Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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III. Zeitalter Friedrich's des Großen-

Interesse zu ziehen, obwohl Ludwig selbst an geistigen Genüssendurchaus keinen Geschmack fand. Die Pompadour wollte auch unterdie Ehrcndamen der Königin aufgenommen sein, wozu nur die Ge-mahlinnen der Prinzen und Pairs berechtigt waren. Der König be-willigte es, und der Tag der Einführung ward angesetzt. Die Cere-monie dabei war die, daß die Aufzunehmende von der Königin unddem Kronprinzen umarmt wurde, und sich dann auf einen Armstuhlniederließ. Die Königin war zu gutmüthig, um bei dem widerlichenGeschäft eine Miene zu verziehen, aber der Dauphin erlaubte sich,zur Belustigung des ganzen Hofes, den Muthwillen, indem er ihrdie Wange zum Kusse hinreichte, die Zunge über ihre Schulter hinaus-zurecken. Das Kebswcib ward wüthend, als man ihr den Schimpfhinterbrachte. Sie ruhte nicht eher, als bis der Prinz nach Meutonverwiesen ward, und die Bedingung seiner Rückkehr war eine öffent-liche Abbitte. Er erklärte in derselben bloß, er habe das nicht ge-than, was man ihr hintcrbracht; worauf sie erwiederte, sie habe esauch nicht geglaubt. Bald darauf verlangte sie, zu einer Dame duPalais erhoben zu werden, und es geschah. Seitdem hatte sie unr-einen Stuhl im Zimmer, auf dem sie sitzend den Stehenden Audienzertheilte, und hinter welchem ihr Haushofmeister, ein Ritter vomLudwigsordcn, stand.

Der französische Nationalcharakter zog diese Vorgänge in's Lächer-liche. Aber es bekam den Lachern schlecht. Mancher Spötter wan-derte für einen witzigen Einfall in die Bastille. Die Marquise bliebunumschränkte Gebieterin. Sie nahm Geld aus den Staatskassen,setzte Minister ein und ab, alle Personen, die den König zunächstumgaben, waren ihre Kreaturen, und durften nichts thun oder sagen,als was sie ihnen vorschrieb. Ludwig empfand diese Abhängigkeit,ohne den Muth zu haben, sich ihr zu entziehen.

Indeß strengte die Marquise ihre Erfindungskraft an, immerneue Zerstreuungen für ihn zu ersinnen. Sie erregte die Baulnst inihm: sie errichtete eine Porcellan-Fabrik in Vincennes (jetzt Scvres),sie bezahlte die Dichter und Musiker reichlich für neue Opern undSchauspiele, und übernahm selbst am Hofe Rollen in denselben, sieführte die jährlichen öffentlichen Kunstausstellungen in den Sälen desLouvre zur Ermunterung der Mäler und Bildhauer ein. Nebendiesem anständigen Zeitvertreib hielt sie es auch für nothwendig, fürLudwig, nach dem Beispiele der morgenländischen Fürsten, einen Haremanzulegen, der unter dem Namen Hirschgarten (pure uux eei48) eineFallgrube für ganz junge Mädchen wurde und eine Menge von