Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
JPEG-Download
 

Die Religion der Freiheit.

505

macht — Christum verläugnen, das wollte er doch nicht — und daer ein im Uebrigen dem Berge befreundeter Mann war, ließ mauihm senr ohnehin mattes Christenthum, wenn sein Gewissen einmaldaran hänge. Er gab unter diesen priesterlichen Miethlingen einseltenes Beispiel; denn die Gläubigen hatten sich alle vom Anfangan der Art und Weise widersetzt, wie die Revolution von Sünde zuSünde fortschritt. Sie waren nun fast alle über die Gränze, oderguillotinirt und ersäuft oder gefangen. Die indifferente Geistlichkeit,die ihr Amt um des Stückes Brod willen behalten hatte, gab, alssie sah, daß das Stück Brod kläglich genug ausfiel, nun das Amtauch auf. Die Religion brauchten sie eigentlich nicht aufzugeben;diese armseligen Menschen hatten nie eine gehabt.

Die Glocken, mit Ausnahme der Sturmglocken, waren schon fastallenthalben in die Kanonengießcrcien gewandert, das Kirchensilbergrößtenteils in die Münze. Nun konnte man auch den letzten Nestwegnehmen, die Meßkelche und Weihrauchfässcr. Aus dem Leinen-zeuge der Kirche machte man Hemden für die Armen, aus den Meß-gewändern machte sich der Pöbel Pumphosen. Aus den Meßbüchernmachte man Patronenpapicr; die Altäre wurden allenthalben zerstört;die Sakristeien geplündert; den Kirchensammt vertrödelten die Juden —endlich in den leeren Kirchen brannte man große Feuer, tanzte umsie, und verbrannte unter Hohn und Spott die Reliquien, das Hemddes heiligen Ludwig und anderes dergleichen — sogar die Gräberplünderte man und verschmolz die bleiernen Särge zu Kugeln. Bevordie heiligen Gesäße aber in die Münze wanderten, ward Spott undFrevel mit ihnen getrieben; aus den Kelchen besoff man sich in Brannt-wein; in den Patenen 0 trug man Häringe dazu auf — Leute ausdem Pöbel zogen die Priestergewänder an, und ritten auf Eseln inHanswurstweise durch die Straßen, hielten vor den Schnapsläden,und ließen sich den Abendmahlskelch füllen. In Paris fand sich soeinmal eine ganze Prozession solcher Frevlcrhanswürste zusammen;an den Halftern führten sie neben sich andere Esel, die mit Crucifixenund dergleichen heiligen Geräthcn beladen waren. So in einemNarrenaufzugc brachte man den Rest des Pariser Kirchensilbers,trunken und halbtrnnken, nach dem Convente, nach diesem ehrwür-digen Rathe der neuen Republik, und hielt hier in KnittelversenNarrenreden vor den Repräsentanten der großen Nation.

1) Tellercheu, auf welchem d. h. Hostie liegt-