Band 
Erster Theil.
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sondern gilt allgemein von dem ganzen Stamme der Fran-ken; überall dieselbe Treulosigkeit, Blutgier, Mordlust. Wo-her eine so tiefe sittliche Bersunkenheit bei einem Stamme,den wir nach seiner übrigen Thatkraft genöthigt waren,als den Kern deutscher Nationalität aufzufassen? Diesenmerowingischen Greueln kommt doch unter Gothen, Bur-gundern und selbst Vandalen nichts gleich, die noch dazuin ihrer Härte gegen die besiegten Eingebornen durch Re-ligionshaß sich leiten ließen. Ein erheblicher Grund jenersittlichen Bersunkenheit der Franken scheint schon in demZustande des eroberten Landes selbst zu liegen; die Mi-schung aus keltischem und römischem Blute unter den Ein-geborenen, über die Chlodwig seine Macht gründete,scheint kein günstiges Ergebniß geliefert zu haben. DasSittengemälde, das die Geschichtschreiber von Trier ent-werfen, berechtigt zu dem Schlüsse, daß der Sittenver-sall der schlimmsten Kaiserzeit nirgends so sehr als inGallien fortgewuchert hat, und selbst durch den Einflußdes Christenthums nicht überwältigt werden konnte. Dazubrachte man aber auch die ganz verschiedene Lage, in wel-cher die Franken und in welcher die übrigen Germanenihre Eroberungen ausführten. Bei letztem waren es Zügemit Weib und Kind; das ganze Familienleben mit seinermildernden, zügelnden Gewalt betrat den fremden Boden;gerade an dem Kreise häuslicher Tugenden, wofür jadeutsche Nationalität stets so sehr empfänglich war, fandendie christlichen Einflüsse die trefflichste Anknüpfung. DieFranken dagegen drangen als Gefolgschaften, als Erobe-rungszüge einer unbändigen, beutelustigen Jugend überden Rhein. Das wüste raubgierige Soldatenleben erkanntekeine Ordnung an, als etwa die militärische zur Sicherungdes Sieges. Welch schweren Stand mußte bei solchen Leu-