Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Charakterzüge Napoleon's. ggZ

meiner Gunst und Gerechtigkeit, sondern hauptsächlich der Hochachtungund dem Zeugniß Ihrer Kameraden zu verdanken."

Aber nicht bloß nur Ossicierc, auch um gemeine Soldaten be-kümmerte er sich in dieser Weise; denen, die sich durch Tapferkeit undgute Aufführung vor Allen ausgezeichnet hatten, ertheilte er höhereGrade und wies, wenn sie in einem Gefecht auch nur leicht verwundetworden, Geschenke, nicht selten sogar Pensionen aus der kaiserlichenSchatulle au. Im Jahre 1807 nach der Schlacht bei Eylau ertheilteder Kaiser einem jungen Soldaten eine Pension von 600 Frankenund machte dieß, so wie die rühmliche That des Belohnten, in einemTagesbefehl bekannt. Es war der erste Fcldzug, welchen dieser mit-machte; er hatte während der Schlacht seinen tödtlich verwundetenObersten mitten aus einer Schwadron russischer Kürassiere heraus-geholt; er hatte ihn auf seinen Schultern getragen und mit seinemSäbel löwcnmuthig vertheidigt: „wie ein Sohn seinen Vater," drücktesich der Kaiser im Tagesbefehl aus und verglich diese That den hel-denmütigsten, welchen die Geschichte aller Zeiten überliefert habe.

Wo sich Napoleon auch befinden mochte, ob in den Tuilerien,ob zu St. Cloud, oder bei der Armee im Hauptquartier, selten ver-ging eine Woche, wo er nicht mindestens zwei- oder dreimal Heer-schau über die Truppen hielt, die er just am nächsten hatte. Außer-dem ließ er tagtäglich nach dem Frühstück die diensthabenden Batailloneund Schwadronen seiner Garde im Schloßhofe vor sich defiliren;man nannte dieß die kleine Parade des Kaisers. In der Regel warein neu organisirtes oder reformirtes, oder ein eben aus einem Treffengekommenes, oder auch ein zum Abmarsch bestimmtes Regiment zudieser Parade kommaudirt; in der Regel führte Prinz Eugen mitseiner herrlich schallenden Stimme dabei das Kommando, zuweilenvertrat ihn sein Adjutant General Moutou, zuweilen der schöne undtapfere Oberst Dorsöne, der eines der beiden Grcnadierrcgimentervon der Infanterie der alten Garde befehligte, und der von Naturgleichfalls die Gabe besaß, auf welche der Kaiser sehr großen Werthlegte, nämlich ein kräftiges Helles Organ. Während des Vorbeidc-filirens der Kolonnen hatte jeder Soldat, vom Gemeinen bis zumObersten das Recht, an den Kaiser heranzutreten und ihm sein per-sönliches Anliegen vorzutragen. Napoleon hörte, fragte und gabaugenblicklich Bescheid; wenn er abschlug, geschah es mit Gründenund auf solche Weise, daß der Bittende sich nicht gekränkt fühlenkonnte. Jeder Zuschauer bei diesen Paraden konnte Zeuge sein, wieder schlichte, gemeine Soldat, während seine Compagnie vor dem

SchLppner, Charakterbilder. III. M