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lange den ihnen und ihrer Sprache eigenthüm-lichen Namen treu, und es vergingen beinahezwei Jahrhunderte nach dem Allgemeinwerdender Geschlechtsnamen, als man erst anfing,ausländische Vornamen besonders romanischenUrsprungs zu gebrauchen. In der That fin-den wir bis in das 15. Jahrhundert unter Adelund Volk wenig Paule, Cecilias u. s. w.,hingegen eine große Mannigfaltigkeit einhei-mischer, mitunter wohlklingender, fast immeraber beziehungsreicher und bedeutungsvollerNamen. Besonders zeichnen sich in dieserRücksicht die deutschen Stämme und unter die-sen die Alemannen und ihre Nachbarn dieBurgunder aus, wenn gleich bei letztern dasromanische Element schon bedeutenden Einflußhatte. Ueber diese und zwar die weiblichenNamen will ich nun Einiges anführen, undhoffe, daß der leidige Kosmopolitismus, dersich auch hier eingeschlichen hat, über kurz oderlang dem Patriotismus weichen und dieser einevöllige Namenrevolution herbeiführen werde.
Ich kannte einen Vater, der seinen Kindernnur solche Namen gab, die mit A anfingen.Ich hätte ihm drei prächtige für seine Töchtervorschlagen können: Abezwib, Alekerwich undAlpdrud. Die Zusammensetzung des letz-tern ist weniger tauwlogisch als emphatischund hat gewiß den Beifall aller Aesthetiker.In einem Verzeichniß alemannischer Frauen-namen aus dem 13. Jahrhundert finde ich 36mit Adal, 24 mit Hilti, 20 mit Engil, 19 mitWil, 16 mit Regin, 13 mit Frid, 12 mitTheot, 11 mit Sigi anfangende, welcherGrundsilben Bedeutung sich von selbst ergiebt.Der häufigste Ausgang war bürg, Purg oderpuruk, er kommt 57 Mal vor, ilt 46, trud 43,sint 35, lind 33, und gund 18 Mal. DieseMannigfaltigkeit hatte theils in dem Reich-thum und der Gelenkigkeit der deutschen Spra-che, theils darin seinen Grund, weil die Vor-namen auch die Stelle der Geschlechts - und Fa-miliennamen vertreten mußten, indem die Freienoder der Adel erst gegen das Ende des 11. Jahr-hunderts (aus dem 10. ist mir nur ein Fall be-kannt) anfingen, sich nach ihren Besitzungenoder Schlössern, die klebrigen nach ihren Be-schäftigungen oder andern Vorkommnissen zunennen. Im 14. und 15. Jahrhundert wur-den, wie gesagt, ausländische Namen häu-figer, als Krieg und Handel die Völker näherbrachte und mischte, und man anfing, denLeuten weiß zu machen, ihre guten alten Na-men wären unchristlich, und nur die von be-währten Heiligen probehaltig. Im 16. Jahr-hunderte nahmen auf kurze Zeit Taufnamenaus den Rittcrbüchern überhand und darauf
schwankte die Pra.ris, bis der Fanatismus derfranzösischen Revolution die Namen des altenRegime durch Brutus, Cato, Scipio u. s. w.ersetzen zu müssen glaubte. Die Deutschthüm-ler versuchten meines Wissens in dieser Bezie-hung keine Reaction oder Rückkehr zum germa-nischen Princip, und ich will daher, unreinesolche anzubahnen, einige Namen anführen,die besonders in Alemannien, d. h. dem frü-hern Schwaben und einem Theile der Schweizam längsten gegen das Eindringen der fremdenStand hielten. Ihnen stelle ich Lurgundischegegenüber, die freilich wohlklingender undromantischer sind:
Alemannische: Burgundische:
Jrmintrud
Adalonia
Leonza
Wiltburg
Agasia
Pernanda
Bertha
Agilenda
Rofinda
Mechtild
Andustria
Unda
Mina
Aureyera
Vuona.
Alta
Columba
Wandelburg
Domnina
Willa
Egina
Perta
Engila
Liebtag
Florafinda
Wandelgern
Gotelinda
Guta.
