Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
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673
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langt hatten, bis sie über diesen Punkt neueInstruktionen eingeholt haben würden.

Nach den klaren Worten des Traktats las-sen sich bedeutende Zweifel gegen die Aufrich-tigkeit entweder des Traktates, oder dieser De-monstration erheben und eben so befremdlicherscheint, daß die verbündeten Machte auf dereinen Seite Mehemed Ali als Vasallen derPforte anerkannt und bedingungsweise selbstseine Entfernung aus Aegypten ausgesprochenhaben, andrerseits aber, wenigstens thatsäch-lich , der Pforte die Befugniß, ihren Pascha ab-zusetzen, streitig machen. Indessen erklärt sichdies so ziemlich aus der eigentlichen Lage derDinge.

Die zeitweise Verbindung zwischen denvier Machten beruhet demnach auf sehr lockerenBanden. Rußland halt sich, nachdem es dieAllianz eingegangen hat, dennoch wiederumsehr isolirt von den übrigen drei Machten undverfolgt natürlich im Geheimen seine eigenenPlane.

Wie wenig auch in den öffentlichen Blat-tern davon verlautet, so versichern doch Rei-sende wie Privatnachrichten, daß in den Ha-fen des schwarzen Meeres eine bedeutende Ex-pedition vorbereitet wird, welche ein ansehn-liches Truppencorps vor der Hand in die Ge-gend von Scutari überführen soll, damit eszum nächsten Sommer gegen den Pascha vonAegypten gebraucht werden könne. Eben sobekannt ist, daß sich in Serbien die russischeund die österreichische Politik einander feind-lich gegenüber stehen. Unter solchen Umstan-den ist Mißtrauen unter den Verbündeten selbstziemlich natürlich und der Wunsch, die Dif-ferenzen in dem Oriente möglichst schnell undohne Rußlands Einschreiten zu einem leidli-chen Ende zu bringen, wird erklärlich.

Dem ist es wohl zuzuschreiben, daß Eng-land , Oesterreich und Preußen den Umstand,daß Mehemed Ali nach der Aufforderung, sichdem Traktate zu unterwerfen, einen Friedens-botschafter an die Pforte gesendet hat, begie-rig aufgegriffen haben, weil dadurch aufs neuedie Möglichkeit einer Ausgleichung der strei-tenden Interessen gegeben war; sie sahen darinwenigstens eine Art der Unterwerfung unterden Traktat und dies ist unstreitig der Ge-sichtspunkt, von welchem aus die spateren Re-monstrationen der drei Machte gegen die Ab-setzung Mehemed Ali's zu betrachten sein möch-ten. Allerdings scheinen in Syrien vor derHand einige Erfolge erfochten worden zu sein,allein um selbst nur Syrien ganz zu erobernund zu besetzen, dazu möchten die gegenwärtigzur Verfügung stehenden Mittel wohl nicht

auslänglich sein. Dadurch allein schon würdeRußland das Recht, auch seiuerseits einzu-schreiten, erlangen. Dies aber scheint nichtin dem Wunsche der übrigen Machte zu lie-gen; dadurch erklärt sich ihre Neigung zu ei-ner friedlichen Ausgleichung der Sache, wiesie nur irgend etwa möglich ist, wenn nur diellelwrs gerettet werden.

Mehemed Ali seinerseits hat die, viel-leicht nur als Demonstration gebrauchte Dro-hung, gegen Conftantinopel vorrücken zu wol-len, nicht in Ausführung gebracht. Dagegenbemühet er sich, trotz der Abreise der Consulnvon Alerandrien und trotz der in Syrien ge-gen ihn begonnenen Feindseligkeiten, ange-legentlich um die Freundschaft Englands; ergestattet den für England so wichtigen Verbin-dungen mit Ostindien fortwährend den freienund gesicherten Durchgang durch Aegypten undscheint sich, weit entfernt von allen Offensiv-maßregeln , vielmehr auf der strengsten Defen-sive halten zu wollen.

Gewiß ist auch eine solche Haltung seinemInteresse und der Lage der Sache sehr ange-messen, weil sie versöhnliche Maßregeln noth-wendig erleichtern muß und ganz geeignet er-scheint, unreine friedliche Ausgleichung, diezuletzt so ziemlich wohl in dem Wunsche dermeisten Betheiligten liegen mag, herbeizu-führen.

