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Aus der Schrift hier lernst du nimmerIhren Geist; du, ein Gelehrter,
Mußt das Ding Wohl anders greifen."
Aber wie?
„ Du treibst Geschichte!Thust du dies, so siehst du erstlich,
Wie des Judeuthumes AechthcitGanz allmälig sich begrub,
(Hier der Spötter, dort der Heuchler!)Wie Propheten dann erstanden,
Welche vom Messias zeugten.
Wie Jehovah dann ihr KündenGanz nach ihrem Geist erfüllet,
Jesum Christum, seinen Sohn,
In die Welt gesendet hat.
Blicke weiter und du siehst es,
Wie das Wort sich jugendkraftigBei den ersten Jüngern zeigte,
Daß man sie ob ihrer über-Menschlich, allgewalt'gen KraftFüglich Pfeiler nennen dursteVon der Kirche Jesu Christi.
Doch sie starben und vererbtenIhre Habe, ihren GlaubenAn die folgenden Geschlechter.
Wie ein Erbe oft getheilt wird,
Da im Geiste schon die SöhneSehr verschieden sind, wie dieserSich ein mühevolles HandwerkWählet und in Plage schwitzet.
Jener klug mit seinem ErbtheilWuchert und den Kaufmann spielet,
Da sie beide ihres VatersAcker nicht bestellen wollen,
Nicht die Süßigkeit der Heimath,
Sticht die Frömmigkeit mehr kennen.
Neindes Vaters Felo verkaufen,
Drein sich theilen und sich trennen.Schaden selbst dem eignen BluteSamen, bringt es ihnen Vortheil:
Also ward der Geist der KircheAuch verwechselt und getheilt.
Und es prangten so zwei Vater:
Der zu Rom, der zu Byzanz,
Hießen beide Petri Folgcr,
Doch des Christen Stolz, die Liebe,Kannten beide nimmermehr.
Darum freute sich der eine,
Als der andre schwächer wurdeUnd zuletzt den Stuhl verließ,
Ward die Macht dadurch doch größerDeß zu Rom: im EhristenreicheWar er nun allein der Herr.
„Aber wer auf Erden wandelt,
Macht und Reichthum sich erworben,Sinne klug, daß er's behalte'.
Und es sagte drum der VaterZu den Königen und Kaisern,
Die in Christenreichen herrschten:
Seht! mir ward das Reich des Himmels,Euch ein gar vergänglich Herrschen,Wenn bescheiden ihr die KronenNicht im Himmel prangen lasset.
Nennet euch von Gottes Gnaden,
Und ich segne eure Herrschaft,
Will ich nichts dafür doch haben.
Als — Gehorsam und Tribut!
Und die Könige und Kaiser,
Da sie über Christen herrschten,
Sagten: „Valer! Gottes Wille,
Wie der deine soll geschehn."
Lüstern aber strebte mancherHerrscher trotz des heil'gen EivcSSeine Herrschaft zu vergrößernUnd allein im Reich zu schalten.Darum war der Vater wachsam:
Mit den schwächeren verbanv erLiebend sich, und heil'ge FlücheUnd der Bannsträhl traf den Starken,Wollte dieser seines AdlersSchwingen nicht zerbrechen lassen.
Also ward dem heil'gen VaterManche Mühe und es mußte.
Wie natürlich, oft sein ZornGegen übcrmüth'ge Herrschaft(Stieg sie, mußte seine fallen)
Wie in Himmelsflammen lodern.
Doch im Evangelium
Steht geschrieben: „Wer da suchet.
Findet auch." Der heil'ge Vater,
In der Bibel wohl bekannt,
Sucht' und fand ein artig Mittel,Seine trotz'gen NebenbuhlerZu beschäftigen, er sagte:
„Sollen Christen sich bekriegen?Predigt euch das Wort nicht Liebe?Lasset euern Hader ruhn!
Söhnt euch aus und werdet Freunde,Liebt in solcher Eigenschaft euch,
Daß ihr wie ciu einz'ger KörperAllen, die euch schaun, erscheinet!Und dann blickt zum heil'gen GrabeAch! da drüben, das die HeidenGotteslästerlich umschwärmen.
