trägheit, Händelsucht,Verarmung zunehmen, wenn in einem Landealle zehn Schritte ein Wirthsschild erscheint
und man wird die Weisheit nicht loben, diein diesem und Anderem keine Pflicht des Staatszum Einschreiten anerkannte. Zu fürchten istjetzt die entgegengesetzte Verirrnng, denn durchbloße Gesetzesstrenge ist auch nicht zu helfen,wie das Beispiel von vormals deutlich zeigt;und es liegt den Vatern des Staates ob, denGeist zu wecken, der diese Uebel heilt. DasSabbatgesetz tritt einstweilen nicht zu strengauf, verbietet das Theater nur an Communi-onstagen und während der Charwoche. Be-sondere Aufsicht ist dem Tanz gewidmet, dernur an vier Sonntagen und bei außerordent-lichen Anlassen stattfinden soll. Junge Leuteunter I^Jahren sollen nicht in das Wirths-haus; bisher war es schon vierzehnjährigengestattet.
Nicht unbedeutenden Antheil an dem Ver-fall der Zucht unter Alten und Jungen hat dasFabrik Wesen, zu dessen Hauptübelständengehört, daß die Kinder so früh als möglichnutzbar gemacht werden, was dann die weitereFolge hat, daß sie sich bald vom Gehorsamgegen die Eltern losmachen. Mit dem Zerfalldes Familienlebens aber ist der Staat an sei-nem Marke angegriffen, weil ein zügellosesGeschlecht heranwächst. Es nagen aber auchnoch andere Uebel am Wohlergehen der Ein-zelnen, womit das des Ganzen so eng ver-bunden ist: kurzsichtiges Haschen nach Be-reicherung stürzt in gewagte Unternehmungen,hemmt wirklichen besonnenen Fortschritt in derBetreibung des Berufs und entzieht der wah-ren Kraft des Staates, dem Ackerbau, dienothwendigen Capitalien. Der Verlegenheit,die so entsteht, bemächtigt sich der Wucher,der eben in Zürch ziemlich um sich greift. Einanderer Feind des. Glückes ist die Proceßsucht,die, wie die genannten Uebel, ihre Quellein der leidenschaftlichen Begierde nach Gewinnhat. Ein Glück, daß endlich Vielen über allesdas die Augen aufgehen und wenigstens aner-kannt wird, wie nöthig Abhülfe sei.
Die Hochschule in Zürch, eines der erfreu-lichsten Institute der neuesten Zeit, das so leb-hafte Hoffnungen erweckte, scheint sich in hof-fentlich nur vorübergehend mißlicher Lage zubefinden. Von beiden Seiten wurde an dernoch jungen Pflanze hin- und hergerifsen, ehesie in dem nicht besonders günstigen BodenWurzel fassen konnte. Noch ist die Lücke nichtausgefüllt, welche die straußische Bewegungzurückgelassen hat. Alle Unterhandlungen zurBesetzung der Professur für Dogmatik und Kir-chengeschichte scheinen bis jetzt ohne Erfolg ge-blieben. Und kaum hat Schönlein die Hoch- !schule verlassen, so folgt nun auch, ehe noch j
eine Besetzung seiner Stelle zu erwarten ist,der ausgezeichnete Lehrer der Anatomie undPhysiologie, Friedrich Arnold, einem Rufenach Freiburg im Breisgau. Dies geschiehtin einer Zeit, wo sich die neuen Prachtgebäudedes Hospitals und der Anatomie ihrer Vollen-dung nähern und zur Einrichtung und Benu-tzung der geübten, ordnenden Hand dringendbedürfen. Unter diesen Umstanden ist es alsbesonderer Vortheil zu achten, daß wenigstensder zweite Lehrer der Anatomie, Dr-. Hodes,seit vielen Jahren in diesem Fache thätig, mitden anatomischen Sammlungen und allem Be-treffenden wohl bekannt, erhalten worden ist.
(Fortsetzung folgt.)
Neuigkeiten -er Literatur.
Bei B. G. Teubner in Leipzig isterschienen: Schild und Waffen gegenThierquälerei. Von H. W. von Eh-renstein. Es ist dies eine Aufforderung,einen Verein gegen das Laster der Thierquä-lerei zu bilden, wie deren bereits in Englandund Nordamerika eristiren, zu dessen BildungVorschläge und Pläne gemacht werden. DerVerfasser führt Beispiele von Grausamkeitengegen Thiere an, die das Bedürfniß eines sol-chen Vereins herausstellen sollen. Dem Gan-zen ist eine auf denselben Gegenstand bezug-nehmende Predigt des ve. v on Am m on bei-gefügt und einige geistliche Lieder von einemPastor Zeidler. — Herr von Ehrensteinhat gewiß Recht, wenn er empört ist über dasVerfahren mancher Leute gegen ihre armenThiere und es muß ihm, wie Allen, ein heili-ger und ernster Wunsch sein, wenn möglich,durch Wort und That einem solchen Unwesenzu steuern; wenn aber der Herr VerfasserSeite 34 bemerkt: „Sehr viele Pferde unsererchristlichen Länder sind blos abgehetzte, zu see-lenlosen (?) Werkzeugen herabgeprügelte Ge-schöpfe, welche nur die grausame Peitsche oderden unerbittlichen Sporn, aber kein menschli-ches Herz, an welches sie sich so gern anschmie-gen möchten, kennen," so scheint uns dieseine zu weit getriebene Empfindsamkeit, dennwir glauben nicht, daß es irgend einem Ver-..ein gelingen wird, ein Pferd zu einem seelen-vollen Geschöpf zu machen und sein Anschmie-gen an ein menschliches Herz zu erreichen.
Im Verlage von Wilhelm EinhorninLeipzig ist erschienen: Panonia. Blu -menlese auf dem Felde der neuenmagyarischen Lyrik in metrischenU eb ertrag u n g en von Gustav Stein-