Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchentrenmmg.

nicht schützte, so glaubten sie auf seinen Befehl verfolgt zu werden.Aber Karl's Andenken bedarf es nicht, mit mehr Schmach belastet zuwerden. Es ist nicht erwiesen, daß die Blutbäder in der Provinz mitseiner Erlaubniß stattfanden, und bedenken wir, daß sie sich zu sehrverschiedenen Zeitpunkten ereigneten, und auf jene Städte beschränkten,wo bei den frühern Ausständen das Blut der Katholiken mit unnö-thiger Grausamkeit vergossen worden war, so müssen wir sie eherplötzlichen Ausbrüchcn der Volksrache, als einem allgemeinen vorbe-dachten Plane zuschreiben. Wie viel Opfer in allen jenen Städtenfielen, läßt sich unmöglich mit Gewißheit bestimmen. Unter denhugenottischen Schriftstellern gibt Perefix die Zahl zn 100,000, Sullyzu 70,000, Thuanus zu 30,000, La Popeliniäre zu 20,000, derberühmte Martprologist zu 15,000, Massen zu 10,000 an. Aber derMartyrologist befolgte ein Verfahren, welches uns in den Stand setzt,eine ziemlich wahrscheinliche Vermuthung zu fassen. Er verschaffte sichvon den Pastoren der Städte, wo Metzeleien stattgefunden hatten,namentliche Verzeichnisse der Personen, die umgebracht worden waren,oder von denen man doch glaubte, sie seien es geworden. Im Jahre1582 machte er das Resultat bekannt, und mit Ucberraschung wirdman vernehmen, daß er in ganz Frankreich nicht mehr als 786 Namenaufbringen konnte. Verdoppeln wir diese Zahl, so sind wir der Wahr-heit ziemlich nahe.

Noch bedarf die in vielen Geschichtsbüchern cursirende Lüge, derPapst habe aus Freude über die Hugenottcnvcrtilgung ein 4« I)6uiuabhalten lassen, einer Berichtigung. Die Nachricht von dem Huge-nottenmord war in derselben Form nach Rom gelangt, als wie siezuerst in den Provinzen verbreitet wurde: als sei die Maßregel durcheine Verschwörung gegen das Leben des Königs hervorgerufen worden,der Mord also rettende That gewesen'). Hiernach ist Grcgor's XIII.17 Vermi etwa mit den Glückwünschungsschreiben zn vergleichen, welchein unsern Tagen europäische Fürsten einem Regenten nach Errettungvon irgend einem Attentat darzubringen Pflegen. Ucberhanpt hatte,erwiesener Maßen, die Kirche an dem Hugenottcnmord so wenigAntheil, als an der Pulvervcrschwörung in England. Gerade einkatholischer Bischof, der edle Johann Hennuyer von Lisicux, nahmsogar gegen königlichen Befehl die Hugenotten seines Sprengels in

1) In Muret's Festrede heißt es^ 0 nootein ilirmi nieinorrwilom, c^nne prnr-vornm seäitivsoruin mteritu regeln » pravsenti eaeäis periculo, rognuin L perpetnseivilinin beUornin torniiäine liderrmt.