Freilich muß man sich sagen, daß dadurchund durch die ungefähre Aufrechterhaltung des ^8tat>i8 <iuo im Oriente die orientalische Frage !selbst nichts weniger als gelöset, sondern viel- §mehr blos vertagt wird. Die eigentliche Wich- ^titzkeit und Schwierigkeit derselben liegt nichtdarin, daß, ob und wie sich Mehemed Ali der >Pforte unterwerfe, sondern sie muß vielmehr !in dem traurigen Zustande der Auflösung undder Machtlosigkeit der Pforte gesucht werden,die, ohne Vertheidigungsmittel, jeden Augen-blick Gefahr läuft, die Beute mächtiger und ^ehrgeiziger Nachbarn zu werden. So lange ^dieser Zustand fortdauert, so lange bleibt auch !die orientalische Frage schwebend und hängteiner Gewitterwolke gleich an dem HorizonteEuropas, die in jedem Augenblicke über das-selbe losbrechen kann.

Wie indessen die Sachen jetzt stehen, lebtdie Politik, ohne sich besonders um die Zu-kunft zu kümmern, mehr von Tage zu Tage.Die Staaten, alle mehr oder weniger verschul-det, scheuen insgesammt jeden Krieg, der ihreVerlegenheiten nur vermehren könnte und sinddaher stets geneigt, jedes mögliche Auskunfts- ^Mittel zu ergreifen, um den Friedenszustand, >solange es sich irgend nur thun läßt, zu er- ^

hatten. Darum glauben wir, trotz aller Rü-stungen und Demonstrationen, noch immer aneine endliche friedliche Ausgleichung unter denerzürnten Elementen, wenn sie auch dann derNatur der Sache nach nur eine Vertagung derFrage selbst sein kann.

Skizzen aus der Schweiz,

von

Alfred Montanus.

IV.

Einer der römischen Divisionsgenerale hatin einem schwatzhaften Augenblick eine Wetteeingehen wollen, daß in vier Jahren auch Lu-zern den Jesuiten gehören werde. Bei Gottund bei den Göttern, die den nervug rermulenken, ist Altes möglich. Das Ende des spa-nischen Successionskrieges macht große Sum-men der Kleinen und der Großen disponibel,und daß es mit den Jesuiten wirklich Ernstgelte, beweisen neue Erscheinungen zur Guüge;endlich sind Demokratien für Alles zugänglich.Es bedarf daher der höchsten Klugheit und Fe-stigkeit, dergleichen Plane allerwärts zu ver-eiteln. Bonden mehr fühl- als sichtbaren Aus-breitungsplanen der Jesuiten ist während derletztverstossenen Monate viel gesprochen wor-den; gegenwärtig suchen sie durch Missionendie Bevölkerung an ihren Anblick zu gewöhnen^ und auf diese Weise Wurzel zu fassen. Diei Weltgeistlichen sind ihnen dabei an manchenj Orten günstig und scheuen selbst unrechte Wege^ nicht, um jene Unternehmungen zu fördern.

So kündete kürzlich im Kanton Zug, wo> die Kirche eigentlich die Negentin ist und es! mit Hülfe der Jesuiten noch mehr zu werdenhofft, ein Pfarrer seiner Gemeinde eine solcheMission an, und als der bischöfliche Commis-sair ihn aufmerksam machte, daß dazu die Er-i laubniß des Landraths nöthig sei, brachteer^ nach einiger Zeit diese bei. Dem Commissair! fiel aber ein, daß unterdessen der Landrath sichnicht versammelt hatte; er hielt Nachfrage undüberwies den Pfarrer der Lüge. So in derDiöcese Soloth urn, deren Bischof, AntonSalzmann, nicht ins ultramontane, PapistischeHorn bläst. In der freiburger Diöcese dage-gen ertönt dasselbe um so lauter, da BischofTobias Janin ganz unter jesuitischem Einflüssesteht, den kürzlich eine Verbindung von Welt-geistlichen umsonst zu brechen versuchte. Freilichkann sich auch BischofSalzmann demselben nicht^ ganz entziehen , wie aus den Schritten zu sehen^ ist, die er kürzlich in Luzern gegen den frei-sinnigen Professor Fischer that. Als ein papi-