Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Andreas Hofer und die Helden in Tirol.

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deß war auch der grausame Geueral Nusca mit einer französischenColonnc im Pusterthale bis Lienz vorgerückt und hatte bereits über200 Bauernhöfe und mehrere Kirchen in Brand gesteckt, als ihmEinhalt geschah. Hanger, ein Frcibnrger Student, der früher denZug nach Konstanz mitgemacht, kam mit mehreren Versprengten in'sPusterthal, sah die Bauern um ein Crucifix knieen, riß dieses mitgewaltiger Kraft heraus, trug es als Fahne voran und schlug dieplündernden Feinde, tapfer unterstützt von einem Aufgebot der Bauernunter Sieger, der aus Zorn über die Mordbrennerei Nusca'sdiesen zu braten gedroht hatte. Unter beständigen Gefechten (vom3.—11. August) wurde Rusca aus dem Lande gejagt. Ein anderesfranzösisches Corps unter General Peyri, das von Verona kam,kehrte alsbald wieder um. Auch die Scharnitz wurde den Bayernentrissen.

Ganz Tirol war befreit. Hofer ließ sich in Innsbruck als pro-visorischer Regent des Landes nieder und hielt, ohne im Geringstenaus seiner einfachen Bäuerlichkeit herauszutreten, eine strenge undmusterhafte Ordnung, als „Obercommandant in Tirol" voll allenVolksführcrn ohne Eifersucht anerkannt, vom Volke unsäglich verehrtund geliebt. Er schützte die Gefangenen, duldete keine Anarchie, thatSalomonische Rechtssprüche, schlichtete jede Streitigkeit unter denSeinigen mit väterlicher Weisheit, regelte die Finanzen einfach undehrlich, ließ Geld schlagen, hielt streng auf gute Sitten und gaballen seinen Regierungshandlungcn eine höhere Weihe durch volks-thümliche Andacht. Das Volk, das so tapfer gestritten, beugte seineKniee in täglichen Gebeten um ferneren göttlichen Schutz. Hoferunterschied sich nicht von seinem Volk durch außerordentliche Ta-lente, aber er vereinigte alle guten Eigenschaften desselben in seltenerHarmonie.

Obgleich er lieber gesehen hätte, seine Tiroler wären innerhalbihrer Gränzen geblieben, gab er doch dem Kapuziner nach, als dieservorstellte, welchen Vortheil der Kaiser bei den Friedensunterhand-lungen daraus ziehen könne, wenn nicht nur Tirol, sondern dasganze weite Alpenland für ihn in Waffen stünde. Haspinger unter-nahm also im September einen Zug in's Salzburgische, erstürmteden Luegpaß, schlug die Bayern überall zurück und besetzte Berchtes-gaden und Hallein, aber es war ihm nicht möglich, dieselbe Begeiste-rung, die in Tirol herrschte, nach Steiermark und Karnthcn zu ver-pflanzen. Die große Bewegung gerietst hier in's Stocken. Spcübacher,der dem Kapuziner gefolgt war, ließ sich bei Mclek, unfern Reichen-