Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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IV. Zeitalter der Revolution.

konnten: „Ja wohl, mein junger Freund; aber als wir jung waren,haben wir's doch noch besser gemacht." Diese Worte versöhnten allesund einstimmig schallte aus allen Reihen der Ruf: „Es lebe derKaiser!"

Nicht selten geschah es bei Revüen dieser Art, daß Napoleonin eigener Person den Mantel, das Geräth, den Tornister des Sol-daten untersuchte, oder daß er einem jungen, schwächlichen Rekrutendas Gewehr aus der Hand nahm und ihn mit freundlichen scherzen-den Worten ermuthigte: „Nicht wahr, junger Freund, es ist jadoch nicht schwerer, als die andern Gewehre; mit der Zeit wirdman's gewohnt, und es wird schon gehen." — Eines Morgens vorder Parade inspizirtc der Kaiser das zweite Bataillon Gardejäger,welches an diesem Tage den Dienst in: Schlosse hatte. Auf einmalblieb er vor einem Soldaten stehen, betrachtete ihn vom Kopf bis zuden Füßen, und sprach endlich mit einem Tone, der bald wie Vorwurfklang: „Nomens, warum trägst Du das Kreuz nicht, das Du zuBoulogne aus meinen Händen empfangen hast?" Napoleon kanntenämlich die Soldaten seiner alten Garde fast durchgängig von Personund Namen. „Mein Kaiser," sprach der Chasscur, „ich trage dasKreuz nicht auf der Uniform, dafür aber auf dem Leibe. Ein Kai-serlicher hat mir's mit dem Säbel auf der Brust in Stücke gehauen;es war bei Eßlingen, Eure Majestät wissen wohl, wo Ihnen derHut vom Kopfe geschossen wurde; aber die Stücke habe ich aufge-hoben, da sind sie." Mit diesen Worten holte Nomens ein Papiervon seiner Brust hervor und reichte es dem Kaiser hin: dieseröffnete es, und nachdem er hineingesehen, sprach er zu dem Sol-daten: „Wenn's so ist, Nomens, was meinst Du, wir wollen tau-schen, hast Du Lust?" Der Soldat machte ein verlegenes Gesichtund gab keine Antwort. „Was," sagte Napoleon, „Du willst nicht,ich gebe Dir mein eigenes Kreuz für die zerbrochenen Stücke vonDeinem."— Keine Antwort. „Dünkt der Handel Dir etwa schlecht?So antworte doch." — „Die Wahrheit zu sagen, mein Kaiser,"ließ sich endlich der Jäger verlegen und zögernd vernehmen, „wenn'sEuer Majestät recht ist, so kann's mir auch recht sein, aber aufmeine Bedingung: Eure Majestät dürfen die Stücke von meinen.Kreuz bei Leibe nicht verlieren." — „Du hältst ja große Stückeauf den Kram," sprach der Kaiser und schlug, indem er eine ver-achtende Miene annahm, mit dem Finger an das Papier, daß dieFragmente darin hernmsprangen. Es kostete den wackern Nomensgroße Mühe, seine Entrüstung über ein so schnödes Wort zurückzu-