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trauen gegen Frankreich, welches die neue pa-riser Zeitschrift Capitale den Genfern und ih-rer Politik zum Vorwurf macht, hat seinenguten Grund. Die dünkelhafte Anmaßung die-ses bonapartistischen Journals, das nicht müdewird, der Eitelkeit seiner Nation mit der Aus-sicht auf eine französische Rheingrenze und ei-nen ganz französischen Jura zu schmeicheln,wird in der Schweiz wie in Deutschland, imRückblick auf noch nicht lange verflossene Zei-ten , gar wohl erkannt und mit Spott und In-dignation zurückgewiesen. Solche Insinuatio-nen können nur dazu beitragen, in der Schweizden noch nicht ganz verglommenen Haß gegenFrankreich von neuem zu schüren. Genf weißnoch gar wohl, welche kümmerliche Rolle esals Hauptstadt eines französischen Departe-ments gespielt hat. Es hat nicht vergessen,daß .es den Ruhm, der großen Nation anzu-gehören, mit dem Blute seiner Bürger undunter der Directorialregierung, wie unter demKaiserreiche, mit einer Abgabe von 2^ MillionFr. bezahlen mußte, während sich seine jetzigenAusgaben kaum über eine Million belaufen.
Genf hatte in der Schweiz das erste Ar-Leits- und Besserungshaus nach amerikani-schem Muster; auch das erste Dampfschiff. Dergenfer See, sonst nur selten von einem Schiff-chen durchsegelt, den noch Joseph II. eine Was-serwüste nannte, ist jetzt einer der belebtestender Schweiz. Handel und Industrie hatten ihrerasche Entwickelung, ohne daß sie wiederhol-ten Stößen, wie im glücklichen Frankreich,ausgesetzt waren. Schul- und Bildungsanstal-ten aller Art, wissenschaftliche und ökonomischeVereine, literarische und artistische Samm-lungen sind gegründet worden, und weit dasMeiste, was dem kleinen Freistaate zur Ehregereicht, hat dieser sich selbst zu verdanken undes stammt aus einer andern Zeit, als derjeni-gen der französischen Gewaltherrschaft.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischte Nachrichten.
4« Aus Leipzig, den 11. Nov.
Das Schillerfest. Concerte.Lvoff. Die Sängerin List. DieAraber. — Gestern und vorgestern feierteman hier, mit einer wenigstens den Umstän-den nach unerwarteten Theilnahme, das viel-besprochene Schillerfest; da wir an Künst-lern, die gern bereitwillig bei solchem Anlaßihre Mitwirkung bieten, keinen Mangel ha-ben, so konnte diese kaum erst in der Ideeangeregte Feier leicht ohne lange Vorbereitung
veranstaltet werden; gleichwohl aber wäre einenoch größere Theilnahme wohl wünschenswert!)gewesen, und das Gegentheil ist um so mehr zubedauern, da es hier, wie gesagt, in keiner Hin-sicht an Mitteln und Gelegenheit fehlt, ein sol-ches Fest zu verherrlichen, wofern nur der rechteErnst vorhanden wäre. Viele unserer soge-nannten Notabilitäten zeigten sich, zumal imAnfange, lässig, ihre Hand zu bieten; siefürchteten wahrscheinlich ein bloßes Fest derHandwerker und mochten nicht um die Ehrebei Gevatter Schneider und Handschuhmacherbuhlen. — Die Vorfeier am 9. eröffnete dieJubelouverture von K. M. v. Weber. Dar-auf hielt R. Blum eine Festrede, deren Ver-dienst Popularität war und die die wackersteGesinnung aussprach. Gesungen ward eineHymne von Jul. Hammer (comp. v. Schmidt)und zwei Lieder von Schiller. Leider hatteman den Vertrag dieser Stücke nur hiesigenSchauspielern übertragen, deren Stimmen sichso wenig dazu eigneten, daß der beabsichtigteEindruck fast ganz verfehlt ward. Dasselbegilt in ähnlicher Weise von der Scene ausDon Carlos zwischen Posa und Phi-lipp (Düringer und Wollrabe) und demvon Madame Dessoir vorgetragenen Gedichte(„Wohl perlet im Glase" rc.): der