Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
JPEG-Download
 

98

I. Zeitalter der Kirchentrennung.

ders Doctor Johann Gropper, der wohl zuweilen ein Gastmahlveranstaltete, zn dem er die einflußreichsten Bürger einlud, um beieinem Glase Wein auf gute, alte, deutsche Weise, das was ihm ammeisten am Herzen lag, auf die Bahn zn bringen. Zum Glück fürdie Jesuiten fand sich unter den Mitgliedern des Ordens ein gcbornerKölner, Johann Rhctins, aus patrizischer Familie, dem die Bursanamentlich anvertraut werden konnte. Aber nicht ohne strenge Beschrän-kungen geschah dieß: es ward den Jesuiten ausdrücklich verboten, inder Bursa ein klösterliches Leben einzuführen, wie es in ihren Kol-legien üblich war.

Eben damals faßten sie auch in Jngolstadt festen Fnß. Diefrüheren Versuche waren an dem Widerstände vornehmlich der jüngerenMitglieder der Universität gescheitert, die sich in dem Privatunterricht,den sie ertheilten, durch keine privilcgirte Schule beschranken lassenwollten. In dem Jahre 1556 aber, als sich der Herzog zu starkenConcessionen zu Gunsten der Protestanten hatte verstehen müssen,schien es den katholisch gesinnten Rathen dringend nothwendig, fürdie Aufrcchthaltung des alten Glaubens etwas Nachhaltiges zu thun.Es waren besonders der Kanzler Wigulcus Hund, ein Mann,der mit eben so viel Eifer in der Erhaltung, wie in der Erforschungder alten kirchlichen Zustände zu Werke ging, und der Gchcimschreiberdes Herzogs, Heinrich Schwigger. Durch sie wurden die Jesuitenzurückberufen.

Von diesen drei Metropolen nun breiteten sich die Jesuiten nachallen Seiten hin aus.

Von Wien zunächst über die österreichischen Länder. Ferdinand I.brachte sie bereits im Jahre 1556 nach Prag, und gründete ihnendaselbst ein Pädagogium, vorzüglich für die adlige Jugend. Erschickte selbst seine Pagen dahin, und wenigstens bei dem katholischgesinnten Theile des böhmischen Adels fand der Orden Wohlwollenund Unterstützung. Einer der bedeutendsten Männer in Ungarn wardamals Nikolaus Olahus, Erzbischof von Gran. Sein Vaterhatte ihn in dem Schrecken über die Ermordung eines Woiwodcn ausseinem Hause der Kirche gewidmet, und auf das glücklichste war erbei dieser Bestimmung gediehen. Schon unter den letzten einheimischenKönigen bekleidete er die wichtige Stelle eines Gcheimschrcibcrs; seit-dem war er im Dienste der österreichischen Partei noch höher gestiegen.Bei dem allgemeinen Verfall des Katholicismus in Ungarn sah erdie einzige Hoffnung ihn zu behaupten in dem gemeinen Volke, dasnoch nicht völlig abgefallen war. Nur fehlte es auch hier an katholisch