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Aufmerkfamkeir erregten. Der einzige ausge-zeichnetere Bildhauer, den Ungarn bis jetzt inFerenczy, einem Schüler banova's, besitzt, derlange Zeit in Rom verweilte und überdehntLeistungen sich selbst Thorwaldsen sehr beifälligund anerkennend ausfpricht, ist gegenwärtig mitder Anfertigung zweier großer Nationalmonu-mente beauftragt, der marmornen kolossalenStandbilder des Matthias Corvinus und desohnlängst verstorbenen ungarischen Dichtersund Ablegaten Kölcsey, wozu bereits beträcht-liche, wenn gleich noch lange nicht zureichendeBeiträge subscribirt sind. Es ist sehr zu wün-schen, daß der Künstler seine Aufgabe auf einedes großen Gegenstandes und seiner Nationwürdige Weise lösen möge. Für die Musikund deren Pflege ist in jüngsterZeit auch Man-ches geschehen, wenn gleich Hiebei noch sehrviel zu wünschen übrig bleibt; vorzüglich sollteder Pesther Musikverein, der bereits über nichtganz unbedeutende Kräfte zu gebieten hat, dar-auf bedacht sein, den Sinn und die Liebe fürclassische Tonwerke, die sonst nicht leicht zurAufführung kommen, mit beleben zu helfenund sich hüten, dem auch bei uns durch mo-dernen Klingklang schon vielfach verderbtenund mißleiteten Geschmack allzugroße Conces-sionen zu machen. Die Zahl der wirklich aus-gezeichneten Dilettanten-Virtuosen, besondersauf dem Piano, nimmt mit reißender Schnel-ligkeit zu, eben so die, von Saphir zu wie-derholten Malen äußerst humoristisch gegeißelteKindervirtuosen - Manie. Für fremde Künst-ler wird Pesth ein mit jedem Jahre mehrbeliebter und gesuchter Aufenthalt, dagegenhat diese Stavt durch den ohnlängst erfolgtenTod des wackern Taborszky einen sehr aus-gezeichneten inländischen Künstler auf derVioline verloren, der durch lange Jahre alsSolospieler des städtischen Theaters wie alstüchtiger Lehrer und unübertrefflicher Quar-tettspieler sich um die Förderung des mu-sikalischen Kunstgeschmacks wesentliche Ver-dienste erworben. Nächst den vor Kurzembeendigten Gastvorstellungen ver vielbegabten,won frühern Jahren her noch in lebhaftem An-denken stehenden Künstlerin Charlotte vonHagn, auf dem deutschen Theater, beschäf-tigt die Angelegenheit der ungarischen Bühnefür jetzt in hohem Grade das Interesse des ge-bildeten Publicums oder besser der Literaten,die dasselbe mit einer Fluth von Brochüren undZeitungsartikeln über diesen Gegenstand über-schwemmen. Die Directoren des neuen unga-rischen Theaters, die in kurzen Zwischenräu-men aufeinanderfolgten, bekämpfen sich undibre Verwaltung gegenseitig auf das Erbit-
tertste, und der Streit, an dem dann auchSchauspieler und Choristen Antheil nahmen,ist bereits von den ernsten Interessen der Kunstauf das breite Feld der gehässigsten Persönlich-keit übergegangen. Besonders stehen sich diebeiden Directoren Baiza und NyLry als dieheftigsten Gegner gegenüber, von denen dererstere für das Drama, der andere für die,dasselbe leider immer mehr verdrängende Operkämpft. Die bessern Mitglieder des recitiren-den Schauspiels, die sich durch die fast unum-schränkte Herrschaft der Oper und ihrer erstenPriesterin Mad. Schodel über die Gebührzurückgesetzt und beeinträchtigt fühlten, habendaher die Pesther Bühne verlassen und gastirenabwechselnd auf den Provinzialbühnen desLandes. Da nun aber die Zahl der ungari-schen Bühnenmatadors eben nicht atlzugroß ist,so sieht es mit dem vielbesprochenen und ge-hofften Einflüsse der ungarischen National-bühne auf die Sprache und Bildung der Na-tion für jetzt ziemlich mißlich aus. Im gegen-wärtigen Augenblick erfreut der rühmlichst be-kannte Solotänzer und Director der ungari-schen Nationalbanda von Farkas und Bihary,Herr Veszter Sündor, von seiner Kunstreisenach Frankreich und Deutschland zurückgekehrt,das pefther Publicum durch seine und seinerLeute seltene Kunstfertigkeit.