Auf denn! tragt aus eurem MantelJenes nie besiegte Kreuz.
Schifft euch ein, vertreibt die FeindeAus der Stadt Jerusalem,
Und es lohnt euch Jesus Christus."
,,Gelt! das war ein artig Mittel.Ueberall in Ritterkleidung,
Wie in frommer PilgertrachtSah man, was sich mannbar fühlte.Auf dem Weg zum heil'gen Grabe:Bürgersöhne, Edelknaben,
Biedere und fromme Leute,
Wie auf Raub erpicht Gesindes,
Alt und jung, ja! Weiber selbst,
Mit dem Schwert und Rosenkränze,Ritter, Könige, selbst Kaiser,
Nur — der Papa blieb zu Hause.
„Aber ach! des Menschen DenkenReicht kaum eine Spanne weit:Augenblicklich war geholfen,
Doch die Zukunft ward geopfert.
Denn im fremden Lande lernt manMancherlei: man sieht die SittenAndrer Völker, sieht, daß diese.Wenn als Heiden auch verketzert,
Doch ein Herz im Busen tragen,
Das, von der Natur bewegt.Menschlich edel fühlen kann.
Also ging's auch diesen Wand'rern,Welche gegen ihre Feinde,Haßentbrannt durch ihren Glauben,Nach dem heil'gen Grabe zogen.Menschen, doch nicht Antichristen,Fanden sie, und, dies empfindend,
Wurden menschlicher die Christen.
So erkaltete ihr Elfer.
Mühevoll erschien der Kampf,Unersprießlich selbst den Streitern,
Lag das Land doch fern der Heimath,Fern dem materiellen Vortheil,
Und man ließ das Grab den Heiden,In demselben seine Opfer;
Aber unsichtbare BeuteTrugen sie zum Heimathslande,
Denn der Geist erstand dem GrabeAllgemach, er wurde thätig,
Und es rührte sich im Volke.
! Doch der Vater merkt' es nicht,
^ Der, ein sehr geschickter Kaufmann,
I Mit dem Himmel Handel trieb.
Denn er sagte: „Lieben Kinder!
Seht! es lebten heilge Christen,
Welche mehr des Guten thaten,
Als der Herr für's HimmelreichFordert; von dem Neberschusse,
Der mir übergeben wurde,
Könnt und sollt ihr nun für eureSünden Ablaß euch erkaufen.
Viele thaten's; Rom ward reich.
Doch es rührte sich im Volke:
Huß erschien, dann Martin Luther,Der den Unfug seines PapstesDurch das EvangeliumKlar bewies. Der Vater zürnteDiesem Frevler, und des BannstrahlsBulle sprach zu Martin Luther,
Der als Antwort sie verbrannte,
So der Eckstein ward der Hölle,
Denn der Geist gehört der Hölle!Ging es so doch einst —> doch stille!Doctor! Hast du mich verstanden? "In Gedanken tief versunkenRuhte Nostradam' im Sessel.
Diese Antwort ward dem andern:„Alles, was du da gesprochen,Wanderte durch meinen Geist,
Ich verstand es, wie das ReineDurch Verwandlung oft getrübt wird;Aber eines blieb mir unklar.
Und dies eine ist wohl alles."
Jener sagte: „Ihr Gelehrten,Wenn ihr mal bescheiden seid,
Nennet alles, was ihr wisset.
Nichts, und jenes, was noch fehlet,Alles; habt ihr dies erforscht.
Werft ihr'ö wiederum zum Nichts.Nun! dies eine? "
Wie Jehovah
Der Propheten Wort erfüllet,
Jesum Christum, seinen Sohn,
In die Welt gesendet hat.
Meinest du, daß der GeschichteStudium uns älter macht,
Armer Teufel, ach so zahl' ichDoch nur sechzehnhundert Jahre,
Und zweitausend sind doch nöthig.
„ Nur gemach! nicht ungeduldig!l Kann das Kindlein doch nicht warten,Bis es in das ruhzerstöreud,
Ihm so unbekannte AlterTreten darf."
„Sei ruhzerstöreud,"
> Fiel in's Wort ihm Nostradamuö,