LQ Freundschaftliche
wartet eine Belohnung, die nicht allezeitfolget; und entrinnet oft der Strafe, dieman verdienet. Nur ein GOtt kau Ge-setze geben, und zu gleicher Zeit durch ihreBeobachtung selbst belohnen, und durch dieUebertretung derselben strafen.
Man kan nicht sagen, diese Belohnungund diese Strafe seyen gering. Alle Gü-ter der Welt sind dem Zeugnisse eines rei-nen Gewissens nicht zu vergleichen ; unddas Nagen eines bösen Gewissens ist einePein, die noch die Strafe der Laster-Thatverstärket. Man sollte erröthen, das Ge-gentheil zu sagen; man muß den beklagen,der anders denket, daß er von dieser allge-meinen Regel ausgenommen ist, ohne diees schwehr ist, nicht irre zu gehen: manmuß ihn förchten, weil er durch dieses mn-wendige Gesetz nicht zurücke gehalten wird,und daher der größten Uebelthaten fähigist.
Man kan in keiner Sicherheit mit dem-jenigen leben, der sein Gewissen nicht förch-tet. Er ist von dem ehrlichen Manne desPlato und des Cicero weit entfernet, derkeine böse That begangen hätte, wenn sieauch schon den Göttern hätte sollen verbor-gen bleiben.
Mißtraue, mein Freund! überhaupt al-len denen, denen die Tugend zu viel kostet,
oder