Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Suleiman der Prächtige.

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Nationen, und Suleiman mußte beständig einen neuen großen Er-oberungszug Europa's gegen Palästina, Syrien und selbst Egyptenbefürchten. Indem der Sultan den Rittern Rhodus entriß, ver-nichtete er, wie er sich selbst ausdrückte, einen Krebs im Herzen seinesReichs, versicherte sich eines wichtigen Verbindungspunktes zwischenStambul und Kairo, und sicherte außerdem die Freiheit des osma-nischcn Handels und den sich nach Mekka begebendcn syrischen Pilgerneine ungestörte Reise. Der Zeitpunkt, den Suleiman zu seinem Un-ternehmen wählte, konnte nicht glücklicher sein; denn in Folge derdurch die Reformation in ganz Europa entstandenen Gährung undder blutigen Kriege zwischen Karl V. von Deutschland und Franz I.von Frankreich konnte von einer Unterstützung der Ritter aus demAbendlande nicht die Rede sein. Ihren eigenen Kräften überlassen,konnten die Johannitcr Suleiman nicht besiegen.

Von dem Sultan aufgefordert, ihm die Insel zu übergeben,würdigte ihn der Großmeister keiner Antwort und bereitete sich zumWiderstände vor. Am 28. Juli 1522 erschien der Padischah an derSpitze von 200,000 Kriegern auf 300 Fahrzeugen jeder Größe vorRhodus; er führte 400 Kanonen mit sich. Unter seiner Regierungwar die osmanische Artillerie der der übrigen Staaten Europa's weitüberlegen; sie war eines der Hauptelcmentc seiner Erfolge vor Belgrad,vor Rhodus und bei der Eroberung Ungarns 1526. Das türkischeReich war damals in der Blüthe seiner kriegerischen Macht; es tratganz unter die Waffen, um 600 Ritter, unterstützt von 4000 Mannregulärer Truppen, zu besiegen. In der Kriegsgeschichte keines Volkesgibt es etwas, was mit der Vertheidigung von Rhodus im Jahre1522 zu vergleichen wäre, und der Großmeister l'Jsle-Adam hatsich in dem verhängnißvollen Kampfe zwischen dem Halbmond unddem Kreuze mit unsterblichem Ruhme bedeckt. Sechs Monate langwiderstanden die Ritter den gewaltigen Anfällen der Türken. DieBewohner der Insel und hauptsächlich die Frauen kämpften nebenden streitenden Christen. Eine griechische Frau sah ihren Gemahl,von Kugeln durchbohrt, auf den Wällen der Stadt hinsinken; vollerVerzweiflung ergreift sie ihre beiden jungen und schönen Töchter beiden Haaren, macht das Zeichen des Kreuzes über ihre Stirn, undnimmt ihnen dann das Leben, indem sie ausruft: „Jetzt, EngelGottes, werdet ihr nicht von unreinen Händen befleckt werden!"Dann hüllt sie sich in dem blutigen Mantel ihres Gatten, ergreiftsein Schwert, stürzt sich in das wildeste Kampfgewicht und stirbt denTod einer Heldin.

Schöppner, Charakterbilder. IN.

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