Z4 freundschaftliche
ich dir gezeiqet, und davon ich dich zumMuster erwählet; aufs wenigste frage sieum Rath/ ehe du den Eindrucken folgest,die nun» dir zu geben suchet. Das gering-ste Nachsinnen wird dich vor dem Fallstri-cke, dcn man dir leget, und vor dem Ab-grunde, in den du fallen würdest, bewah-ren.
Es sollte uns genug seyn, daß einer su-che das Laster mit den Tugenden zu ver-mengen, um ihm unfern Glauben zu ver-sagen. Wenn man nur ein wenig nachsin-net, so kan man wohl denken, es könne kei-ne Gleichheit zwischen Dingen seyn, derenBegriffe und Namen einander so entgegengesetzt sind.
Wenn man saget, die Laster seyen insge-mein nichts anders, als der Mißbrauch derersten Grund-Regeln, daraus die Tugen-den entspringen, so beweiset man ihreGleichheit nicht: man zeiget im Gegentheilihrer» Unterscheid und Widerspruch. DieHäußlichkeit ist eine Tugend, der Geitz einLaster: auf gleiche Weise verhalt es sich mitder Freygebigkeit und der Verschwendung;mit der Tapferkeit und der Wildheit; mitder Stille und der Trägheit. Man mußsagen, das Laster fange da an, wo die Tu-gend aufhört»
Andere