Lehren, 4Z
chellMe, die unsere Begierden anstatt zudämpfen, vielmehr erwecken. Der Ehr-geitz, der Ruhm, und insonderheit die Lie-be sind von dieser Art: die letzte ist die ge-fährlichste; sie ist heftiger, reißender, ange-nehmer: und sie kommt mit unserer Naturbesser überein, als die andern.
Diese Leidenschaft kan nicht deutlich er-kläret werden, wegen der Menge der Vor-würfe, die sie hat, und der Verschiedenheitder Begriffen, die man sich davon macht:ein jeder redet davon auf eine besondereArt.
Es ist mir leid, daß ich niemahls einevon den Sinnen unabhängliche Liebe begrei-fen können: Diese reine und metaphysischeLiebe, mit der die Romanen angefüllt sind,scheinet mir eine blosse Erdichtung. DerLiebhaber in dem kattor 660. der so voll-kommen scheinet, wünschet Vieles, obwohler wer,ig hoffet, und nichts fordert. Ichglaube fast, daß die, die diese erdichteteLiebe so hoch erhoben, nur unter derselbenihre wahre Absichten verbergen wollen, umdie desto leichter dazu zu bewegen, die dieSchamhaftigkeit zurücke gehalten hätte. ESmag seyn wie es will, der beyderseitsReiz der zwey Geschlechter ist der Grund