Der Hof Ludwig's XV.
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Opfern verschlang, welche, wenn sie der menschlichen Gesellschaftzurückgegeben wurden, Sittenverderbniß und Lasterhaftigkeit in der-selben verbreiteten.
Daß diese entsetzliche Verderbnis; des Hofes einen Umsturz her-beiführen werde, wurde schon damals von einzelnen Beobachtern ge-ahnt. Da aber die Staatsgewalt von ihren Militärmitteln schonungs-losen Gebrauch machte, blieb sie stärker als die unruhige Bewegung,welche hin und wieder zum Vorschein kam.
Die großen inneren Uebel, an welchen der Staatskörper litt,wurden durch den siebenjährigen Krieg nicht wenig vermehrt. Dadie Minister, die Feldherrn, die Admirale bloß nach der Gunst ge-wählt wurden, in der sie bei der Frau von Pompadour standen, sowaren sie sämmtlich auch nur Weiberhelden, unfähig, sich die Achtungund das Vertrauen der Männer zu verschaffen, an deren Spitze siestehen sollten. Fast alle ostindischen und amerikanischen Colonien derFranzosen wurden von den Engländern erobert. Der Unverstand,begleitet vom Unglück und von der Schande, wäre ein passendesSymbol des damaligen Frankreichs gewesen. Den schwersten Standhatten die Finanzminister. Einer nach dem andern ward abgesetzt,weil er aus dem schon ganz verarmten Volke kein Geld mehr hcraus-Presscn konnte.
Auf den schon Physisch und moralisch erschlafften König machtedas Unglück und die Schande seiner Nation keinen Eindruck mehr.Er sah selbst mit Gleichgültigkeit der. Tod seiner Gebieterin, derPompadour, herannahen, der am 15. April 1764 im 43. Jahre ihresLebens nach einer langen Abzehrung erfolgte. Sie erwartete ihnmit Ergebung und schien sich der Auflösung eines Lebens zu freuen,das von dem allgemeinen Hasse verfolgt wurde. In Paris hatte siesich ohne starke Bedeckung an keinem öffentlichen Orte sehen lassendürfen. Sie hinterließ ihren Verwandten Millionen; die Versteigerungihrer Mobilicn dauerte ein ganzes Jahr, und groß war die Mengeder seltensten Kunstwerke, Kostbarkeiten und Erfindungen der Ueppig-keit, welche dabei zum Vorschein kamen.
Der Tod der Pompadour veränderte aber nichts Wesentlichesin der Regierung, denn der Herzog von Choiseul, den sie znmPremierminister gemacht hatte, wirkte in ihrem Geiste fort. DerKönig hatte für nichts mehr Sinn, als für seine Ausschweifungen.Der Dauphin verfiel, zum Theil aus Gram über das unwürdigeLeben seines Vaters, in eine Krankheit, und starb am 20. December1765. Seine liebenswürdige Gemahlin, eine Tochter August's III-,