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I. Zeitalter der Kirchmtrenmmg.
den ein Haus hart am Walle anzünden lassen; wie aber der Brandan einer andern, davon entfernten Stelle entstanden, ist zweifelhaftgeblieben und von Mehrcrn der Verzweiflung der Bürger bcigemessenworden. In dieser Verwirrung überließ sich der wüthende Soldatungezügelt jedwedem Gelüste der Habsucht, der Rache, der Wollust.Raub, Mord und Schändung wurde in den Häusern, in den Kirchen,auf dcit Straßen verübt. Die Kunde von der Eroberung Magde-burgs setzte das an so viel Gräßliches gewöhnte Geschlecht in dumpfesErstaunen. Außer denen, die in den Häusern verbrannten, sollenüber 20,000 Leichen theils begraben, theils in die Elbe geworfenworden sein. Die Stadt war ein Schutthaufen; nur der Dom, zudessen Rettung die kaiserlichen Befehlshaber ihre Leute antrieben, dasFraucnklvster und hundert und neun Fischerhütten an der Elbe ent-gingen dem Feuer. 0
Am dritten Tage ritt Tilly durch die rauchenden Trümmer,und ließ unter Trommclschlag Quartier ausrufen. An der Thür derDomkirche trat ihm ein alter Geistlicher, der Dompredigcr Bak, miteiner Menge Menschen, meist Frauen und Kindern, welche zweiTage und Nächte ohne Nahrung zugebracht hatten, mit den WortenVirgil's entgegen:
Veuit summa llies et ineluetubile tsmpusOarüaniae. bRiinns Lroes. ikuit lUniu et in^ensOloria llienvrorum.
Der General wiederholte die Zusage der Gnade und ließ unterdie halb Verhungerten Brod austheilen; dann besichtigte er die ge-fangenen Soldaten und schalt sie aus, daß sie sich nicht besser ge-wehrt, und von der Stadt das Unglück nicht abgewendet hätten.In der That war der Untergang Magdeburgs auch für den Sieger,der auf einen Waffenplatz und Stützpunkt an der Elbe gerechnethatte und statt dessen eine öde Brandstätte fand, ein harter Verlust.Mit Schmerz sah er seine früher gehegten Besorgnisse erfüllt undtraf nun Anstalten, die Ordnung wiederherzustellen, ließ die pappen-hcimischcn Regimenter, die bisher auf dem alten und neuen Marktegelegen waren, den Wall besetzen, und gab strengen Befehl, daßkeinem Einwohner mehr ein Leid zugefügt werden solle. Aber, wenn
t) Tilly, der anerkannt große Feldherr, soll den groben Unverstand gehabthaben, eine Stadt absichtlich zu zerstören, deren Untergang für ihn selbst der größteSchaden war. Welcher Schatze, welcher Geldsummen, welcher Hülfsmittel beraubteer sich, die alle durch den Brand vernichtet wurden! Mag man den berühmtenGeneral blutdürstig schelten; ihn „dumm" zu heißen, hat Niemand das Recht,