Band 
Dritter Theil: Die neuere Geschichte.
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Eharakterzüge Napoleon's.

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halten; er richtete den Kopf mit einer Art Stelz in die Höhe, bißsich in die Lippen und sprach: „Ei ja doch Kram; aber Eure Kai-serliche Majestät verzeihen, wenn der Kram nicht gewesen wäre, sowäre Fran^ois Nomens auf die Ablösung gezogen, von wo Keinerwiederkommt. Ich behalte meine Stücke, ich lasse sie mir zusammen-löthcn, dann kann ich's wieder tragen." — „Nun alter Kamerad,"sprach Napoleon, „wenn sie Dir so an's Herz gewachsen sind, somagst Du Dein altes Kreuz behalten und meines sollst Dn dazu haben,für einen Tapferen wie Du, sind zwei Kreuze nicht zu viel." Erzupfte den alten Soldaten freundlich am Schnauzbart und sprachzurückkehrend zu den Ofsieiercn seines Stabes: „Ja sehen Sie, meineHerren, Nomens und ich sind zwei alte Bekannte; es ist ein gutTheil Jahre her, seitdem ich mit ihm zuerst zusammen gewesen. Erist nur immer ein Bischen empfindlich, der alte Kamerad." Mankann sich leichter denken, als beschreiben, wie wunderbar begeisterndsolche Auftritte, solche Worte des Kaisers auf die Armee wirkten.Die Soldaten wurden nicht müde, davon zu reden, sie befeuertensich daran zum Wetteifer und zur höchsten Hingebung. Die ganzeCompagnie sah denjenigen mit einer Art von Ehrfurcht, mit einerbewundernden Hochachtung an, von dem es hieß, der Kaiser habemit ihm gesprochen.

Selten ging die große wöchentliche Revue im Schloßhofe oderauf dem Carousselplatze zu Paris vorüber, ohne daß der Kaiser Ehren-bezeugungen ausgetheilt, Kreuze und Adclstitel verliehen oder Be-förderungen in den zur Musterung stehenden Regimentern vorgenommenhätte. In der Art und Weise, wie Napoleon hierbei zu Werke ging,lag immer etwas Großartiges, Ncbcrraschendes, Erhebendes, was vonder größten moralischen Wirkung auf die Soldaten sein mußte. DerKaiser besaß ein ganz eigenes Talent, dem gewöhnlichsten Vorgangeine dramatische Haltung zu geben, und nie bewährte er dieß Talentglänzender, als bei solchen Auftritten.

Er war bei einer der letzten Revüen, die er zu Ende desJanuars 181.4 abhielt. Napoleon ließ seinen Blick über die Schaarder Tapferen streifen, deren Viele nicht ahnten, daß sie heute ihrenKaiser zum letztenmal^ sahen. Es fällt ihm ein alter Soldat auf,der keine anderen Abzeichen trägt, als die eines Sergeanten. EinGesicht, das die Sonne in zwanzig Feldzügcn zu Erz gebräunt hatte,unter Luschigen Augenbrauncn zwei große rollende und blitzendeAugen, das martialische Antlitz znr Hälfte von einem ungeheuerenSchnnrrbart bedeckt. Der Kaiser winkt ihm vorzutreten und heran-