Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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I. Zeitalter der Kirchentrennung.

beschäftigt, als mit Tand und Eitelkeit, wurden so ergriffen von derliebenden Begeisterung, mit welcher er vom Reich und von der LiebeGottes predigte, daß sie gleichgültig gegen das Geschwätz der Welt,sich ganz aus ihr zurückzogen und sich dem Dienst der Kranken undArmen widmeten. Sie waren die ersten Mitglieder jenes wohlthätigenFraucnvereins, den Vincenz über ganz Frankreich verbreitete. Mittenim Wcltlebcn knüpften sich die Fäden dazu an, und spannen sich fortzu einem weiten Netz der Liebe, um alles Elend nnd allen Jammerlindernd zu umfangen.

Darauf trat Vincenz wieder seine Wirksamkeit im Hause Gondian, aber nicht sowohl als Erzieher, als um seine seelsorglichc Wirk-samkeit in größerem Maßstab auszudehnen. Nach wenig Jahrenhatte er an dreißig Orten der Familienbcsitzungcn Missionen gehalten,und überall erblühte als deren Frucht ein wohlthätiger Fraucnvcrcin.

Graf Gondi war General der königlichen Galeeren. Dadurchward Vincenz veranlaßt, sich der Gefangenen anzunehmen, welchedahin abgeführt wurden. Um seinem Eifer den freicsten Spielraumzu gewähren, bewirkte der Graf seine Ernennung zum ersten könig-lichen Almoscnier aller Galeeren. Als solcher ging Vincenz 1622nach Marseille. Der leibliche und seelische Zustand, in welchem erdie unglücklichen Sträflinge fand, erpreßte ihm Thränen. Dieseschwimmenden Kerker waren Wasscrhöllen, in denen Verdammte ver-zweifelten. Ausgestoßen von der Menschheit, hatten sie aufgehört,Menschen zu sein nnd lebten nur für Haß nnd Ingrimm, Fluch undLästerung. Auch Vincenz und sein linder Zuspruch ward Anfangsmit Hohn und Beleidigung aufgenommen. Er aber Pflegte die Kranken,legte Fürbitte bei den Ausschern für die Straffälligen ein, nnd wußtedurch tausend kleine Mittel seine Theilnahme für sie an den Tagzu legen.

Im folgenden Jahre setzte er dieselbe Thätigkeit zu Bordeaux fort,nnd da der Zustand der zu den Galeeren Verurthciltcn in den grausenGefängnissen von Paris nicht minder jammervoll als auf den Schiffenselbst war, so begab er sich auch in diese Hollen und machte denGrasen Gondi verantwortlich für die schauderhafte Verkommenheitan Leib und Seele, in welcher die Verbrecher dort schmachteten.Der Graf gab ihm die Vollmacht, Alles für die Milderung diesesunaussprechlichen Elendes zu thun, und unterstützt durch mitleidigeHerzen, miethete er ein großes Haus, worin er sie mit allen Er-leichterungen unterbrachte, welche ihre Lage erlaubte. Als eine pest-artige Krankheit unter ihnen ausbrach, schloß er sich mit ihnen ein,