Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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IV. Zeitalter der Revolution.

Kalender eingeführt und der christliche Sonntag sammt allen christ-lichen Festen abgeschafft worden. Was von der christlichen Kircheübrig war, stund nun schon in gar keinem symmetrischen Verhältnissemehr mit dem Staatsleben — das Staatsleben ignorirte überhauptdas Christenthum, und doch hatte der Staat früher bei Wegnahmedes Kirchcngutes die Besoldung und Versorgung der constitutionellcnPriester übernommen. Das mußte nunmehr als unnütze Last er-scheinen. Man kann sich denken, welchen Anklang es unter diesenUmständen fand, als am 7. Nov. 1793 der konstitutionelle PfarrerParens an den Convcnt schrieb: „sein liebes Leben laug habe er Lügengepredigt. Es sei nichts mit diesem Christus. Er sei der Sache müde;verzichte auf seine Pfarrei, und bitte den Convent, ihm ein anderesBrod zu geben." Sofort ward eine insntiou IrouorMe dieses Ehren-mannes decrctirt — und kaum war das geschehen, als der konstitu-tionelle Erzbischof von Paris, Göbel (von deutsch-französischer Art)aus Bruntrut in der Freigrafschaft, vor dem Convcnte auftrat, be-gleitet von den konstitutionellen Domherren des Capitels von Paris,die rothwollene Nachtmütze auf dem Kopfe, die Mitra, Kreuz undRing in der Hand haltend, und ebenfalls erklärte, er habe zeither nurgepredigt, weil das Volk das Christenthum verlangt habe, es wolle keinesmehr, so wolle er es auch nicht mehr — er erkenne keine Religion mehran als die Religion der Freiheit — und nachdem er dieß gesagt, warfer die Priesterkleidung und die Jnstgnicn seiner Würde von sich undMomoro, Chaumette und Hebert, die Freunde Clootzen's, jauchzten ihmBeifall. Nicht bloß konstitutionelle katholische Geistliche — auch derprotestantische Pfarrer Julien aus Toulouse folgte dem Beispiele derAbdication. Clootz überreichte der Versammlung sein Werk überdie Wahrheit des Mahvmmedanismus, worin bewiesen war, daß allepositiven Religionen Lügen seien, und die Gabe ward mit ehrendemDanke aufgenommen. Clootz predigte nun mit einigem Erfolge seineLehre, daß es keinen Gott gebe, als den, welcher in der Menschheit,im Geiste zum Bewußtsein komme, daß es keinen Gott gebe, als dieVernunft. Der Vortritt des Bischofs Göbel in dieser Sache electri-sirte den Convent, electrisirte die ganze französische Nation. Fastkeiner dieser losen Menschen, dieser constitutivncllen Geistlichen, wolltenun zurückbleiben; einer der wenigen, die doch zurückblicken, warGrügoire, konstitutioneller Bischof von Blois. Gegen die Rechteder römischen Curie, gegen die Rechte der Kirche, so weit sie mitjenen Rechten zusammenhingen, gegen die Rechte des gesalbten Haup-tes, welches ihm der Herr zum König gegeben, hatte er Front ge-