Jndustria *)
*) Wie geschaffen für unser Steinkohlenzeitalter.
Eine reichhaltige Blumenlese von altdeut-schen Namen findet sich in Vadianus, Stum-pfius, Goldastus — auf welche ehrwürdigeHerren ich daher diejenigen verweise, denen diewenigen Tropfen, .welche ich ihnen biete, nichtgenügen und die aus der Quelle schöpfenwollen.
F. E. Pipitz.
^ Blicke nach Westen und Osten.
Zweiter Artikel.
Die Julirevolution hatte Louis Philippadoptirt; gewiß das Klügste, was sie unterden obwaltenden Verhältnissen machen konnte.Die nächste Aufgabe des neugeborenen Königswäre unstreitig die Pflege der Mutter gewesen;er mußte, was begonnen war, auf dem Wegedes Fortschrittes zunächst weiter entwickeln, aufdiese Weise seinem Throne die nöthige Festig-keit geben und, auf diese gestützt, ruhig der Zu-kunft und dem, was sie bringen würde, entge-gensehen. War der Thron und die Ruhe imInnern gesichert, so mußten sich die äußerenVerhältnisse nach und nach von selbst ordnen.
^ Dies that er indessen nicht. Er machte sichj dagegen vielmehr zur Aufgabe, sich selbst, das, Kind der Revolution, mit der Legitimität, und
Frankreich mit den nordischen Mächten zu ver-söhnen. Eine solche Aufgabe mußte ihn jedochzu der Julirevolution selbst, der er seinen Ur-sprung verdankte, nothwendig in eine falscheStellung bringen. Er konnte sich, um dieVersöhnung in seinem Sinne zu bewerkstelli-gen, nicht mehr damit beschäftigen, die be-gonnene Bewegung weiter zu fördern, um inden Augen der Souveraine selbst nicht fort-während als der Mann der Bewegung, son-dern als Vermittler und Beruhiger zu erschei-nen. Diese Rolle nöthigte ihn, weil bloßespassives Stillstehe nicht hinreichend war, umsie durchzuführen, Rückschritte zu thun undsich der weiteren Entwickelung der Bewegungentgegenzusetzen.
Er that dies, ohne zu bedenken, daß ebennur ein konsequentes Verfolgen dieser Rich-tung seinem Vorgänger Krone und Reich ent-rissen und es ihm zugeworfen hatte. Indessenscheint einmal das Loos menschlicher Schwachezu sein, von den Erfahrungen Anderer nie-mals Nutzen zu beziehen, weniger vielleicht,weil sie die eigene Gefahr nicht kennen, alsweil sie, die eigenen Kräfte und Einsichtenüberschätzend, in denselben Hülfsmittel genugzu finden glauben, um die Fehler der Vor-gänger vermeiden und die Gefahren, denenjene unterlagen, besiegen zu können.
Auch lehrt die Geschichte fortwährend, daß,wo immer durch außerordentliche Menschenoder durch außerordentliche Begebenheiten einungewöhnlicher Fortschritt gemacht worden ist,er alsbald incarnirt und in erstarrende For-men, anstatt der Weiterforderung, gebrachtwird. So geschah es auch hier. Darum wol-len wir daraus allein Louis Philipp keinenbesonderen Vorwurf machen, weil er nur ebendem gewöhnlichen Loose der Menschheit erlag,wenn wir auch sagen möchten, er haben sei-nen Standpunkt nicht genugsam erkannt, alser, statt zunächst nach innen zu wirken, seineThätigkeit vorzugsweise äußeren Verhältnis-sen zuwendete und das Innere zwar zu beach-ten, aber dem Aeußeren unterordnen zu müssenglaubte.
Indessen lag schon eben darin, daß er zuviele Zwecke auf einmal erreichen zu könnenglaubte und daß er sie, ihrer Wichtigkeit nach,in eine Reihefolge setzte, die der natürlichenOrdnung gerade ganz entgegengesetzt war, dieUrsache, daß er keinen derselben zu erreichenvermocht hat.
Getauschte Erwartungen im Innern riefeneine Reihefolge von inneren Störungen derRuhe hervor, die zugleich in der zahlreichenClasse der bei jeder Handelsstockung darbenden