Ueber das geistig-literarische Leben in Un-garn ist vor nicht zu langer Zeit durch eineneigenen Artikel der Augsb. allg. Ztg. ausführ-licher berichtet worden, der aber in den mei-sten inländischen Blättern und nicht ganz mitUnrecht vielfältigen Widerspruch und zahlreicheBerichtigungen erfahren hat. Der zwar ge-wandte, aber mit ungarischen Literatur-verhältnissen wohl nicht allzuvertraute Verf.hat es sich etwas leicht gemacht und durch Jg-norirung sehr ausgezeichneter, allgemeinerAnerkennung würdiger Männer und Leistun-gen ein mangelhaftes, unvollständiges Ge-mälde des geistigen Lebens in Ungarn gelie-fert. So bemerkt derselbe, um nur eini-ges Wenige beispielshalber anzuführen,„daß Ungarn einen magyarischen Geschicht-schreiber noch erwarte," während die ungari-sche Literatur (außer den, dort unberücksichtigtgebliebenen, geschichtlichen Sammelwerken undMaterialien eines Waltherr, Gabriel v. Nagy,Rumy, SzilLgyi, Kovacsoczi) doch in demältern Geschichtswerke des noch lebenden ge-lehrten Superintendenten Budday und in dem,Censurverhältnisse wegen freilich noch nichtvollständig erschienenen, neuesten Werkedes verdienstvollen Professor Peczely (welches,beiläufig erwähnt, eine interessante literarische
Fehde zwischen dem Verfasser und dessen Beur-theiler Grafen Joh. Majläth veranlaßte, dieeben nicht zum Ruhme des letzter» endigte) -—>sehr brauchbare und gediegene Leistungen be-sitzt. Unter den ungarischen Dichtern führtdee Verf. nur Vörösmarty, Czuczor, A. v.Kis-faludy, Erdely, Freiherr» Joseph v. Eötvös,Freihrn. Nikolaus v. Josika und Ludwig Kuthyan, während Namen wie Paul Szemere, An-dreas Fäy, Bajza, Vajda, Lorenz T6th, Ku-noß, Garay, Vachott, Jgnaz Nagy, Szig-ligety u. A. als verdienstvolle, allgemein be-kannte und beliebte lyrische und dramatischeDichter billig Erwähnung verdient hätten.
Skizzen aus -er Schweiz,
von
Alfred MontanuS.
I.
Diejenigen Ihrer Leser, welche die Schweizdurchreist haben, erinnern sich wohl, mit wel-cher Beschwerde die Einfahrt in Bern für dievon Osten herkommenden Gefährte verknüpftist, indem man hier in das tief eingeschnitteneThal der Aar eine Steige hinab und jenseitseine steile Gasse der Stadt hinanzufahren hat,bis das Plateau erreicht ist, worauf die stolzeBern thront. Nicht leicht verdient eine vonden Städten des Mittelalters in dem Gradewie Bern den Namen einer Burg, womit frü-here Jahrhunderte die ummauerten Wohnsitze,große wie kleine, belegten. Bekannt ist, daßdie Herzoge von Zähringen, deren Stamm' durch Kaiser Heinrich den Vierten die Verwal-tung der westlichen Schweiz bekommen hatte,zum Schutze gegen den unbotmäßigen Adel desLandes, mehrere Orte zu Burgen erhoben,darunter auch Bern, welches der fünfte Bert-hold bei feinem Jagdschlösse Nydeck anlegte.Bern verdankt seine Größe unstreitig derausgezeichnet günstigen Lage, die BertholdsScharfblick erkor: auf einer Halbinsel, de-ren steile Abhänge die reißende Aar umfließt.Während Genf, Luzern, Zürich, Constanzdurch ihre glückliche Lage an Seeausflüssen undauf ähnliche Weise von der Natur eben sowohlzu Sitzen des Handels, der Kunst und Wissen-schaft , des geselligen Lebens, als zu äußererMacht bestimmt waren, blieb Bern, wozu dieNatur und sein Stifter es auserkoren hat, einWaffenplatz, eine Burg, die das umliegendeLand bezähmt hielt. Aber was sonst eine Zierund ein Glück für die Stadt war, schwere Zu-gänge, das ist jetzt ein eben so starkes Hinder-