Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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III. Zeitalter Friedrichs des Großen.

Bildung neben einzelnen tüchtigen Gelehrten; Ueppigkeit und Armuth,Glanz, Elend; Freiheit und Sklaverei, leidenschaftliche Erregtheitneben der ruhigen Gleichgültigkeit der geknechteten Massen, die beieiner Veränderung zwar die Herrn, aber nicht die Herrschaft wechselnkonnten. Die Republik Polen stand längst als eine Ausnahme unterden übrigen Staaten da. Ueberall hatte das Königthum an Machtund Bedeutung zugenommen, in Polen war es zum Schattenthumerniedrigt worden. Ein europäischer Krieg hatte August II. gegenKarl XII. auf dem Throne erhalten; ein europäischer Krieg hatte dieErhebung August's III. aus dem sächsischen Hause entschieden; nichtsdesto weniger hatte man verabsäumt, die Wiederkehr ähnlicher Sce-nen unmöglich zu machen. Während des siebenjährigen Krieges hattendie russischen Armeen Polen znm Stützpunkte ihres Kampfes gegenFriedrich II. gemacht, sie blieben auch nach dem Frieden dort stehen,um noch einmal die Königswahl für einen russischen Günstling zuentscheiden. Während so die Spitze des Ganzen von äußerem Ein-flüsse abhing, stand es mit den ständischen Verhältnissen auch nichtbesser. Unter den slavischen Völkern hatte der Klerus niemals diefeste politische Stellung erlangt, welche ihn in den übrigen Staatenzum Vermittler zwischen der Krone und dem Adel machten. DieStädte, von dem Adel ihrer politischen Rechte beraubt, deutschenUrsprungs, auf den Landtagen nicht vertreten, gaben der Kronegleichfalls jene Stärke nicht, die in Westeuropa das Vürgerthum denKönigen und Fürsten im Kampfe mit dem Adel verliehen. Von1601—1768, wo erst dem Adel das Recht über Leben und Tod sei-ner Bauern gesetzlich genommen wurde, war zum Schutze der Letzte-ren , das heißt von 14—16 Millionen unter 20, kein Gesetz erlassenworden, die überwiegende Mehrzahl somit ohne gesetzlichen Schutz.In ähnlicher Lage befanden sich auch die Angelegenheiten der Dissi-denten, welche 1736 durch Reichstagsbeschluß von Aemtern undReichstagen ausgeschlossen worden waren, was früheren Verträgenund aller Billigkeit entgegen, zu großen Klagen der BedrücktenAnlaß gab.

Also glich Polen, wie der Primas von Polen, Erzbischvf vonGnesen, Lubienski, sich 1764 ausdrückte, damals einem offenen, vonStürmen zerrissenen Hause, ohne Eigenthümer, das im Begriffe ist,zusammenzufallen.

Unter solchen Umständen geschah es, daß der schwache Sta-nislaus Poniatowsky, ein Liebling der Kaiserin Katharina II-,auf den Thron gelaugte. Unter ihm hatten alle Parteien freies Spiel.