Band 
1840, Juli-Dezember.
Entstehung
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674
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siisches Blatt dessen Absetzung voreilig meldete,fügte es triumphirend bei, Luzern werde sichdoch noch zu dem einzig heilsamen Entschlüssebequemen und die Erziehung den Jesuiten über-lassen müssen. Damit nun steht die oben ge-nannte Wette im Zusammenhang.

Vom Zustande des tessiner StaatSle-bens, das an den schwersten Gebrechen leidetund zahllose Schulden der Vergangenheit büßt,reden die jüngsten Ereignisse laut genug. Her-vorgegangen aus dem erdrückenden Untertha-uenverhältniß zu den alten Kantonen, hat die-ser Staat, wie Thurgau, Aargau und in neue-ster Zeit Baselland, alle Mühe, das Regierenzu erlernen und es kommt dazu noch eine au-ßerordentliche Armuth, eine Rohheit und Un-wissenheit, wie sie in jenen paritätischen deut-schen Kantonen nicht bestehen können. Zudemgewinnen durch das heiße italienische Blut alleKämpfe der Parteien einen wilden, leiden-schaftlichen Charakter und die Sprache, wiedie hohe Alpenwand, sind gewaltige Hinder-nisse für den Verkehr mit den deutschen undfranzösischen Eidgenossen, während auf der an-dern Seite die gänzlich verschiedenen Staats-einrichtungen dem Tessiner eine wirkliche Ge-meinschaft mit dem lombardischen lind sardoni-schen Nachbar unmöglich machen.

V.

In Basel bespricht man seit einiger Zeitlebhaft die Frage, ob es für die Stadt gera-°then sei, daß sie die straßburger Eisenbahn,welche durch eine französische Gesellschaft bisnahe an die Schweizergrenze, nach St. Louis,d. h. dicht vor die Thore Basels, geführt ist,bis in die Stadt herein vollenden wolle. DieFreunde dieses Unternehmens machen geltend,daß der Verkehr der Stadt sehr gefährdet sei,wenn eine Viertelstunde von ihr, am Ende derBahn, Gasthöfe und andere Gebäude empor-stiegen. Käme dazu noch eine Brücke bei Hü-ningen, die von der französischen Regierungbis jetzt aus militairischen Gründen untersagtist, die nun aber aus überwiegenden ökonomi-schen für das Elsaß wünschenswert!) und er-laubt werden könnte, so wäre der Weg geöff-net, woraus der Zug der Reisenden und derWaaren Basel umginge.

Dagegen werden geltend gemacht zunächstdie bedeutenden Kosten, die für diese kleineStrecke eine Million Franken betragen würden,weil sich eine neue Gesellschaft eigens dafürbilden müßte, wogegen , wenn früher oder spä-ter die elsassische Gesellschaft jene Fortsetzungbeschlösse, sie dasselbe mit weit geringeremAufwand bewirken könnte. Sodann wird an

die Zollplackereien der französischen Grenze er-innert, die eine ungehemmte Benutzung derBahn verböten, wodurch die ökonomische Fragenoch weit beachtenSwerther erscheint. Was dieBefürchtung anlangt, daß Basel aus die obengenannte Weise einen Theil seines Verkehrsverlieren könnte, so ist dieselbe nicht unge-gründet, wofern sich die Verhältnisse so gestal-teten, daß etwaige Unternehmungen in St.Louis ausdauernde Erfolge zu rechnen hätten;allein die Ausschließung Basels und überhauptdie Abschließung der Bahn in St. Louis sindso unnatürliche Verhältnisse und zugleich istSt. Louis durch seine Lage so wenig zur Riva-lität mit Basel begünstigt, daß früher oderspäter letzteres doch in seine angebornen Rechteeintreten muß und in dieser Voraussicht Nie-mand große Summen an Gebäude in St. Louiswagen wird. Die natürliche Verbindung be-nachbarter Orte, die wir hier aus künstlicheWeise gestört sehen, war es nicht zu allen Zei-ten : die Freundschaft der Städte des Elsassesmit der Schweiz, das Bündniß Mühlhausensmit der Eidgenossenschaft und der zürcher Hir-sebrei sind bekannte Sachen, denen freilich inder Gegenwart wenig mehr entspricht, da sichdie Schweiz in ihrer Politik und in ihrenGedanken von den Nachbarn gesondert hat.Doch ist die alte Freundschaft noch nicht ganzvergessen und es mag als ein Zeichen davonhier angeführt werden, daß die m ü hlhau -ser Chronik, welche auf Kosten der StadtMühlhausen kürzlich herausgegeben wurde, derbaseler Regierung in zwei Eremplaren als Ge-schenk der Nachbarin zugekommen ist. DerVerfasser jenes Geschichtswerkes ist HeinrichPetri, der aus einer angesehenen und gelehr-ten baseler Familie stammte und als Bürger-meister von Mühlhausen um die Mitte dessiebzehnten Jahrhunderts daselbst starb.