Vortragdieser Künstler ließ nicht nur viel, sondernAlles zu wünschen übrig. — Eines derMitglieder vom Comite trug mehrere zum Festeingesandte Gedichte ziemlich unvernehmlichvor, bei denen der gute Wille der unbekann-ten Verfasser zu schätzen war; ihre Mitthei-lung war übrigens wohl eher geeignet, diefröhliche Stimmung an der später folgendenAbendtafel zu erhöhen. Auch trat einer deranwesenden Herren auf und theilte (aus einemvon ihm selbst vor einigen Jahrenedirten Buche) einige Anekdoten, auf Schillerbezüglich, üüt. Hierzu gehörte in der Thatviel —! Das geduldige Publikum staunte,schwieg übrigens, ohne sein gerechtes Mißfal-len laut zu äußern, als ihm etwas bereitsvor langer Zeit Gebotenes hier wiedergekäuetward. — Zum Schluß ward das Lied andie Freude gesungen. Darin bestand dieeigentliche Vorfeier, welcher sodann eine ge-meinsame Abendtafel folgte, wo einige (schonim Voeaus bestimmte!) Toaste, auf „König",„Schiller" und „günstiges Censurgesetz" aus-gebracht wurden. — Am folgenden, demeigentlichen Festtage (lo. Nov.) hatten wirNachmittags einen starken Regenguß mitBlitz und Donner, als ob der Himmel auchsein Wort zur Feier sprechen wollte, undzwar auf würdigere Weise, als es mit jenem I
schielenden Vornehmthun möglich war, wel-ches einige Herren fast bis zum Hochkomischenentwickelten. Abends ging im Theater derAufführung derRäuber ein von Gerhardgedichteter Prolog vorher. Soviel vom Schil-lerfest, welches bei alten Mängeln doch we-nigstens den Vortheil hatte, daß dadurchunsre stumpfe Philisterwelt einmal ein Wenigaufgerüttelt ward. — Mit Concerten werdenwir nun förmlich überhäuft; die der Eri-te rpe werden in diesen Tagen beginnen,auch das Thomanerchor hat sein zweites dies-jähriges Benesizconcert angekündigt und ebensodas Direktorium der Gewandhausconcerte ei-tlen Cyklus von sechs musikalischen Unterhal-tungen, wovon den 14. dieses die erste statt-finden wird. Ein besonderer Genuß wardeinem (freilich nur kleinen und ausgewähl-ten) Kreise von Musikfreunden (am 8. Nov.)durch die Anwesenheit des Herrn Lvoff, Ober-sten und Flügeladjutanten des Kaisers vonRußland, zu Theil, welcher, durch seine Kom-positionen eben so hochstehend, wie durch seinbezauberndes Spiel auf der Violine, den hierzugeladenen Kennern und Freunden der Kunsteine seltene Unterhaltung bereitete. Dank undAnerkennung verdient hierbei die Mitwirkungdes Herrn Dr. Mendelssohn, der bereits zweiMal in diesem Jahre in Gemeinschaft ausge-zeichneter Künstler den zahlreichen Kreis seinerFreunde durch musikalische Soirees unterhielt.Ein bedeutender Verlust für die Gewandhaus-concerte ist durch die Wiederabreise des Fräul.Elise List bewirkt, welche nach Paris zurück-kehrt, um, dem Vernehmen nach, hiernicht wieder zu singen. Allerdings hat sie sichüber Ungerechtigkeit zu beklagen. Ein nochnicht durchgebildetes, wenn auch seelenvollesOrgan macht hier kein Glück. Fräul. List sahsich vernachlässigt, während man das, allesGefühles entrathende, gelernte Getriller einerS. Schloß stürmisch beklatschte. —-
Die schon in Wien u. s. w. mit Beifallgesehenen Araber aus der Wüste Sa-hara gaben auf hiesiger Bühne zwei Vorstel-lungen. Das giebt doch Abwechselung. Wirhaben nun Bajaderen und Araber gesehn, undwer weiß, welches Land uns nächstes Jahrseine Kinder sendet! —
T Aus Leipzig.
Das neueste Werk Adam's: Die Kö-nigin für einen Tag ging am 6. Nov.zum Erstenmale über unsere Breter und hattesich eines lebhaften Beifalls zu erfreuen. DieOper ist wie alle derartigen Werke dieses Kom-ponisten mit gefälligen Melodien reichlich ver-