o
Von dieser Zeitschrifterscheinen wöchentlich2 Nummern oder2 Druckbogen. AlleZusendungen werdenmit der Bezeichnung:„An die Reda-ction des Piloten"unter Adresse derBuchhandlungE. F. Steinacker inLeipzig erbeten.
Allgemeine Revue der einheimischen und ausländischen
Literatur-«»- VEerzustän-e.
Herausgegeben von -er Nedaetion-es Freihafens.
Man abonnirtaufdenPiloten für den jährlöchcn PränumerationS-preiz von 8 Thlr.,halbj. mit 4 Thlr.,Viertels, mit 2 Thlr.Pr. Cour. bei allenwohllöbl. Postämter»wie in jeder solidenBuchhandlung. Inse-rate werden gegen Ver-gütung von I Gr. fürdie Petitzcile aufge-nommen, Beilagenmöglichst billig be-rechnet.
UZ 73.
(Ausgegeben am 10. December 1840.)
Verlag von I. F. Hammerich in Altona
L84«
^ Druck von B. G. Teubner in Leipzig.
Inhalt: Das deutsche Bankwesen— Briefe aus Preußen. III. — Gedicht von v. Sallet. — Aus Leipzig: Ole Bull. Das Rheinlied. Das Kartoffel-
Jubiläum. —- Tageszettel.
Das deutsche Bankwesen.
So weit wir auch das Bankwesen über-haupt in der Geschichte bis zu seiner erstenEntstehung hinauf verfolgen mögen, immergewahren wir, wie dasselbe mit dem Handelund der Industrie in dem engsten Zusammen-hange steht, mit'beiden sich weiter entwickeltund. aufblüht und mit ihnen auch wieder ver-fallt. Natürlich müssen sich Handel und Indu-strie bis auf einen gewissen Punkt erst entfal-tet haben, ehe das Bankwesen entstehen kann.Es gehört dazu schon eine gewisse Kenntnißdes Geldwesens und des Geldumlaufes, die,wenigstens in der ersten Entwickelungsperiodeder Völker, bei der Masse nicht vorhanden seinkann, sondern erst vermittelst des Handels undder Industrie in derselben entwickelt werdenmuß. Dazu aber gehört Zeit. Es wird wei-ter, in dem Kindesalter des Handels und derIndustrie, das Bedürfniß solcher Anstaltennoch nicht gefühlt. Die Umsätze sind gering,das baare Geld reicht dazu hin und der grö-ßere Credit hat sich noch nicht ausgebildet.Aus diesen Umständen erklärt sich, warum sichder Handel und die Industrie eines Volkes bisauf einen gewissen Punkt bereits entwickelt ha-ben müssen, ehe Bankanstalten entstehen.
So wie sie entstanden sind, treten sie auchmit dem Handel und dem Verkehre in die engsteVerbindung. Doch war es in früheren Zeitenwenigstens scheinbar weniger das Bedürfniß
des Verkehrs, als das Staatsbedürfniß oderandere Bedrängnisse, welche die erste Veran-lassung zu der Errichtung von Bankanstaltengaben. Es ist bekannt, daß die ersten euro-päischen Bankanstalten, die von Venedig undGenua, errichtet wurden, um der Finanznothbeider Staaten, die das zusammengebrachteCapital an sich nahmen und ihren Gläubigerndas Recht gaben, gleichsam als ob es nochvorhanden wäre, damit Bankgeschäfte zu ma-chen, abzuhelfen. Wir wissen weiter, daß imJahre 1609 zu Amsterdam, im Jahre 1619 zuHamburg und im Jahre 1621 zu Nürnberg,Bankanstalten errichtet wurden, um bei dendamaligen in der Kipper- und Wipperzeit ganzzerrütteten Münzzuständen, für den Handel imGroßen ein gutes und richtiges Geld zu erhal-ten. Ein im Jahre 1694 von der englischenRegierung begehrtes Darlehn von 1,200,000Pf. Sterling gab Anlaß zu Begründung derBank von England durch William Paterson.Aber in diesen Fällen war" schon das Bedürf-niß des Handels mit in Wirksamkeit und es istbesonders in Bezug auf England bekannt, daßPaterson schon früher einen Entwurf zu Grün-dung einer solchen Anstalt gemacht hatte undnur die damit zusammenfallende Verlegenheitder Regierung benutzte, um ihn geschwinderdurchzusetzen und bessere Bedingungen zu er-langen.
Seit dieser Zeit sind in vielen LändernBanken entstanden, theils, weil die Bedürf-
nisse des Handels und Verkehrs sie wirklich er-heischten, theils, weil man auch da, wo sichdas Bedürfniß noch nicht herausstellte, durchAnlegung solcher Anstalten Handel und Ver-kehr emporzubringen, wohl auch den Ackerbaudamit unterstützen zu können glaubte, oder inBedrängnissen sich Geld schaffen wollte. Dieverschiedenen Bankanstalten hatten, je nachden verschiedenen Zwecken, die sie erreichensollten, auch verschiedene Schicksale. Wennder zuletzt angegebene Zweck damit verbundenwar, so endigten sie überall damit, den Staatmit Papiergeld zu überschwemmen, welchessehr bald entwerthet wurde und die größtenNachtheile in seinem Gefolge hatte.
Wo aber wirklich das Bedürfniß des Han-dels und der Industrie sie hervorgerufen hatte,wo diese emporblühten, da blühten, wenn auchmit manchen, durch außerordentliche Umständeveranlaßten Störungen, die Bankanstalten em-por und sie konnten, bei der Anwendung rich-tiger Grundsätze, auch von dem Staate zuhöchst wichtigen Zwecken benutzt werden.
In den Ländern, wo sich Industrie undHandel am meisten emporschwangen, hatteman bald an einer Bankanstalt nicht mehr ge-nug. Es wurden deren immer mehrere errich-tet und die Speculation warf sich endlich inEngland und Nordamerika, wo die Erlaubnißzu Errichtung einer Bank nicht schwer zu er-halten ist, auf diesen Geschäftszweig, so daßgegenwärtig in Nordamerika die Zahl der