VI.

In einer der letzten Sitzungen des Groß-rathes von Zürch erfolgte die Vorlage zahl-reicher Petitionen. Die Bürger von circa sech-zig Kirchgemeinden bitten um genügende Si-cherheit in Verfassung und Gesetz, dem christ-lich gesinnten Volke zur Beruhigung, und daßdie Verfassung in dem Sinne gelte: Landesre-ligion sei die Religion nach der Bibel aus demgeoffenbarten Worte Gottes, wie die heili-gen Bücker eS enthalten. Sie bitten ferner,daß das Seminar eine religiöse Pstanzschulewerde, daß man Männer in den Erziehungs-j rath wähle, denen nicht nur das zeitliche, son-dern das ewige Wohl des Volkes am Herzenliege. Anch solle man alles Ernstes dahin wir-

ken , daß ein biblisches Spruchbuch eingeführtwerde. Nachdem diese gottesfürchtige Petitionfür erheblich erklärt worden, kamen die Wein-bauer und Bierbrauer mit feindlichen Bataillo-nen von Bittschriften aufgezogen. Die erstenverlangten, daß auf alte Erzeugnisse des Aus-landes, die ersten Lebensbedürfnisse ausge-nommen, ein Einfuhrzoll gelegt, daß entwe-der auf freien Verkehr im Innern der Schweizgedrungen oder den die zürcher Products be-steuernden Kantonen Gegenrecht gehalten, daßBierpatente eingeführt und der Detailhandelmit Wein freigegeben werde. Auch diese Pe-titionen werden von der Versammlung für er-heblich erklärt und dem Regierungsrath zuge-wiesen.

Bekanntlich wird im Kanton Zürch nichtnur das pädagogische und religiöse Element,sondern auch die Bierfrage ziemlich lebhaft be-sprochen und da dieselbe auch für DeutschlandsPhilister und Studenten wichtig ist, darf wohletwas Näheres davon hier mitgetheilt werden.Der Weinbau ist für einen sehr großen Theildes Kantons Zürch die Haupterwerbsquelle,ja er ist in demselben, wie in einigen ver-wandten Kantonen, der wichtigste Theil derLandwirthschast, er giebt vielen TausendenNahrung, obwohl das Gewächs in der Regelnicht geräth und in vielen Gegenden so ab-scheulich ist, daß schon der Gedanke daran mitSchrecken erfüllt. Seil einigen Jahren nun,da der Verkehr viel lebhafter geworden ist,haben Viele für gut gefunden, lieber Bier zutrinken; große Fuhren kommen aus Schwa-ben, schwäbische und baierische Bierbrauer las-sen sich nieder und der Weinbauer sieht mitSchmerz und Trauer, daß sein mühsames Er-zeugniß immer weniger Abnahme findet. Alsomuß man die Leute zwingen, daß sie nichtmehr so viel Bier trinken, man muß eine hoheSteuer darauf legen, die es theuer macht,dann bekehren sich wieder Viele zum Wein.Ein Spaßvogel meint daher: lieber auch gleichdas Wasser besteuert, das auch jeden Tag mehrLiebhaber findet unv von vielen Aerzten alsdie beste Arznei verordnet wird. Andere kom-men mit ernsthaften Gründen gegen die Bier-steuer, z. B. ob man ein freies Volk zwin-gen wolle, statt eines gesunden, schmackhaftenBiers, schlechten, verderblichen Wein zu trin-ken, oder gar Schnaps, der aus MenschenThiere macht? ob es nicht besser für den Wein-bau wäre, man risse die Reben heraus anden vielen Orten, wo sie keine Sonne haben,pflanzte Gras, Korn oder Obstbäume, wobeidie Arbeit geringer, der Gewinn sicherer istund wäre dann um so fleißiger hinter den bes-