Tilly und Magdeburg.
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dieß früher geschehen Ware, dieGräncl, deren Andenken sich an seinenNamen geheftet hat, verhütet oder verkürzt haben würde, muß da-hingestellt bleiben; daß er an demselben Gefallen getragen, dasMorden und Brennen befohlen habe, wird aber durch alle Umständeund durch Tilly's ganze Sinnesart widerlegt. Es reicht hin, dieSchreiben, die er vorher an den Administrator, an den schwedischenKommandanten und an den Rath und die Bürgerschaft erlassenhatte, zu lesen, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß ein Feldherr,der an die Belagerten in solchem Tone geschrieben hatte, unmöglichzu seinen Soldaten gesagt haben kann, was nun auf seine Rechnungvon Mund zu Munde durch die Jahrhunderte geht: „Mordet undbrennet noch eine Stunde, dann will ich mich besinnen." >) Vonglaubwürdigen Zeitgenossen wird bezeugt, daß Tilly beim Anblickeder jammervollen Verwüstung, als er durch die mit Leichen bedecktenStraßen geritten, in Thränen ausgebrochen sei; aber diesen Feld-hcrrnthränen ist der Ruf der Thränen des Xerxes, des Scipto unddes Titus nicht zu Theil geworden.
„Grausam war das Schicksal Magdeburgs," bemerkt ein anderergroßer Geschichtschreiber unserer Zeit, „aber nicht gegen die damaligeGewohnheit. Man muß keinen allgemeinen Maßstab, weder anMenschen, noch Ereignisse, noch Thaten legen, sondern jede betrach-ten nach ihrer Zeit. Eine außerordentliche Grausamkeit ist eine solche,die ein einzelner Unmensch gegen die gewöhnliche Handlungsweiseder Mitlcbcnden begeht. Als eine solche hat man die ZerstörungMagdeburgs gebrandmarkt, aber mit Unrecht. Die Einwohner ver-schossen ihre letzten Patronen, ehe sie vvm Walle wichen; nach einemzweistündigen verzweifelten Kampfe hatte Pappenhcim die Fechtendenüberwunden. Der Bürger übernahm die Rolle des Soldaten, alsomußte er sich auch gefallen lassen, als bewaffneter Feind behandeltzu werden. Hiezu kommt, daß der Partcihaß damals eine fürchter-liche Höhe erreicht hatte. Dieses Magdeburg war bekannt als einealte Rebellin gegen Kaiser und Reich, als eine widcrspänstige Guclsin.Schon Kaiser Karl V. mußte vor ihren Wällen abziehen und erstzwei Jahre früher, unter Wallenstein's Kommando, Pappenhcimselbst. Unentschuldbar bleiben freilich die gegen Weiber und Kinder
t) Welches ist die erste Quelle dieser Worte d Kein gleichzeitiger Bericht, wederein katholischer noch dieselben. Sie stammen aus dem unzu-
verlässigen Buch: lo soläat suLüois, jedoch mit dem Zusatz: „wenn es wahr ist."Diesen Zusatz haben die Späteren weggelassen, Schiller aber hat dnrch seine nn-historischc Darstellung das Märchen Leim großen Publikum eingebürgert.
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