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Freundschaftliche Lehren / aus dem Französischen übersetzt
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Lehren. 65

Man muß beyzeiten anfangen, seine Seelean die Freuden zu gewöhnen, die derselbenanständig sind, wenn man die Früchte da-von in seinem Alter, welches die Zeit unse-rer Schwachheiten ist, einernden will.

Da6 Studieren, die Wissenschaften, dasNachsinnen allein, setzen den Menschen inden beglückten Stand, wahre und vollkom-mene Freuden zu gemessen. Wenn mannur ein wenig mit andern Umgang hat, svwird man bald zur Schande seines Ge-schlechts wahrnehmen, daß die Munterkeitdes Gemüths, der gute Humor, die An-nehmlichkeit des Lebens, mit dem, wasman Freude nennet, verschwindet. Manmuß sich nicht einbilden, daß ihr Abneh-men uns zu andern Freuden führe, oderdaß es noch in unserer Gewalt stehe, dieFreuden zu ändern : matt ist durch die Ge-wohnheit an sie gebunden; man verspühretNichts als die Last seiner Fessel, ohne daßman weiß, wie man dieselbe brechen, oderihr Gewicht erleichtern könne.

Man würde sich fast betriegen, wennman glaubte, daß nicht alle Seelen dieserreinen Freuden fähig seyen, die grosse HülfS- .Mittel in unserm Leben sind: wir werdenalle mit wenigem Unterscheide durch disgleichen Dinge gerühret.

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