Der Zug nach Versailles.
479
General und überhaupt der Aug hieher, als um dieses einen Zweckeswillen? Auch legten die Abgeordneten von Paris, als sie nun mitLafayette vor den König traten und die Bitten der Hauptstadt aus-sprachen, am meisten Gewicht auf den Punkt, daß der König demfranzösischen Volk einen Beweis seiner Liebe dadurch geben werde,daß er fortan den schönsten Palast von Europa, inmitten der größtenStadt seines Reiches, bevölkert voll dem zahlreichsten Theile seinerUnterthanen, zur Wohnung nehme. Ludwig glaubte mit einer allge-meinen gütigen Zusage, die Sache in Erwähnung ziehen zu wollen,davon zu kommen, und verwarf den Rath einer schnellen, verstoh-lenen Abreise jetzt um so entschiedener, als Lafayette ihm die Ver-sicherung gab, er habe von seiner Nationalgarde das eidliche Ver-sprechen des völligsten Gehorsams gegen König und Nationalver-sammlung erhalten. Wirklich ging die unbcsonneneZuvcrsichtLafayette'sauf leere Worte so weit, daß er den König bewog, den französischenGarden die alten Wachtposten im Aeußcren des Schlosses wieder zuvertrauen. Der erschöpfte Fürst ging nm 2 Uhr zur Ruhe, auch dieNationalversammlung ließ den Gedanken an eine Nachtsitznng fahrenund machte müden Parisern und Pariserinnen Platz, die im Saalesich zum Schlafe einrichteten. Auch Lafayette suchte endlich seinQuartier in der Stadt Versailles; er will dort die ganze Nacht nochgeblieben sein, nur drei Viertelstunden den matten Körper gestreckthaben. Immerhin! Der gutmüthig vertrauende Mann ward wieein Kind von den Ereignissen überrascht. Denn früh Morgens 6 Uhrdrang ein bewaffneter Pöbclhaufe in den Palast ein, ohne daß dieWachen, französische Garden, Widerstand leisteten. Es war zunächstauf die seit den Auftritten im Opcrnsaalc so tödtlich gehaßte Adclgardeabgesehen, und nicht lange, so erblickte man zwei Gardes-du-Corpserschlagen und ihre Köpfe auf Piken gesteckt. Der Haufe drangweiter, die Haupttreppe hinauf, gerade zu den Gemächern der Königin.Hier traten ihnen aus den Vorzimmern einzelne Gardes-du-Corpsentgegen, mehr abmahnend als abwehrend, denn der König hatteihnen vor Schlafengehen jeden ernstlichen Gebrauch ihrer Waffenwiederholt untersagt. Die aufgeschreckte Königin flüchtete kaum be-kleidet mit ihren Frauen zu den Zimmern des Königs, welcher selbstgegangen war, sie und die königlichen Kinder aufzusuchen. Es dauerteeine Weile, ehe man sich zusammenfand. Von nun an sammeltensich die im Schlosse befindlichen Gardes-du-Corps zur Vertheidigungder Gemächer des Königs; allein gebunden durch Befehle, wie siewaren, siel einer nach dem andern in die Hände des Pöbels, ward