Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
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668
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sehen, welche, wenn auch nicht durchgehendneu, doch dem Publicum zusagen, zu demSujet passen und also ihre Bestimmung erfül-len. Große Kunstansprüche wird niemandan eine Oper dieser Art machen; wenn sieeinen Abend angenehm vertreibt und Lachenerregt, hat sie vollkommen ihren Zweck erreicht.Die Ouvertüre ist unstreitig die beste, die Adamgeschrieben; voll interessanter und pikanterMotive, leidet sie nicht so sehr an der Zer-rissenheit, die den übrigen Ouvertüren Adamseigen ist; auch in der Oper selbst sind einigeNummern, die alle Anerkennung verdienen,wie z. B. das Duett, das Matrosenchor, dieArie des Marcell im ersten, sowie ein Quar^tett im zweiten, das Puritanerlied und einDuett im dritten Act. Die Jnstrumentirungist, einige Leerheiten abgerechnet, pikant undeffektvoll, ohne outrirt zu sein, wie die in derkürzlich in diesen Blattern besprochenen Oper:„Die Dreizehn." Adam ist unstreitig gegen-wärtig der beste französische Komponist imFache der komischen Oper und überragt hierinbedeutend den als Künstler höher stehendenHalevy, dessen Genius die ernste Oper mehrzusagt. Das Buch ist wieder mit acht fran-zösischem Humor und Eleganz abgefaßt, ohnefrivol zu sein, wie dies bei den Dreizehn nurzu sehr der Fall war, eine Sache, die dieserOper auch sehr geschadet hat, wenigstens beiunserem Publikum, welches nichts wenigerals prüde, doch das Decorum nicht gern ver-letzt sieht. — Die Aufführung war sehr ge-lungen zu nennen, wie überhaupt die franzö-sische komische Oper bei unserm Theater sehrgut besetzt ist. Dlle. Günther als Francile,Herr Schmidt als Marcell und Herr Bertholdals Rompel ließen in Spiel und Gelang nichtszu wünschen übrig und zeigten, mit wievielTakt und Geschicklichkeit sie ihre Partien auf-gefaßt hatten. Bei der günstigen Ausnahme,welche diese Oper von Seiten des Publikumsfand , steht zu erwarten, daß sie diesen Winterhäufig auf dem Repertoir sein und ebenso wieder Postillon ein Lieblingsstück der Theater-freunde werden wird.

Tag es zettel.

—* Die Hallischen Jahrbücher be-ginnen ihre Recension von Arndt's Lebens-erinnerungen mit der hämischen Bemerkung:daß es jetzt gefährlich sei, die Männer von1813 anzugreifen, weil dieselben zu hohenStaatsstellen gelangten! — Wenn dies eineAnspielung auf den gegenwärtigen preußischen

Cultusminister Eichhorn sein soll, so zeigtsich daran wieder recht die kindische Oppositi-onsmacherei jenes Journals, das, nachdem essein Bischen philosophische Wissenschaftlichkeitauf dem Tagesmarkte vertrödelt hat, gar nichtmehr Rath weiß, wie es sich noch geltend ma-chen soll. Da wird denn auf dem philoso-phifch - jakobinischen Nachtwächterhorn Feuer-lärm geblasen, wo es gar nicht nöthig ist. —*

—* Hassen Pflug wird wahrscheinlichdie Stelle des Präsidenten des Geheimen Ober-Tribunals in Berlin erhalten. —*

—* Der schon früher angeregte Plan,den Geschichtschreiber Professor Ranke zumRedacteur der preußischen Staatszei-tung zu machen, scheint sich doch noch ver-wirklichen zu wollen. Die Unterhandlungensind, wie wir bestimmt versichern können, des-halb von Neuem im Gange. Auch ist die Be-rufung des Herrn Zink eisen aus Paris,als Mitarbeiter der Staatszeitung, auf denBetrieb Ranke's geschehen. —*

