76
I. Zeitalter der Kircheiitrenmmg.
9.
AMM des 1 MMN KriLAZwLStNZ.
Wie das adlige Minnelied, das in den Palästen und Burgender Fürsten und Herren erklungen war, in den bürgerlichen Meister-gesang, so wandelte sich das abenteuernde Nitterthum in das Kriegs-handwerk der Landsknechte um. An die Stelle der Stahlrüstung unddes Wappenrvcks hoch auf gepanzertem Rosse tritt zu Anfang des16. Jahrhunderts das luftige Wamms, die bäuerische Bewehrung undder ungezwungene, oft etwas linkische Anstand des Landsknechts; wiedenn jetzt auch im Schmied, im Schuster, im Weber, des GesangesKunst sich verherrlichte.
Im Jugendalter des germanischen Reichs war jeder Freie durchden Heerbann zum Kriegszuge verpflichtet, und diente in weitenFahrten dem Haupte der Nation — dem Könige oder Kaiser — ohneandern Lohn, als Beute. Diese ursprüngliche, naturgemäße Kriegs-verfassung endete allmählig mit der Entwicklung des Lehnwesens,welches hervorgegangen aus dem uralten Gesindegesolge, die adligenLehcnsiuhabcr zu Roß als Vasallen in den Streit ihrer Herren rief.Diese erstell Vasallen hatten wieder Vasallen, und solche Unterord-nung des Lehensverbandes befaßte zuletzt den ganzen Kern der Nation.Fußvolk gab es fast nicht, oder wurde nur gering geachtet; Armbrust-schützen kamen erst im 14. Jahrhundert auf. Die Vasallenunterord-nung knüpfte jedoch bald ein sehr loses Band zwischen dem Reichs-oberhaupte und dem Adel. Für größere Kriege reichte sie nicht mehraus, aber Kriegslust und Kriegsnoth blieben. Man mußte aufMittel bedacht sein, das Heerwesen durch und durch umzugestalten.
Da trat au die Stelle des dienstpflichtigen Ritters der Söldling.Fürsten und Stände gaben eine bestimmte, ihnen aufgelegte Schätzungau Geld, und die Kaiser fochten mit den Waffen zunächst adligerSöldner, welche ihre Marschälle und Kammerherren führten. Sieunterlagen aber meist in auswärtigen Fehden, während die Streit-lust des sich selbst überlassenen, fast aller gesetzlichen Verantwortlichkeitentronnenen Adels sich in Gaufehden, Wegelagerei und Gesellenrittenverzehrte. Kaiser Max, voll unermüdlicher Anschläge, mußte, ver-lassen von dem Adel seiner Erbstaaten, die neue Heerorganisationrasch betreiben, wollte er die Würde des Weltoberhauptes behaupten.Das Heer mußte aus der Nation genommen werden; er schuf diefrommen „Landsknechte" vom Lande, im Gegensatze des Gebirges(der Schweiz), nicht Lanzenknechte. Bedeutsam ist, daß in demselben