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I. Zeitalter der Kirchentrennung.
begangenen Scheußlichkeiten, aber dieser Vorwurf trifft nicht dieGenerale, nicht Tilly, nicht Pappenheim, sondern die menschlicheNatur oder vielmehr die Nohheit und Barbarei jenes Zeitalters."
Sollte es aber nach den Zeugnissen der Geschichte noch einesZeugnisses zu Tilly's Rechtfertigung bedürfen, so liegt das beste undschönste in seinem ganzen Charakter, sowie er von seinen Zeitgenossengeschildert wird. Der Hauptzug in demselben war ein unerschütter-lich fester katholischer Glaube, um den sich treu und uneigennützigsein Leben dreht. Im Gegensatze gegen die Sinnesart der Mehr-zahl seiner Zeitgenossen war er ein großartig kirchlicher Charakterim vollen Sinne des Wortes, der weder für Geld und Lohn, nochfür die Ehre dieser Welt, sondern allein für den Glauben stritt, derihn durchglühte. Die Tageszeiten des Breviers Pflegte er wie einPriester zu beten; reichte der Tag nicht aus, so nahm er die Nachtzu Hülfe. Nie unternahm er einen Angriff, ohne vorher sich vorGott niedergeworfen und gebetet zu haben, daß sein Wille geschehe.Seine Soldaten, denen er in jeder Hinsicht ein Vater war, pflegtenihn deßhalb den deutschen Josua zu nennen. Diesem inneren Lebenentsprach die Strenge seiner Sitten; er ist nie trunken gewesen, hatnie ein Weib berührt und vor der Niederlage bei Leipzig nie eineSchlacht verloren. Aber der Mann des Gebetes hielt unerbittlich dieZucht in seinem Heere aufrecht. Es wird berichtet, daß einst aufdem Zuge durch Oberösterreich nach Böhmen sechs wallonische Aus-reißer unter dem Galgen dem Henker entsprangen und von ihrenKameraden mit gewaffneter Hand in Schutz genommen wurden.Auf der Stelle griff Tilly, der eben gegenwärtig war, zehn der Auf-rührer, und unter diesen zufällig vier Edelleute, aus dem Gliedeheraus und ließ sie, so wie sie gebeichtet hatten, im Laufe von andert-halb Stunden aufknüpfen. So streng er im Dienste war und so sehrer die Irrlehre verabscheute, so mitleidig und barmherzig erwies er-sieh den Irrenden. Als nach der Schlacht am weißen Berge vieleHaupträdelsführcr des Aufruhrs, nncingedcnk, daß sie nach den Ge-setzen aller Zeiten und aller Völker den Hals verwirkt hatten, inunbegreiflicher Sicherheit in Prag blieben, war es Tilly, der demBlutgcrichte seine Opfer entziehen wollte, und der ihnen den Rath gebenließ, sich eiligst aus dem Staube zu machen. Er hatte heimlichenBefehl ertheilt, ihnen die Flucht zu erleichtern, und zu diesem Endeauch die Offiziere zurückgezogen, die jeden der Bethciligten bewachensollten. Daß diese letztem, wahrscheinlich aus Furcht vor der Ein-ziehung ihrer Güter, den Wink unbenützt ließen und nun dem Pein-