Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
Seite
661
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Bon dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:„ An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker inLeipzig erbeten.

Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen

Literatur- uns Völkerzustän-e.

Herausgegeben von -er Redaction-es Freihafens.

Man abonnirtaufdenPiloten für den jährli-chen PränumerationS-PreiS von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,viertel;, mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämternwie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Petitzeile aufge-nommen, Beilagenmöglichst billig be-rechnet.

UZ 67.

(Ausgegeben am 19. November 1840.)

Verlag von I. F. Hammerich in Alton«. ^ ^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.

Inhalt : Ueber Namen. Von F. E. Pipitz. — Blicke nach Westen und Osten. Zweiter Artikel. — Probe einer Bearbeitung der Nibelungen. —Ungarische Zustande und Strebnisse (Beschluß). — Skizzen aus der Schweiz, von Alfred Montanus. III. — Aus Leipzig: Das Schillerfest. Concerte.Lvoff. Die Sängerin List. Die Araber. Adam's Königin für einen Tag. — Tageszettel: Die Hallischen Jahrbücher und die Männer von 1813.Hassenpsiug. Ranke und die preußische Staatszeitung. Böckh und die berliner Akademie. Mittelalterliche Soireen in Paris. Die londoner Gesellschaftzur Herausgabe alter Theaterstücke. Abgang der Mars.

Ueber Namen

Zur Physignomie des Menschen gehört auchsein Vorname, und es ist kein Zweifel, daßunter andern Factoren auch dieser über seinGlück und Unglück entscheide. Es fordert für-wahr eine große Ueberwindung eine Ursula zulieben, und wer möchte wohl einem Krispingut sein oder einen Stoffel zum Freunde haben!Indessen scheint man darauf viel zu wenigRücksicht zu nehmen, und Lei der Wahl der-selben nicht mit der einem so wichtigen Gegen-stände ziemenden Umsicht und Behutsamkeit zuWerk zu gehen. Ich brauche wohl nicht aufdie tiefen Studien Shandy's hinzuweisen, undjedermann wird sich erinnern, von welch unglück-lichem Einflüsse auf die Lebensschicksale seinesSohnes der verhängnisvolle Zufall war, wo-durch diesem statt des wohlklingenden undglückverheißenden Namens „Trismegist" derabscheuliche „Tristram" beigelegt wurde. Seitdieser Zeit nun ist eine wahre Anarchie einge-treten; bei jedem neugebornen Kinde herrschtZwist zwischen Vater und Mutter, und manvereinigt sich höchst selten über die Benennung,unter der das eben vomStapel gelaufene Schiffseine Lebensreise antreten soll. Hat der Vaterz. B. das Unglück, Jakob zu heißen, und will,allen bessern Gefühlen zum Trotz, dem Erst-gebornen auch diese Etikette aufheften, so be-

kommt die Mutter Krämpfe und nicht mit Un-recht; ist diese aber Barbara getauft wordenund meint, Betty sei so übel nicht: wer wolltees dann dem Vater verargen, wenn er seinentschiedenes Veto einlegt. Aber was ist zumachen? Die Auswahl, welche der Kalenderbietet, ist so gering; die wenigen hübschenNamen werden von allen Seiten in Beschlaggenommen, und die ganze Welt heißt Bertha,Emma, Alfred, Mar oder Arthur. In derGeschichte ist man nicht sehr bewandert oderscheut sich vor den Heiden, und die Phantasiewill mit aller Gewalt nicht fruchtbar werden.Ich will daher zum Besten Aller, welche beidieser ernsten Angelegenheit ein Wort mitzu-sprechen haben, einige geschichtliche Andeu-tungen geben, ohne jedoch nur im Entfernte-sten darauf Anspruch zu machen, diesen Ge-genstand erschöpfen zu wollen.

Bekanntlich hat Gott selbst das Geschäftübernommen, die ersten Namen auszutheilen;allein diese sind durchaus nicht mehr zeitgemäß,waren überdies eigentlich nur Gattungsnamenund darum ist es sehr verzeihlich, wenn wireinen andern Geschmack haben, und Adam undEva für roeoco erklären. Die Juden warenin der Erfindung und Wahl nicht besondersglücklich; Rebekka und Habakuk haben keinenguten Klang, Moses ist blos eine hübscheOper und wenn sich auch Sara oder David hö-

ren lassen, so möchte ich sie doch nicht em-pfehlen. Es gab zwar eine Zeit, wo es sehrfashionable war, Jeremias oder Lea zu hei-ßen, und fleißige Leser Walter Scott's wer-den sich erinnern, wie zu Cromwells Zeitdie Manie eingerissen war, das alte Testamentzu diesem Behufe zu plündern, so daß diegenealogischen Capitel der Bibel zu Muster-rollen für jene Regimenter wilder Cameronier,Jndependenten und Chiliasten dienen konnten,deren Gestalten uns der schottische Dichter vor-führt. Damals kam auch die Mode auf, sichgleich ganze Sprüche oder Devisen zu Vorna-men zu wählen, wie es unter andern ein ge-wisser Barebone that, der seinem Familien-namen den Satz vorschrieb: ,,Wenn JesusChristus nicht für mich gestorben wäre, sowäre ich ein Verdammter," und sich abgekürzt„Verdammter Barebone" nannte. Den Na-men Rachel hat die Frau LegationsräthinVarnhagen v. Ense und das Gestirn des tliea-tre 1r9n?ai8 in bessern Credit gebracht, aberim Ganzen können jüdische Namen nicht em-pfohlen werden, und wir überlassen sie ihrenrechtmäßigen Eigenthümern und den Ameri-kanern, die sich in einigen Grafschaften Neu-Englands deren so häufig bedienen, daß mansich dort in die schönsten Zeiten Palästinasversetzt glaubt.

In der christlichen Wett blieben die Volker

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