zc-4 Freundschaftliche
gegen sie trägst. Aber glaube nicht, daß esnichts als Laster gebe: Diese Meynung istvielleicht gefährlicher, als die andere, daßes gar keine Laster gebe.
Besreye dich Vvn dem Joch des Vorur-teils , welches der Grund unserer meistenBeurtheilungen ist. ' Suche vielmehr daszu sehen und zu kennen, was würkiich ist,als das, wovon man nur sagt, daß eswürklich feye; bedenke dich insonderheitwohl, ehe du etwas verdammest.
Als die Abgeordneten einer Stadt ausdem Römischen Reiche, an den Mus ge-langten, und bey ihm um seinen Schutz beyfeinem Vater Vespasian anhielten, antwor-tete er, er werde ihre Bittschrift untersu-chen. Apollonins, der zugegen wäre, dadie Abgeordnete» fort waren, fragte ihn,was er gethan hätte, wenn diese Stadt derAufruhr wider seinen Vater schuldig gewe-sen wäre. Was ich gethan hätte, erwie-derte Mus mit grosser Lebhaftigkeit: ichhätte in der Stunde die Aufrührer gestraft.So, antwortet der Philosoph, braucht Ti-tus Bedenk-Zeit, eine Gnade zu erweisen,aber keine zu strafen. - >
Wir finden in unserem Herzen Trost über !die Befreyung eines Schuldigen, aber nichtsfkan uns nach der Verurcheilung eines Un-schuldigen trösten: durch ein kluges Urtheil
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