Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
JPEG-Download
 

570

IV. Zeitalter der Revolution.

aufgehoben; die Benutzung von Grund und Boden von Seiten desStaates so bequem gemacht, als die Natur der Sache zuließ, undmöglichst freie Disposition über Grnndeigcnthum gewährt; eine neueStädte- und neue Ncgicrungsordnung vollendeten den Kreis dieserneuen Einrichtungen — die Regierungsordnung (vorn 10. Dcc. 1808)ward erst nach v. Stein's Abgänge publicirt. Stein hatte sich nämlichnicht auf seine leitende ministerielle Thätigkeit beschränkt, sondern er,seine Verwandten und Freunde bildeten weithin bis zum Rheine eineKette, deren Glieder alle Napoleon in Deutschland feindliche Elementeauszuforschen, zu nähren, unter sich in Verbindung zu setzen suchten.Ein wahrer Franke seinem Charakter nach, d. h. scharf im Auffassen,aber stürmisch in der Aeußerung, heftig und dämonisch gewaltig,hatte Stein mehrfach schon sich weniger in Acht genommen, alsräthlich gewesen.

Mitte August 1808 ging Assessor Koppe mit Aufträgen vonKönigsberg, wo der Hof und die Ministerien noch waren, nach Berlin.Stein, von einer Mittagstafel ziemlich aufgeregt durch die Unterhal-tung kommend, fand Koppe reisefertig und schrieb in dieser Stimmungrasch noch einen Brief an den Fürsten Wittgenstcin. Koppe wardvon den Franzosen angehalten, Stein's Brief fiel ihnen in die Hände.Erst als der Verfasser ihn im Moniteur wieder abgedruckt las, saher, wie unvorsichtig er sich geäußert; da im Moniteur zugleich Na-poleons Unwille gegen Stein deutlich ausgedrückt war, wäre dieserfür Preußen zunächst nur eine gefährliche Last gewesen. Er nahmalso am 26. Nov. 1808 seinen Abschied und reiste nach Berlin.Hier aber las er ein Aechtungsdekret Napoleon's aus Madrid datirt,wodurch noinins Stein für vogelfrei erklärt ward, und zugleicherfuhr er, daß die französischen Behörden bereits seine Auslieferungverlangten; da floh er in Eile nach Oesterreich. Die Aechtung dientenur dazu, Stein in aller Augen zu heben, ihn in Böhmen vonneuem zu einem Anhalte- und Mittelpunkte fast aller deutschen In-teressen gegen Frankreich zu machen, und für die Einlcbung seineradministrativen Gesetzgebung in Preußen war es vielleicht sogarförderlich, daß der stürmische Geist des rheinfrankischen Freiherrnderselben nicht präsidirte.

Der Freibauer S ch arnhorst dagegen sollte, wie ihn schon seinTaufname bezeichnete, ein rechter David werden, der von der Weideder Heerden kommend mit serntrefsender Schleuder den korsischenGoliath niederwarf. Er war in Hämelsee im Cellischen geboren,hatte eine harte Jugend in bäurischer Umgebung unter angestrengter