Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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III. Zeitalter Friedrichs des Großen.

der Premierminister war so schwach, nicht nur mit dem ganzenHose davon zu fliehen, sondern auch den Rebellen ihre Forderungenzu gewähren. Im December hob Struensee das aus dreihundertMann bestehende privilegirtc Corps der Leibgarde zu Pferde auf, undbeging dabei die Unklughcit, die Soldaten deßhalb mit Verlust ihresRanges anderen Regimentern einzuverleiben. Das Corps empörtesich daher und besetzte, während Struensee und der Hof in Friedrichs-borg waren, das Schloß zu Kopenhagen. Anstatt nun die Meutererdurch die zahlreiche übrige Besatzung der Stadt zu bestrafen, unter-handelte Struensee mit ihnen und bewilligte nicht nur das, was siedrohend verlangten, sondern er beschenkte sie auch uoch dazu.

Es hatte sich damals schon eine geheime Verschwörung gegenStruensee gebildet, deren Mitglieder nun nicht länger säumten, denverabredeten Schlag auszuführen. An der Spitze derselben stand dieStiefmutter des Königs, Juliane, eine Frau von bösartigem Sinne,die sich zurückgesetzt sah und ihren rechten Sohn, Friedrich, auf denThron zu bringen wünschte. Die eigentliche Seele der ganzen Verbin-dung aber war ein orthodoxer Frömmler, der ehemalige Kandidatder Theologie, Guldberg, der sich als Erzieher des PrinzenFriedrich das unbedingte Vertrauen der verwittwetcn Königinerworben hatte. Dieser Mann verband mit dem scheinbar demüthigenWesen eines strengen Pietisten, die Hinterlist und Gewandtheit einesabgefeimten Schlaukopses und den unbegränztcn Ehrgeiz eines herrsch-süctigen Menschen. Er haßte Struensee nicht nur als einen Aus-länder und Aufklärer, sondern auch als den einzigen Mann, welcherder Befriedigung seiner Herrschsucht im Wege stand. Da er selbstzur Ausführung nicht geschickt war, so hatte er eine Anzahl verwe-gener Leute mit in die Verschwörung gezogen, und zwar vorzugsweisesolche, welche später leicht von der Theilnahme an der Regierung.fern gehalten werden konnten. Unter ihnen war Ranzau derbedeutendste. Dieser hatte sich durch Schulden in große Verlegenheitgebracht und da Struensee ihm seine Schulden nicht hatte bezahlenwollen, so ergriff er begierig die dargebotene Gelegenheit, sich durcheine Revolution zu helfen.

In der Nacht vom 16—17. Januar 1772 führten die Verschwo-renen ihren Plan aus. Juliane und Prinz Friedrich drangen mitRanzau und anderen Verschworenen in das Schlafzimmer des Königsund schreckten diesen durch die erdichtete Nachricht vou Gefahren sosehr, daß er die ihm vorgelegten Befehle unterschrieb. Auf solcheWeise erlangte man Verhaftsbefehlc gegen die Königin Karoline