Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchentrennung.

16. ..

SMmn der Mächtige.

Dm Gipfel seiner Herrlichkeit erreichte das Osmancnrcich inEuropa unter Suleiman denr Prächtigen.

Christliche Fürsten, wie Konstantin, Thcodosius, Ludwig IX. vonFrankreich, hinterließen ihren Nachfolgern weise Tugendlehren alsVermächtnis;; auch Suleiman's Vater, Sclim I., ließ seinem Sohnein solches Testament zurück. Wenn aber Ludwig IX. sagte: „Nichtsgefällt Gott so sehr, als das Schauspiel der Eintracht und des Frie-dens," — so war Selim's letzter Seufzer ein Kricgsruf: „Ich sterbezehn Jahre zu früh, wie viel bleibt mir noch zu thun übrig! Ichwollte Pcrsien vernichten, die Christen von Nhodus und Ungarn be-siegen, und mein siegreiches Schwert über die Donau tragen! Ichhinterlasse meinem Sohne meine Eroberungen, mit dem Auftrag, siefortzusetzen!" Diesen letzten Willen vernahm Suleiman und er er-füllte ihn treulich, denn sein ganzes Leben war Krieg gegen Christenund Perser, und nur der Tod entriß seiner Hand das Eroberungsschwert.

Kaum hatte er den Thron bestiegen, so schickte er einen Gesandtenan den König von Ungarn, um diesem Tribut abzufordern, den erzu beanspruchen nicht berechtigt war. Der türkische Gesandte wardhingerichtet. Suleiman, der nur einen Vorwand zum Kriege gegendie Ungarn suchte, erklärte, daß er die Ermordung seines Gesandtennicht unbestraft lassen werde. Er zog mit einem Heere von Stambulaus, belagerte und erobertcBelgrad, und der Fall dieses wichtigenPlatzes zog den mehrerer anderen Städten und Burgen an der Saveund an der Donau nach sich. Der Beherrscher der Gläubigen ver-wandelte die Domkirchc von Belgrad in eine Moschee, und zog dannim Oktober 1520, unter dem Zujauchzen des Volkes, wieder inConstantinopcl ein.

Durch die Einnahme von Belgrad hatte Suleiman die 1436von Mohammed II. vor den Wällen dieser Stadt erlittene Schmachgerächt; um die Ehre der osmanischen Waffen ganz wieder herzu-stellen, bedurfte es nur noch einer Züchtigung der Jvhannitcrrittcr,die 1480 den Eroberer von Byzanz und Griechenland siegreich vonNhodus zurückgewiesen hatten. Noch andere Gründe bestimmtenSuleiman zur Eroberung von Nhodus. Diese Insel war die letzteAnsiedelung der Christen in Asien, der vorgeschobene Posten desAbendlandes im Archipel; so lange die Ritter Herren derselben blieben,gehörte die Schifffahrt auf dem mittelländischen Meere den christlichen