Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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II. Zeitalter Ludwigs M.

i.

Mich XIV.

Ludwig XIV. und sein Hof galteir lange Zeit den FürstenhäusernEnropa's als Vorbild. Unter ihm trat Frankreich an die Spitze dereuropäischen Bildung und behauptete durch Eroberungen, durch dieEntwickelung geistigen Lebens, durch den Glanz des Hofes, vorzüg-lich durch die vermöge der unbeschränkten Monarchie geschehene Ver-einigung aller Kräfte auf einen Punkt, gebieterisch das Uebergcwicht.Als der König den Thron bestieg, bedrohten feindliche Heere dieGränzen seines Reichs, in dessen Jnncrm Zwietracht vorwaltete.Aber durch Siege weckte er in dem Herzen seiner Unterthanen dasGefühl für Nationalruhm; er konnte, seit die innere Verwaltunggeordnet war, alle Kräfte nach Außen zur Verfolgung einer Politikverwenden, deren Gang er mit Klarheit und Sicherheit überblickte.Aus der fieberhaften Bewegung, welche durch die Zeiten der Frondehervorgerufen war, erkennte, sobald den innern Unruhen Schrankengesetzt waren, ein rasch sich entwickelndes geistiges Leben, für welchesParis und Versailles den großartigen Mittelpunkt gaben. Aus derSchule von Richelieu und Mazarin gingen gewandte Staats-männer hervor, als Schüler Condtz's und Turenne's glänztendie kriegslustigen Marschällc Frankreichs. Auf manchen Reisen be-gleiteten Bvilcau und der mit Corneille um den Preis ringendeRacine den König, der dem mit der Schärfe des Witzes geißelndenMoliore seinen Schutz angcdeihcn ließ und die berühmten Kanzel-redner und Kirchenmänncr Bossuct und Fünülon an den Hofzog. Von Versailles ging der, wenn auch mcistcnthcils nur aufEitelkeit beruhende, Sinn für Künste und Wissenschaften in die