Die Jlluminatm.
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und Gnade werde nichts anderes bezeichnet, als daß der Mensch ausdem Stande der ursprünglichen Reinheit und Freiheit durch die Ge-walt der Triebe und Leidenschaften in den Zustand der Wildheit ge-rathen, aus denselben durch Staatsthümer und Religionen zu demStande der jetzigen unvollkommenen Bildung geführt worden sei,und aus diesem durch die Macht der aufgeklärten Vernunft zum Be-wußtsein und freien Gebrauch seiner angestammten Würde in dasReich der freien Gnade versetzt werden solle.
Der Bund, der mit wenigen Professoren und Studenten inJngol-stadt begonnen hatte, bekam binnen wenigen Jahren Tausende vonMitgliedern, unter denen sich die angesehensten Personen befanden.Die Ort- und Landschaften, in welchen er sich Eingang verschaffthatte oder zu verschaffen hoffte, wurden mit Namen aus der älterenund mittleren Zeit bezeichnet, und ebenso den Mitgliedern bedeutsamegeschichtliche Namen beigelegt. Wcishaupt selbst nannte sich Spartakus,um anzudeuten, daß er die Sklavenkettcn der Welt zu brechen beab-sichtige. Im protestantischen Deutschland warb besonders der han-noverische Freiherr von Kuigge, ein welterfahrner, der maurerischenVerhältnisse kundiger Mann und gewandter Schriftsteller, welcherdem Orden unter dem Namen Philo beigetrctcn war. Derselbe ar-beitete ausführliche Instruktionen für den Priester- und Regentengradaus. Es fehlte aber den Häuptern Adel der Gesinnung und dieKraft der eigenen Ueberzeugung. „Sie können nicht glauben," schriebWcishaupt an einen seiner Vertrauten, „welches Auf- und Ansehenunser Priestergrad bei den Leuten erweckt, daß große protestantischeund reformirtc Theologen, die vom Orden sind, glauben, der darinertheilte Religionsunterricht enthalte den wahren Sinn und ächtenGeist der christlichen Religion. O Menschen, zu was kann man euchbereden! Hätte ich doch nicht geglaubt, daß ich noch ein neuer Glaubens-stifter werden solle."
Bald aber zeigte sich, daß die von der Rechenkunst des Ver-standes zur Begründung eines neuen Wcltregiments ersonnenen Mitteldenen nicht gleichkamen, welche die ersten Ordner der Staatsgesell-schaften in dem Ucbergewicht ihrer Kräfte und ihrer durch die Gunstdes Glücks errungenen Besitzthümer, später die Stifter kirchlicherOrden in der eigenen Begeisterung und in der gläubigen Hingebungder für religiöse Gefühle empfänglichen Menge gefunden hatten.
Die selbstdenkenden Glieder des großen Bundes wollten nichtWerkzeuge bleiben, sondern Werkmeister sein, und die gegenseitigeFörderung und Empfehlung entsprach der Erwartung nicht, weil die
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