—* Die Rede, welche Böckh zum Ge-burtsfeste des Königs in der Akademie der Wis-senschaften zu Berlin gehalten, hat besondersdurch die edle Freisinnigkei^ mit welcher derRedner der berliner Akademie selbst die ein-dringlichsten Wahrheiten zum Bewußtsein ge-bracht, Aufsehen erregt. Dahin gehören be-sonders folgende Stellen dieser ausgezeichne-ten Rede: — „Freilich kann man sagen, schondie Namen der Männer, welche die Akade-mie in diesem Zeitraume (während der Regie-rung Friedrich Wilhelms III.) bildeten, zeig-ten den Geist der letztem: und gewiß sind dar-unter große Namen: aber mit gleichem Rechtekönnte man entgegnen, die Namen auchderjenigen, die nicht in die Akade-mie aufgenommen worden, seien fürdiesen Geist bezeichnend, und umsomehr als leider auch darunter großeNamen sind. Ueberdies kann nicht dieganze Wirksamkeit ihrer Mitglieder auf ihreRechnung geschrieben werden; die akademischeThätigkeit der Gelehrten ist der Natur der Ver-hältnisse gemäß immer nur eine beschränkte,und die meisten haben nicht, weichsie Mitglieder der Akademie wa-ren, zum Fortschritt des Wissensgewirkt, sondern sind darum diesem Ver-eine verbunden wurden, weil sie bereits frühersich bewährt hatten. Ja die größten Er-

weiterungen der Erkenntniß sindnicht von Akademien ausgegangen,und die Schriften der letztem können, ohne daßdadurch ihr Werth geschmälert würde, dochnur als größere oder keinere Beiträge zu demmächtigen Bau der Wissenschaften bezeichnetwerden undfchwerlich oder seltensindsieGr und Pfeiler d ie ses B au es." —*

—* In Paris beabsichtigt die Aristokra-tie für diesen W'nter Reunions zu veran-stalten, die den Titel: mittelalterlicheSoireen führen sollen. Man wird in den-selben im Costüm des Mittelalters erscheinenund jeder Eingeladene muß eine Person dama-liger Zeit vorstellen. Wer aus der Rolle fällt,zahlt Strafe und diese Strafgelder sind für dieArmen bestimmt.

Dagegen gedenkt eine zu den Blaustrüm-pfen gehörige Dame eine andre Art Reunionsförmlich zu organisiren, wo jeder ein von ihmselbst verfaßtes Werk vorlesen soll und Nie-mand erscheinen darf, der nicht ein solches aus-zuweisen hat. —*

—* In London hat sich jetzt eine Gesell-schaft gebildet, die zum Zweck hat, alle theilsnoch ungedruckten, oder nur noch in wenigenseltenen Eremplaren vorhandenen Theaterstückedes siebenzehnten Jahrhunderts, namentlichvor und zu Shakspears Zeit in einer eignenSammlung drucken zu lassen. Es sollen sichnamentlich darunter bis jetzt noch nicht be-kannte Sachen von Robert Green, Tho-masDeckker, Gabriel Harvey, Tho-mas Jordan, John Taylor befinden.Einige der größten Merkwürdigkeiten dieserSammlung sind: ein ungedrucktes historischesSchauspiel, unter dem Titel. „ThomasMorus," geschrieben und für die Bühne ein-gerichtet im Jahre 1590 und im britischen Mu-seum im Original-Manuscript befindlich. Fer-ner: Orpharion, von Green und „dieBlumenkrone von goldnen Rosen" von Ri-chard Johnson. —*

—* Mlle. Mars wird sich endlich vonder Bühne, wo sie bis nahe zu ihrem sieben-zigsten Jahre als erste Liebhaberin geglänzt,zurückziehen. Alerander Dumas schreibt fürden letzten Abend ihres Erscheinens (im März1841) eine Tragödie, worin Mlle. Mars nochzum letzten Male alle Glorie ihrer Kunst ent-falten soll. —*