Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Vincenz von Paula.

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der Oratvrianer und durch die Einführung der Barfüßer-Karme-litessen in Frankreich so große Verdienste erwarb, daß der Kardinals-hut ihn belohnte, und stellte sich mit unbedingtem Gehorsam unterdessen Leitung. Die Kongregation der Oratvrianer war bereits imJahre 1564 vom heiligen Philipp von Neri in Rom gestiftet,um junge Geistliche zu erziehen und sich in allen Werken der christ-lichen Barmherzigkeit zu üben. Abbe Berulle verpflanzte sie nachParis (1611) und hatte dabei einen Hauptzweck, zu guten Lehrernund Missionspriestcrn seine Zöglinge zu bilden. Vincenz lebte einigeZeit im Hause der Oratvrianer, dann als Almoscnier der KöniginMargarethe! von Navarra, dann als Landpfarrer bei Paris — überallwo Abbe Berulle für gut fand, ihn hinzustellen. So kam er 1613in das Haus des Grafen Emanuel von Gondi als Kaplan undErzieher von dessen Söhnen.

Im großen und glänzenden Hause Gondi lebte und wirkte Vincenzwie ein stiller, wohlthätiger Geist, der auf alle Hausgenossen einenmilden frommen Einfluß übte. Die Gräfin, deren Seele ohnehinschon den himmlischen Dingen zugewendet war, schätzte sich glücklich,durch ihn an der Heiligung ihrer Seele und der Rettung Andererbesser als bisher arbeiten zu können.

Auf ihren und ihres Mannes großen Besitzungen wirkte Vincenzals Seelsorger so segensreich, daß dadurch erst recht das Bedürfnißdes armen Landvolks zum Vorschein kam, gründlich in seinem Glaubenunterrichtet zu werden.

Nach seinen eindringlichen Predigten kamen die armen Landleutein Schaareu herbei, um ihre Gencralbcicht ihm abzulegen, und dann,wiedergeboren in der Gnade, ein neues Leben zu beginnen. ImJahre 1617 auf dem Gut der Gräfin Follevillc, war der Zudrangso groß, daß zwei Jesuitenvätcr aus dem Kollegium des benachbar-ten Amiens zur Aushülfe kamen. Die Gräfin setzte sogleich einKapital von sechzehntausend Livres aus, von dessen Renten alle fünfJahre auf ihren sämmtlichen Besitzungen Missionen gehalten werdensollten. Von welcher Ordcnsgcscllschaft und in welcher Zcitfolge siestatt zu finden hätten, überließ sie der Einsicht des „elenden undarmseligen Menschen" — wie sich Vincenz nannte.

Während seiner fünfmonatlichen Pfarrvcrwaltung der gränzen-los verwilderten Gemeinde zu Chatillon that sein apostolisches Lebenvoll Barmherzigkeit, Eifer und Weisheit wahre Wunder der Be-kehrung an Priestern, Laien und Ketzern. Zwei Frauen unter andern,mit Allem ausgestattet, was die Welt Glück nennt und mit nichts