II
Lehren.
Menschen zur Ehre gereichen, welchen wirVerbunden sind ihnen zu geben. Diese Er-kenntlichkeit , die wir ihnen schuldig sind,ist um so viel gerechter, weil sie insgemeinihre ganze Belohnung ausmacht. Der Ei-gennutz und der Neid berauben sie fast al-lezeit aller anderer Vortheile, die sie ver-dienen; aber ihr erhabener Geist macht,daß sie dieselben mit Recht als etwas nie-driges gegen dem Ruhme ansehen, den sieallein suchen. Dieser obwohl späte Ruhm,rächet sie endlich an der Ungerechtigkeit derMenschen mit Hülfe der Zeit, die nichtsals ihm verschonet.
Aber es ist noch schöner ein Philosoph zuseyn, werther Aristes: das ist eine Wahr-heit , die dir neu und seltsam vorkommenwird; die Erfahrung wird dich dieselbe leh-ren. Mit den wunderbaren Gemüths-Gaben, die die seltenen Männer ausma-chen, von denen wir reden , kau man dochein Selave seiner Leidenschaften seyn; be-wunderungswert!) in der Ferne, und ver-ächtlich in der Nähe; die Welt durch dieErfindungen seines Geistes in Bestürzungsetzen, und durch sein lasterhaftes Herz är-gern
Es giebt wenig Leute, auch selbst unterden Vollkommensten, die einen genauenUmgang aushalten, ohne dadurch etwas
von